CDU-Politiker bei Lanz: "Das merkt die Bevölkerung, das nimmt die Bevölkerung übel"
Unions-Fraktionschef Frei "Das merkt die Bevölkerung, das nimmt die Bevölkerung übel"Aktualisiert am 26.08.2026 - 07:46 UhrLesedauer: 4 Min.Bei seinem ersten "Markus Lanz"-Auftritt als Unions-Fraktionschef wird...
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Unions-Fraktionschef Frei
"Das merkt die Bevölkerung, das nimmt die Bevölkerung übel"
Aktualisiert am 26.08.2026 - 07:46 UhrLesedauer: 4 Min.
Bei seinem ersten "Markus Lanz"-Auftritt als Unions-Fraktionschef wird Thorsten Frei in die Mangel genommen. Von Putsch-Plänen gegen Kanzler Merz will er nichts wissen.
Hat Friedrich Merz in der Union noch den nötigen Rückhalt, um die für das Land so wichtigen großen Reformen durchzusetzen? Der Journalist Michael Bröcker äußerte bei "Markus Lanz" am Dienstagabend deutliche Zweifel daran und erklärte, die Autorität des Kanzlers sei auf mehrere Weise beschädigt. Gemeinsam mit SPD-Chef und Finanzminister Lars Klingbeil bilde er inzwischen ein Duo aus "Dead Men Walking" – aus wandelnden Toten also –, über dessen Ablösung in den eigenen Parteien längst diskutiert werde. "Und das ist eine Gemengelage, die ist schon fast toxisch", urteilte Bröcker angesichts der Diskrepanz zwischen der Größe der Herausforderungen und der mangelnden Stabilität, die er den entscheidenden Akteuren attestierte.
Gäste:
- Thorsten Frei (CDU), Vorsitzender der Unions-Bundestagsfraktion
- Frauke Brosius-Gersdorf, Juristin
- Michael Bröcker, Journalist
Im Video | Journalist legt sich bei Lanz mit Frei an

"Ich kenne niemand Ernstzunehmenden, der so etwas diskutiert", kommentierte hingegen Thorsten Frei die seit Monaten kursierenden Gerüchte über Pläne, Merz an der Spitze der Regierung zu ersetzen. Der neue Unions-Fraktionsvorsitzende und ehemalige Kanzleramtschef gestand aber zu, dass die Umfragewerte für die Kanzlerpartei CDU "schrecklich" seien und nicht ihrem Selbstverständnis entsprächen. Allerdings regiere man eben auch in "extrem schwierigen Zeiten", die unter anderem vom Krieg in der Ukraine, Reformstau und mangelndem Wirtschaftswachstum geprägt seien.
Was gerade die ökonomische Krise für die deutsche Gesellschaft bedeutet, hatte Frei kurz zuvor ohne Umschweife erklärt: "Wenn man irgendwem etwas geben will in der Gesellschaft, muss man vorher einer anderen Gruppe etwas weggenommen haben." Dass Regieren unter diesen Umständen kein Vergnügen und kein Beliebtheitstreiber sei, so die implizite Botschaft, verstehe sich von selbst.
Journalist lässt nicht locker
Bröcker ließ beim Thema Rückhalt für den Kanzler innerhalb der Union aber nicht locker. "Garantiert wird Herr Frei wie jeder führende Christdemokrat in den vergangenen Monaten darüber nachgedacht haben, ob Friedrich Merz – dieser Bundeskanzler mit den Umfragewerten, mit den Persönlichkeitswerten – diese Legislatur beenden kann."
Ein Dementi des Merz-Vertrauten Frei gab es an dieser Stelle nicht. Klar verneinte er hingegen die Frage des Moderators danach, ob der Bundeskanzler selbst schon mal mit dem Gedanken gespielt habe, hinzuwerfen.
