DHL fordert neue Paket-Regel: Über 23 Kilo nur noch zu zweit – GLS, Hermes und DPD widersprechen
StartseiteVerbraucherStreit um Obergrenze für Pakete: DHL fordert Zwei-Personen-ZustellungStand: 26.07.2026, 06:34 UhrKommentareUns auf Google folgenDHL will schwere Pakete ab 23 Kilo nur noch zu zweit zustelle...
- 3 min read
Streit um Obergrenze für Pakete: DHL fordert Zwei-Personen-Zustellung
Stand: 26.07.2026, 06:34 Uhr
DHL will schwere Pakete ab 23 Kilo nur noch zu zweit zustellen lassen. Verdi fordert sogar eine 20-Kilo-Grenze. Andere Paketdienste lehnen die Regelung ab.
Frankfurt – Wer online Fitnessgeräte, Katzenstreu oder Weinflaschen bestellt, bekommt oft tonnenschwere Lieferungen bis an die Haustür getragen. Für die Zustellenden ist das Schwerstarbeit, die häufig auf den Rücken geht. Der Marktführer DHL fordert nun schärfere gesetzliche Vorgaben für die gesamte Paketbranche.

„Pakete, die schwerer sind als 23 Kilo, sollten nur noch von zwei Menschen zugestellt werden dürfen“, sagt Nikola Hagleitner, DHL-Vorständin für das deutsche Brief- und Paketgeschäft, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Im Unternehmensbereich Post & Paket Deutschland beziehe sich etwa jede dritte Krankmeldung auf Muskel- oder Skelettkrankheiten. Laut Datenauswertung der AOK Rheinland/Hamburg fehlen täglich durchschnittlich 7,65 Prozent der Zusteller krankheitsbedingt – ein um 0,51 Prozentpunkte höherer Wert als in vergleichbaren Branchen.
Belastung durch schwere DHL-Pakete: Ballungsräume wie Rhein-Main-Gebiet besonders schwierig
Hagleitner verlangt eine verbindliche gesetzliche Regelung. Zwar machen Pakete zwischen 23 und 31,5 Kilo nur 1,1 Prozent des DHL-Volumens aus, über 90 Prozent davon ließen sich aber problemlos auf zwei Sendungen aufteilen. Wie zum Beispiel bei einem Boten, der von seiner 27-Kilo-Schlepperei mit Streusalz berichtete. Einen Alleingang lehnt DHL jedoch ab: „Gesundheitsschutz funktioniert dauerhaft nur, wenn für die gesamte Branche dieselben Regeln gelten und diese auch strikt kontrolliert werden.“
Die Belastung zeigt sich besonders in dicht besiedelten Ballungsräumen wie der Region Rhein-Main: In Städten wie Frankfurt schleppen Paketboten schwere Kisten regelmäßig bis in das vierte oder fünfte Obergeschoss eng gebauter Altbauten – häufig ohne Aufzug. Zur Weihnachtszeit wird die Belastung enorm. Hier sind es schon mal insgesamt bis zu 200 Pakete pro Tag. Gewerkschaften verweisen in Hessen seit Langem auf die extrem hohe Verdichtung der Touren und fordern wirksame Entlastungen für die Beschäftigten.
Konkurrenz-Paketdienstleister Hermes, DPD und GLS gegen Obergrenze
Doch die Konkurrenz wehrt sich. Wie die dpa berichtet, lehnt der Paketbranchen-Verband BPEX (vertritt u. a. Hermes, DPD, GLS) eine Senkung der aktuellen 31,5-Kilo-Grenze strikt ab. Der Verband verweist auf den akuten Personalmangel, mögliche CO₂‑Mehrausstöße durch Extra-Touren, und plädiert stattdessen für den Einsatz professioneller Paketkarren.
DHL-Chefin Hagleitner hält davon wenig. Wie sie der dpa erklärte, gebe es „keine geeigneten technischen Hilfsmittel, die Gesundheitsgefahren bei schweren Paketen in der Ein-Personen-Zustellung wesentlich minimieren“. Selbst Tests mit unterstützenden Exoskeletten seien wegen Hitzeentwicklung und dem Eigengewicht des Hilfsmittels ernüchternd verlaufen.
Gesetzesentwurf stockt – doch er würde es für Verbraucher teurer machen
Der Gewerkschaft Verdi geht der Vorschlag hingegen nicht weit genug. Sie fordert eine strikte 20-Kilo-Grenze ohne Ausnahmen. „Es wird Zeit, dass die Bundesregierung aktiv wird und einen Gesetzesentwurf auf den Weg bringt“, sagt Verdi-Vize Andrea Kocsis der dpa. Ein früherer Gesetzesanlauf stockt derzeit, weil nach dem Ende der Ampel-Koalition die Verordnung für Ausnahmeregelungen fehlte.
Sollten sich DHL oder Verdi mit einer strengen Obergrenze durchsetzen, dürfte das Online-Shopping schwerer Waren teurer und komplizierter werden. Händler müssten Produkte entweder auf mehrere Pakete aufteilen oder für schwere Frachten teurere Speditionsdienste buchen, was die Versandkosten für Endkunden nach oben treiben könnte. (Quellen: dpa, Ver.di, AOK, eigene Recherche) (jh)