Nachfolge für Unions-Fraktionschef Jens Spahn noch im Juli – Merz erwägt Kabinettsumbau

Unionsfraktionschef Jens Spahn ist im Zuge der Leihmutter-Affäre zurückgetreten. Sein Nachfolger soll am 29. Juli bekanntgegeben werden. Dafür ist unter anderem Kanzleramtsminister Thorsten Frei im Gespräch. Unterdessen schloss CDU-Chef Friedrich Merz einen Umbau in der Bundesregierung nicht aus.

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Nachfolge für Unions-Fraktionschef Jens Spahn noch im Juli – Merz erwägt Kabinettsumbau

Leihmutter-Affäre

Spahn-Nachfolger soll Ende Juli bestimmt werden

Stand: 20.07.2026 13:16 Uhr

Unionsfraktionschef Jens Spahn ist im Zuge der Leihmutter-Affäre zurückgetreten. Sein Nachfolger soll am 29. Juli bekanntgegeben werden. Dafür ist unter anderem Kanzleramtsminister Thorsten Frei im Gespräch. Unterdessen schloss CDU-Chef Friedrich Merz einen Umbau in der Bundesregierung nicht aus.

von MDR AKTUELL

  • Spekulationen um Spahn-Nachfolge
  • Schulze "erleichtert" über Spahn-Rücktritt
  • Spahn stolpert über Leihmutter-Affäre
  • "Persönliches Glück unvereinbar mit politischem Amt"
  • Lob und Kritik aus Koalition und Opposition

Die Nachfolge für den zurückgetretenen Unionsfraktionschef Jens Spahn soll am 29. Juli entschieden werden. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Präsidiumskreisen. Demnach haben Bundeskanzler Friedrich Merz und CSU-Chef Markus Söder in einer Sitzung des CDU-Präsidiums angekündigt, dass es an dem Datum eine Sondersitzung geben werde. An einem gemeinsamen Personalvorschlag werde derzeit noch gearbeitet, hieß es.

In Zuge dessen hat Merz einen Personalumbau in der Bundesregierung nicht ausgeschlossen. "Es könnte eine Gelegenheit sein, noch einmal über die Aufstellung der Bundesregierung nachzudenken", sagte der CDU-Chef am Sonntag im ZDF-"Sommerinterview".

Merz war gefragt worden, ob er über einen größeren Personalumbau im Kabinett nachgedacht habe. Er verwies darauf, im Konjunktiv zu sprechen. Auf Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) angesprochen, der ein "Top-Kandidat für den Fraktionsvorsitz" sei, sagte Merz, er wisse nicht, wer Frei zum Top-Kandidaten gemacht habe. Er höre das zum ersten Mal.

Spekulationen um Spahn-Nachfolge

Würde Frei tatsächlich die Funktion des Unionsfraktionschef übernehmen, müsste Merz den einflussreichen Posten des Kanzleramtschefs neu besetzen. Als Fraktionschef käme neben Frei auch CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann infrage. Auch über Innenminister Alexander Dobrindt von der CSU wird spekuliert. Dann wäre allerdings dessen Position neu zu besetzen.

Bis zur Wahl eines neuen Fraktionsvorsitzenden übernimmt CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann die Amtsgeschäfte. Merz hatte bereits am Samstag mitgeteilt, dass er in Abstimmung mit Markus Söder einen Vorschlag für die Neubesetzung im Fraktionsvorsitz machen werde.

Video: Unionsfraktionschef Spahn tritt zurück (1 Min)

Schulze "erleichtert" über Spahn-Rücktritt

Unterdessen hat sich Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze erleichtert über den bevorstehenden Wechsel an der Spitze der Bundestagsfraktion gezeigt. Schulze sagte am Morgen bei MDR AKTUELL, die Debatte um Jens Spahn sei nicht hilfreich für den Wahlkampf in Sachsen-Anhalt gewesen. Deshalb sei es wichtig, dass das Thema jetzt abgeräumt sei.

Spahn erklärt Rücktritt in Leihmutter-Affäre

Der bisherige CDU/CSU-Fraktionschef Spahn hatte am Samstag seinen Rücktritt erklärt. In einem Schreiben an die Fraktion schreib er: "Ich habe die Parteivorsitzenden von CDU und CSU, Friedrich Merz und Markus Söder, darüber informiert, dass ich mit diesem Schreiben an unsere Fraktion von meinem Amt als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zurücktrete."

Merz bezeichnete Spahns Rücktritt in einer Erklärung als "richtig" und "unvermeidlich". Glaubwürdigkeit sei in der Politik das höchste Gut. Zugleich dankte der Kanzler Spahn für die Zusammenarbeit. Zuvor hatten Merz und andere CDU-Politiker Spahn zum Rücktritt aufgefordert, wie die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf Merz' Umfeld berichtet hatte.

"Persönliches Glück unvereinbar mit politischem Amt"

Spahn war unter Druck geraten, weil er und sein Mann die Hilfe einer Leihmutter in den USA in Anspruch genommen hatten. In Deutschland ist eine Leihmutterschaft verboten, die CDU lehnt sie zudem ausdrücklich ab.

Spahn erklärte in seinem Schreiben, ihm sei in den vergangenen Tagen bewusst geworden, dass sein persönliches Glück, gemeinsam mit seinem Mann eine Familie zu gründen und Vater zu werden, nicht vereinbar sei mit seinem politischen Amt: "Denn der Spagat zwischen meiner privaten Entscheidung zu einem Kind durch Leihmutterschaft und der nachvollziehbaren Erwartung an mich als Vorsitzenden unserer Fraktion ist größer geworden, als ich es erwartet hatte."

Lob und Kritik aus Koalition und Opposition

Die Fraktionschefs von Union und SPD, Matthias Miersch und Jens Spahn, sitzen im Bundestag nebeneinander.

Jens Spahn im Gespräch mit SPD-Fraktionschef Matthias Miersch (rechts), der Spahn für die gute Zusammenarbeit in der Koalition dankte.

Thüringens CDU-Generalsekretär Niklas Waßmann teilte mit, Spahn habe die richtige Konsequenz gezogen. Die Diskussion darum, dass er und sein Mann durch Leihmutterschaft Eltern geworden sind, habe viele Parteimitglieder und viele andere Menschen bewegt. Der SPD-Fraktionschef im Bundestag, Matthias Miersch, wollte sich nicht zur politischen Bewertung der Vorgänge um Spahn äußern. Spahn und er hätten in der Koalition "sehr eng und vertrauensvoll" zusammengearbeitet. Als Mensch könne erahnen, was die letzten Stunden für Spahn und seine Familie bedeutet hätten.

Linken-Chef Luigi Pantisano und die Grünen-Vorsitzende Franziska Brantner nannten den Rücktritt in der "Rheinischen Post" "längst überfällig" und verwiesen auf frühere Fehler Spahns, wie etwa den überteuerten Maskenkauf. Ähnlich äußerte sich AfD-Chefin Alice Weidel auf der Plattform X. FDP-Chef Wolfgang Kubicki nannte Spahns Verhalten einen weiteren moralischen Tiefpunkt der CDU.

Reuters/dpa/AFP, MDR (dni, lde)