Das schätzte zwar auch Bröcker so ein. Dennoch wollte er nicht ausschließen, dass Merz hinwirft, sollten sich die negativen Trends fortsetzen. Zwölf Prozent Zustimmung in der Bevölkerung und 20 Prozent in den Umfragen für Sachsen-Anhalt kurz vor der Landtagswahl seien schließlich Werte, für die man die ehemalige CDU-Vorsitzende und Kanzlerin Angela Merkel öffentlich "gegrillt" hätte.
Moderator Lanz erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass auch Merz' wenig populärer Amtsvorgänger Olaf Scholz deutlich höhere Beliebtheitswerte aufzuweisen gehabt habe. Dem vorzeitig zurückgetretenen SPD-Kanzler hätten immerhin 23 Prozent der befragten Bürger bescheinigt, gute Arbeit zu leisten.
Frei nähert sich einer Entschuldigung an
Auch mit Frauke Brosius-Gersdorf hatte es Frei bei seinem ersten Lanz-Auftritt als Unions-Fraktionschef nicht leicht. Dabei sprach der Christdemokrat der ehemaligen Bundesverfassungsrichter-Kandidatin gegenüber sogar eine Art Entschuldigung aus. Wenigstens erinnerten seine Worte den Moderator daran, auch wenn Frei auf Lanz' Nachfrage, ob es sich um eine gehandelt habe, nicht direkt antwortete. "Dass Ihnen im vergangenen Sommer auch Unrecht widerfahren ist, das ist völlig unbestritten aus meiner Sicht", hatte Frei erklärt und bestätigt, dass die Debatte rund um Brosius-Gersdorfs Kandidatur keinen guten Verlauf genommen habe.
Die Rechtswissenschaftlerin war 2025 auf Vorschlag der SPD als Bundesverfassungsrichterin nominiert worden, schließlich aber am Widerstand aus der CDU/CSU-Fraktion gescheitert. Inhaltlich hatten dabei vor allem ihre Positionen zum Abtreibungsrecht eine Rolle gespielt. Brosius-Gersdorf sah sich in diesem Zusammenhang mit starken Anfeindungen aus der Politik und den sozialen Medien konfrontiert.
"Das war eine Politisierung der Richterwahl", urteilte die Verfassungsrechtlerin und fühlte sich an den von Kulturkämpfen geprägten Auswahlprozess für den US-amerikanischen Supreme Court erinnert. Die Union habe sich von rechtsnationalen Kampagnen, von neuen rechten Medien und E-Mail-Fluten treiben lassen und der Institution des Bundesverfassungsgerichts auf diese Weise enormen Schaden zugefügt, so Brosius-Gersdorf.
Nichts zu gewinnen an diesem Abend
Es sollte nicht ihr einziger Kritikpunkt am Handeln und am Demokratieverständnis der Union bleiben. Die Verfassungsrechtlerin nahm auch die Haltung der CDU/CSU zum Abtreibungsrecht und zur Leihmutterschaft sowie die sogenannte Brandmauer zur AfD und den Unvereinbarkeitsbeschluss gegenüber der Linken ins Visier. Wenn etwa bei der Besetzung von Ausschüssen des Bundestags Kandidaten der Linken und – mit gewissen Einschränkungen – der AfD von der Parlamentsmehrheit blockiert würden, sei das unter Umständen verfassungswidrig. Da gehe es um Minderheitenschutz und den Schutz von Oppositionsparteien, führte Brosius-Gersdorf aus und warnte davor, gewählte Parteien, die nicht vom Bundesverfassungsgericht verboten seien, auszugrenzen. "Das merkt die Bevölkerung, das nimmt die Bevölkerung übel", lautete ihr Fazit.
Auch wenn Frei sich von solchen und anderen Äußerungen seiner Mitdiskutanten, die manchmal eher Attacken glichen, kaum aus der Ruhe bringen ließ: Zu gewinnen gab es für ihn und seine Partei an diesem Abend nichts.