Sorge vor weiterer Flut: Sucheinsatz in Tibet und Nepal ausgesetzt

Nach der verheerenden Sturzflut in Nepal und Tibet ist wegen der Gefahr einer weiteren Sturzflut der Rettungseinsatz im Zentrum des Katastrophengebiets in Tibet unterbrochen worden. Ein See, der sich hinter Schlamm- und Geröllmassen aufgestaut habe, beginne, über die Ufer zu treten, berichtete der chinesische Staatssender CCTV am Freitag. Kurze Zeit später wurde auch der Rettungseinsatz im nepalesischen Distrikt Rasuwa vorübergehend gestoppt. Im Katastrophengebiet wurden bisher 472 Todesopfer ge

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Sorge vor weiterer Flut: Sucheinsatz in Tibet und Nepal ausgesetzt

Sorge vor weiterer Flut

Nach der verheerenden Sturzflut in Nepal und Tibet ist wegen der Gefahr einer weiteren Sturzflut der Rettungseinsatz im Zentrum des Katastrophengebiets in Tibet unterbrochen worden. Ein See, der sich hinter Schlamm- und Geröllmassen aufgestaut habe, beginne, über die Ufer zu treten, berichtete der chinesische Staatssender CCTV am Freitag. Kurze Zeit später wurde auch der Rettungseinsatz im nepalesischen Distrikt Rasuwa vorübergehend gestoppt. Im Katastrophengebiet wurden bisher 472 Todesopfer geborgen.

Online seit heute, 8.09 Uhr

(Update: 9.04 Uhr)

Wie CCTV berichtete, seien im Katastrophengebiet in Tibet alle Rettungsteams angewiesen worden, sich einen Kilometer weit zurückzuziehen und auf weitere Anweisungen zu warten. „Wir haben Informationen erhalten, dass auf der tibetischen Seite ein Damm gebrochen ist“, teilte die nepalesische Polizei kurz darauf mit.

Alle Einsatzkräfte und Bürger würden aufgefordert, wachsam zu bleiben und sich sofort an einen sicheren Ort zu begeben, so die Polizei weiter. Luftaufnahmen zeigten den See, der sich nach der Sturzflut am Mittwoch im Grenzgebiet gebildet hatte.

In der Nacht war in China gewarnt worden, es bestehe ein „hohes Risiko“ für neue Überschwemmungen. Wissenschaftler Xu Qiang von der technischen Universität Chengdu hatte zuvor im chinesischen Staatsfernsehen gesagt, in dem See hätten sich geschätzt zwei Millionen Kubikmeter Wasser gesammelt. Durch Regenfälle in den kommenden Tagen bestehe die Gefahr von Dammbrüchen, sagte Xu.

einen Grafik zeigt den Ort des Gletscherabbruchs in Nepal und die von der Sturzflut betroffenen Orte

Schwierigkeiten bei Identifizierung

Nach Angaben der nepalesischen Polizei stieg die Zahl der bestätigten Todesopfer bis Freitag auf mindestens 469. Jenseits der Grenze wurden laut chinesischen Staatsmedien in Tibet drei Todesopfer bestätigt. Von dort seien 499 chinesische Staatsbürger und 555 Touristen in Sicherheit gebracht worden, berichtete CCTV.

Wie die nepalesische Polizei weiter mitteilte, wurden zudem 1.545 Verletzte und Gestrandete gerettet. Am Donnerstag hatten die nepalesischen Behörden von nahezu 400 Todesopfern und mehr als 1.400 Vermissten gesprochen, unter ihnen zahlreiche Ausländer.

Angst vor weiteren Fluten

Nach der schweren Flutkatastrophe in Nepal und Tibet ist die Zahl der Todesopfer auf rund 470 gestiegen. Noch immer werden zahlreiche Bewohner und Touristen vermisst, zugleich warnt die Katastrophenschutzbehörde vor einer möglichen neuen Flutwelle.

„Es wird noch einige Zeit dauern, bis wir einen vollständigen Überblick über die Vermissten haben, da wir derzeit noch kein klares Bild haben“, sagte Polizeisprecher Abi Narayan Kafle der Nachrichtenagentur dpa. Das könne noch Tage dauern. Laut Polizeiangaben wurden viele Leichen noch nicht identifiziert, auch weil die Körper von der Flut stark beeinträchtigt wurden.

Gletscherabbruch ging Flut voraus

Die Sturzflut war am Mittwoch über den Fluss Bhotekoshi von Nepal aus durch die Grenzregion im Südwest Tibets bis nach Zentralnepal geschossen und hatte eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Ursache war nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS offenbar ein Gletscherabbruch. Was zu dem Abbruch führte, ist noch offen. Fachleute vermuten aber, dass die Erderwärmung zu den Ereignissen beigetragen hat.

Klimawandel könnte weitere Katastrophen begünstigen

Gletscherforscher Niels Hovius sagte in der ZIB2, der Klimawandel könne zu weiteren Naturkatastrophen dieser Art beitragen. Gleichzeitig verwies er darauf, dass auch andere Faktoren eine Rolle spielen.

Enorme Verwüstung

Die Wucht war so stark, dass Erdbebenmessinstrumente ausschlugen. Zudem begünstigte nach Expertenmeinung das enge und steile Flusstal, dass sich die Wassermassen derart auftürmen konnten. Die Fluten rissen ganze Ortschaften, Bäume und Brücken mit und richteten schwere Schäden an Staudämmen und Gebäuden an. In China überflutete die Schlammlawine den Grenzübergang Gyirong, der eine Hauptverbindung in der Region nach Nepal ist, auch für Tourismus und Handel.