Triathlet am Höhepunkt - Salvisberg: Wer nie aufgibt, landet plötzlich auf Hawaii
Von der schweren Krankheit zum Schweizer Rekord: Triathlet Andrea Salvisberg über Durchhaltewillen und plötzlich neue Ziele. Teilen ...
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Von der schweren Krankheit zum Schweizer Rekord: Triathlet Andrea Salvisberg über Durchhaltewillen und plötzlich neue Ziele.
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«Wenn du einmal aufgibst, wird es zur Gewohnheit. Gib niemals auf!» Das Zitat, das sich Andrea Salvisberg für seine Webseite ausgesucht hat, stammt vom grossen Michael Jordan. Und wer sich mit Salvisbergs bisheriger Karriere auseinandersetzt, merkt, dass der zweifache Olympia-Teilnehmer und EM-Bronze-Gewinner im Triathlon dieses Motto mit Bedacht ausgewählt hat.
Dass er nie aufgegeben hat, macht sich im Alter von 37 Jahren so richtig bezahlt. Beim Ironman im schwedischen Kalmar läuft Salvisberg vor einer Woche Schweizer Rekord. Der Berner absolviert die 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42 km Laufen in 7:28:53 Stunden. Den alten Bestwert unterbietet er damit um satte 8 Minuten.
«Alles ist möglich»
… ausser aufgeben. Andrea Salvisberg überrascht beim Ironman in Kalmar mit Schweizer Rekord und Rang 3.
Michael Campanella/Getty Images
Salvisbergs Planung wird davon auf den Kopf gestellt. Plötzlich ist die Qualifikation für den prestigeträchtigen Ironman Hawaii geschafft. Etwas, womit er kaum mehr gerechnet hat. Plötzlich geniesst nicht mehr die 70,3-WM in Nizza Mitte September oberste Priorität. Hier will der Vierte der Pro-Series-Wertung vor allem sein Punktekonto weiter füllen. Dann folgt am 13. Oktober das unverhoffte Highlight Hawaii.
Alle Meilensteine erreicht
Der Schweizer will 13 Tage vorher anreisen, um sich bestmöglich zu akklimatisieren. Was er jetzt schon weiss: dass er, der kürzlich Vater geworden ist, sein Töchterchen vermissen wird. «Ich hatte als Ziel drei Meilensteine in meinem Leben: Olympia, Hawaii und Vater werden. Als ich Vater geworden bin, ist Hawaii etwas zweitrangig geworden. Ich habe gemerkt, wie schön es ist, das Kind grosszuziehen.» Er verspüre eine regelrechte «Dad Power».
Salvisberg schwärmt: «Ich erlebe sicher gerade eine der besten Zeiten meines Lebens.» Dabei ist vor nicht allzu langer Zeit noch alles anders: Im August 2023 wird beim Emmentaler eine Hirnhautentzündung diagnostiziert. Es sei gewesen «wie ein endloser Ironman», beschreibt er 3 Jahre später. Es ist eine Zeit der Unsicherheit, der Fragezeichen. Über 8 Monate kommt und geht starkes Fieber. An normales Training ist nicht zu denken. Sponsoren springen ab.
«Ich habe aber auch sehr viel gelernt, etwa, das Leben mehr zu schätzen», sieht Salvisberg die andere Seite der Medaille. Und: «Meine Stärke, nicht aufzugeben – in diesen 8 Monaten war es fast immer möglich, die Sportkarriere an den Nagel zu hängen. Dass ich nie aufgegeben habe, hat mir jetzt auch den Weg an die Spitze ermöglicht.»
Bricht er seinen eigenen Rekord?
Das Comeback mündet in einen Wechsel von Kurz- zu Mittel- und Langdistanz. Dank der Loyalität seines neuen Trainers und der Erkenntnis, dass er die Ernährung umstellen muss, erreicht Salvisberg ungeahnte Höhen. Sie gipfeln in der Qualifikation für Hawaii.
Wie es danach weitergeht, weiss Salvisberg noch nicht. Der Rücktritt ist plötzlich nicht mehr so nah, zumal sich nach dem Exploit in Kalmar zahlreiche Sponsoren meldeten. Gerne will er seinen Schweizer Rekord noch einmal angreifen. Durchaus realistisch – nicht zuletzt, weil er auf Michael Jordan gehört hat.
SRF 3, Sport am Abend, 24.8.26, 18:45 Uhr ; pro/fha