Arbeitslosigkeit steigt: Tiefe Kluft zwischen Frauen und Männern

Die Arbeitslosigkeit in Österreich ist im August erneut gestiegen – und die Entwicklung trifft Frauen deutlich stärker als Männer. Während sie bei diesen um 0,8 Prozent zurückging, stieg sie bei jenen um 5,8 Prozent. Die Kluft zwischen Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt bleibt damit deutlich sichtbar. Arbeitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) ortet hier ein „großes Beschäftigungspotenzial“.

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Arbeitslosigkeit steigt: Tiefe Kluft zwischen Frauen und Männern

Arbeitslosigkeit steigt

Die Arbeitslosigkeit in Österreich ist im August erneut gestiegen – und die Entwicklung trifft Frauen deutlich stärker als Männer. Während sie bei diesen um 0,8 Prozent zurückging, stieg sie bei jenen um 5,8 Prozent. Die Kluft zwischen Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt bleibt damit deutlich sichtbar. Arbeitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) ortet hier ein „großes Beschäftigungspotenzial“.

Online seit heute, 13.58 Uhr

Ende des Monats waren 375.730 Personen beim Arbeitsmarktservice (AMS) arbeitslos oder in Schulung gemeldet, das bedeutete einen Zuwachs von 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich um 0,2 Prozentpunkte auf 7,2 Prozent, so das AMS. Insgesamt stieg die Zahl der Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer über 50 Jahre im August um 6,4 Prozent.

Ursache für die unterschiedliche Entwicklung bei Frauen und Männern sei die Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters für Frauen, analysierte AMS-Vorständin Petra Draxl die Entwicklung am Dienstag. Frauen müssen länger im Erwerbsleben bleiben und sind dadurch stärker von den aktuellen Problemen auf dem Arbeitsmarkt betroffen. Gerade für ältere arbeitssuchende Frauen sei die Rückkehr in Beschäftigung schwierig.

„Typische Frauenbranchen“ betroffen

Gleichzeitig verschärft sich laut Draxl die Situation „in typischen Frauenbranchen“. Im Gesundheits- und Sozialwesen stieg die Arbeitslosigkeit um 11,5 Prozent, im Handel um 4,8 Prozent. Draxl verwies auch auf die neuen Zielvorgaben von Arbeitsministerin Schumann an das AMS, die bei Frauen ein „besonders großes, bisher noch nicht ausreichend genutztes Beschäftigungspotenzial“ sieht, um dem Fachkräftemangel und dem demografischen Wandel entgegenzuwirken.

Eine Grafik zeigt die Arbeitslosigkeit in Österreich im Detail

Ein zentraler Faktor ist dabei die weiterhin ungleich verteilte Care-Arbeit, also die Betreuung von Kindern und die Versorgung von Angehörigen. Laut den von Schumann präsentierten Zahlen arbeiteten 2025 81 Prozent der unselbstständig beschäftigten Männer in Vollzeit, bei Frauen waren es hingegen nur 46 Prozent. Frauen sind damit wesentlich häufiger in Teilzeit beschäftigt.

Ruf nach mehr Fördermitteln für Frauen

Für das AMS bedeutet das laut Schumann, dass Frauen weiterhin besonders gefördert werden sollen. Vorgesehen sei, mindestens vier Prozentpunkte mehr Fördermittel für Frauen einzusetzen, als ihrem Anteil an der Arbeitslosigkeit entsprechen würde. Dabei gehe es insbesondere um Qualifizierung und darum, Frauen besser zu erreichen und langfristig auf dem Arbeitsmarkt zu halten.

Auch neu zugewanderte Menschen, vor allem Frauen, sollen laut Schumann besser in den Arbeitsmarkt integriert werden. Die Ministerin forderte einen schnelleren Zugang zum Arbeitsmarkt. Dabei müssten Draxl zufolge die „Schnittstellen“ etwa zu Ländern und Sozialhilfebehörden besser gestaltet werden. Wichtig sei es, Personen, die das Potenzial haben, in fachliche Ausbildungen zu bringen, so Draxl.

Schumann für Bonus-Malus-System bei Älteren

Neben Frauen und Zugewanderten orten Schumann und Draxl auch bei älteren Personen ein größeres Beschäftigungspotenzial. Bei dieser Personengruppe gab es auch im August keine Entspannung, kletterte die Zahl der Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer bei über 50-Jährigen doch um 6,4 Prozent nach oben.

„Wenn man als Ältere einen Job verliert, ist es schwer, einen neuen zu bekommen“, sagte Schumann und sprach sich für ein Bonus-Malus-System aus, um die Beschäftigungschancen von Älteren zu erhöhen. „Das halte ich für wesentlich“, sagte die Ministerin. Immerhin zeigte sich bei den unter 25-Jährigen mit minus 0,2 Prozent eine positive Entwicklung.

Auch Helmut Mahringer vom Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) forderte mehr Anreize für Unternehmen zur Anstellung von älteren Personen. Dass die Senkung der Lohnnebenkosten durch höhere Abgaben für über 60-Jährige finanziert wird, sieht er eher als Belastung. Das würde die ohnehin schwierigen Einstellungschancen weiter verschlechtern, so Mahringer.

Lob und Kritik

Dem Ruf von Schumann nach einem Bonus-Malus-System für ältere Arbeitskräfte kann der ÖVP-Wirtschaftsbund ebenso wenig wie die Wirtschaftskammer (WKO) abgewinnen, die ein solches für „kontraproduktiv, bürokratisch und ungerecht“ hält. Die Unternehmerkammer bemängelte bei den neuen Zielvorgaben der Arbeitsministerin auch zu wenige „wirksame Ansätze“.

Ähnlich äußerte sich die Industriellenvereinigung (IV), die bei den Zielvorgaben den Fokus auf eine rasche Vermittlung vermisst. Immerhin sei positiv hervorzuheben, dass die Arbeitsministerin „die Herausforderungen der demografischen Entwicklung anerkennt“.

Eine Balkengrafik zeigt die Arbeitslosenquote in Österreich seit 2014

Harsche Kritik kam von der FPÖ. Sie sah bei der Ministerin den „zynischen Versuch, von einem Totalversagen abzulenken“, und eine Flucht in die „irrationale Hoffnung auf sogenannte Green Jobs“. Rückendeckung kam hingegen von der Arbeiterkammer (AK), die die neuen Vorgaben als „wichtigen Schritt“ bezeichnete und mit einem Fokus auf Qualifizierung klare „arbeitsmarktpolitische Prioritäten“ erkennt. Ähnlich der Gewerkschaftsbund (ÖGB), der „wichtige Schwerpunkte, vor allem bei Qualifizierung, Weiterbildung und nachhaltiger Beschäftigung“, ortete.

Ausreißer Wien

Bei der Entwicklung der Arbeitslosigkeit zeigte neben dem Gesundheits- und Sozialwesen sowie dem Handel auch die Warenherstellung bzw. Industrie mit plus 3,3 Prozent deutliche Zuwächse. In anderen wichtigen Branchen wie dem Bau (plus 0,1 Prozent) legten die Arbeitslosenzahlen indes kaum zu.

In den Bundesländern stach Wien mit null Prozent gegenüber dem Vorjahr hervor, während es in allen anderen Bundesländern zu Anstiegen kam. Am stärksten fiel dieser in Niederösterreich und Vorarlberg (plus 0,4 Prozent) gefolgt vom Burgenland und der Steiermark (plus 0,3 Prozent) aus. Dahinter reihten sich Salzburg (plus 0,2 Prozent), Oberösterreich, Tirol (plus 0,1 Prozent) und Kärnten ein.

Eine Balkengrafik zeigt Arbeitslosigkeit nach Bundesländern

Weniger sofort verfügbare Stellen

Bemerkbar macht sich die anhaltende Konjunkturschwäche – die Arbeitslosigkeit stieg im August schon das 41. Mal in Folge – auch bei den Stellenanzeigen. Die Zahl der beim AMS gemeldeten sofort verfügbaren offenen Stellen sank Ende August gegenüber dem Vorjahr um 1,3 Prozent auf knapp unter 80.000. Noch deutlicher war das Minus bei sofort verfügbaren offenen Lehrstellen mit minus 15 Prozent. Bei nicht sofort verfügbaren Stellen wies das AMS im Jahresvergleich hingegen deutliche Zuwächse aus.

Beim Stellenmonitor des ÖVP-Wirtschaftsbunds ergab sich mit rund 170.000 Vakanzen der „höchste Stand der vergangenen zwölf Monate“. Er erfasst alle Jobportale und damit in der Regel mehr Stellenausschreibungen als das AMS. Damit zeige sich, dass die Betriebe „Mitarbeiter einstellen, ausbilden und investieren“ wollten, hieß es in einer Mitteilung.

Euro-Zone weiter bei 6,4 Prozent

In der Euro-Zone blieb die Arbeitslosenquote im Juli mit 6,4 Prozent stabil, wie das Statistikamt Eurostat am Dienstag in Luxemburg mitteilte. Die Gesamtzahl der Arbeitslosen betrug im Juli 11,264 Millionen. Besonders hoch war die Arbeitslosenquote nach wie vor in Spanien mit zehn Prozent. Österreich lag mit 6,2 Prozent im Mittelfeld.