Sommer-Interview: Bürgermeister Lang hält Erhöhung der Grundsteuer B in Dietzenbach für unausweichlich

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Sommer-Interview: Bürgermeister Lang hält Erhöhung der Grundsteuer B in Dietzenbach für unausweichlich

Stand: 17.07.2026, 06:00 Uhr

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bdi_Anschwimmen_Waldschwimmbad_Dietzenbach.JPG Foto: Prochnow, Michael

„Schwimmbad steht nicht zur Debatte“: Bürgermeister Dieter Lang kündigt zwar Einsparungen an, eine Schließung des Waldschwimmbads sei hingegen kein Thema. © Prochnow, Michael

Dietzenbach steht mit der Grundsteuer B bei 950 Prozentpunkten. Bürgermeister Dieter Lang (SPD) spricht im Interview über eine Anhebung. Im Haushalt fehlen 5,5 Millionen Euro.

Dietzenbach – Eine Erhöhung der Grundsteuer B und die Situation im Spessartviertel – zwei Themen, die Politik und Menschen in Dietzenbach beschäftigen. Im zweiten Teil unseres Sommer-Interviews erklärt Bürgermeister Dieter Lang (SPD) unter anderem, warum er eine Erhöhung der Grundsteuer B für unausweichlich hält.

Herr Lang, als Kämmerer halten Sie eine Erhöhung der Grundsteuer B für notwendig, um die prekäre Haushaltslage in den Griff zu bekommen. Eine rückwirkende Anhebung hat die Stadtverordnetenversammlung kürzlich abgelehnt. Ist für das kommende Jahr eine Steuererhöhung unausweichlich?

Ich kann es mir gar nicht anders vorstellen. Meine Aufgabe als Kämmerer und die Aufgabe des Magistrats ist es ja, dass wir frühzeitig informieren, wenn wir merken, im Haushalt entstehen Fehlbeträge. Nachdem klar wurde, dass 5,5 Millionen Euro fehlen, haben wir schnell reagiert und eine Anhebung der Grundsteuer empfohlen. Dem ist die Stadtverordnetenversammlung nicht gefolgt, sondern man hat entschieden, die weitere Entwicklung zu beobachten. Das bedeutet, dass wir in die Neuverschuldung gehen. Zwischenzeitlich haben andere Kommunen im Kreis reagiert und noch vor dem 30. Juni eine höhere Grundsteuer beschlossen. Wir stehen jetzt bei 950 Prozentpunkten und aus meiner Sicht ist es unausweichlich, dass wir da nachziehen. Die Grundsteuer B ist der verlässlichste, planbarste Faktor, um der Verschuldung entgegenzuwirken.

Gäbe es nicht auch andere, unpopuläre Lösungen? Kann sich eine finanziell klamme Stadt wie Dietzenbach beispielsweise noch ein eigenes Schwimmbad leisten?

Wer aufmerksam die Ereignisse in den letzten zwei Jahren rund ums Waldschwimmbad beobachtet hat, der wird festgestellt haben, dass wir dort Einsparungen vorgenommen haben. In der vergangenen Saison haben wir durch das Absenken der Wassertemperatur über 50.000 Euro gespart. Wir sparen in diesem Jahr zwischen 50.000 und 100.000 Euro ein, weil wir das Schwimmbad später aufgemacht haben als in den Jahren zuvor – die Randzeiten sind immer am unwirtschaftlichsten. Wir werden im Haushaltssicherungskonzept Maßnahmen ausarbeiten, wie wir am Waldschwimmbad noch sparen können. Das Waldschwimmbad steht für mich nicht zur Debatte bei den vielen Kindern, Jugendlichen und Familien, die wir hier in unserer Stadt haben. Aus meiner Sicht brauchen wir unser Waldschwimmbad.

Könnte die Stadt mit einem Verkauf ihrer Immobilien kurzfristig für Einnahmen sorgen und die laufenden Ausgaben reduzieren?

Wir haben uns in den letzten Jahren von Liegenschaften getrennt. Das waren der alte Bahnhof und das alte Rathaus, um nur zwei zu nennen. Mit dem Verkauf sparen wir dauerhaft Instandhaltungskosten, das hat den Haushalt wirklich entlastet. Wenn wir anfangen, Wohnungen zu verkaufen, wird das die strukturelle Unterfinanzierung einer Stadt wie Dietzenbach nicht lösen. Das ist ein Einmaleffekt, der würde uns über die nächsten Jahre oder Jahrzehnte nichts bringen.

Bürgermeister Lang im Sommer-Interview: Anhebung der Grundsteuer B „unausweichlich“

Die Stadt besitzt auch 89 Wohnungen im Spessartviertel, in dem eine umstrittene Hausverwaltung seit Jahren die Justiz beschäftigt. Sie haben die Hausverwaltung auch schon erfolglos angezeigt, zur Rechenschaft für angebliche Vergehen wurde sie noch nie gezogen. Sind die Vorwürfe nur heiße Luft?

Nein, mittlerweile hat auch das Amtsgericht erkannt, dass die Hausverwaltung ungeeignet ist und nicht ordnungsgemäß arbeitet.

Das hat das Amtsgericht schon häufiger entschieden, doch die Urteile konnten noch nie rechtskräftig bestätigt werden, weil die Hausverwaltung immer dagegen vorgeht und sich vorher wiederwählen lässt. Sie haben die Justiz deshalb kritisiert und ihr in einem offenen Brief Versagen vorgeworfen. Glauben Sie, es ändert sich jetzt etwas?

Danach ist einiges passiert. Es ist noch einmal deutlich geworden, dass die Richter unabhängig sind in ihrer Entscheidung und dass selbst dem Justizministerium die Hände gebunden sind. Die richterliche Unabhängigkeit gilt uneingeschränkt. Ich hoffe aber, dass die verantwortlichen Richter die Dringlichkeit der Situation erkennen und eine Notverwaltung einsetzen, der Ball liegt aktuell beim Landgericht Frankfurt. Es geht um das Wohl der Eigentümer und der Bewohner. Wir müssen verhindern, dass es zu weiteren sozialen Verwerfungen kommt. Dieses Klima der Einschüchterung muss aufhören. Der finanzielle Schaden, der den Eigentümern durch die ganzen Gerichts-, Pfändungs- und Mahnkosten entsteht, muss ein Ende haben.

Laut Stadt wohnen im Spessartviertel knapp 3300 Menschen, die Hausverwaltung spricht von 5000 Bewohnerinnen und Bewohnern...

Also 5.000 ist mit Sicherheit übertrieben. Im September 2023 waren 3213 im Einwohnermeldeamt gemeldet. Wir haben in dem Viertel allerdings mit illegalem Wohnen zu kämpfen, aber das kontrolliert die Stadtpolizei. Ein großes Problem – nicht nur im Spessartviertel – ist der Missbrauch unseres Sozialsystems beim Wohngeld. Was ich bei unseren Großrazzien beobachte, die wir in hervorragender Zusammenarbeit mit der Polizei, dem Finanzamt und der Bauaufsicht durchführen, sind kriminelle Strukturen, die dieses System unterwandern und ausnehmen wie eine Weihnachtsgans. Diesen kriminellen Strukturen muss das Handwerk gelegt werden.

Missbrauch beim Wohngeld auf der Spur: Betrüger melden elf Wohnungen statt Zimmer

Können Sie konkretisieren, wie die Betrüger vorgehen?

Ein Beispiel ist ein Gebäude mit elf Zimmern. Diejenigen, die das bewirtschaften, melden elf Wohnungen als Bedarfsgemeinschaften an und kassieren dann pro Zimmer 670 bis 820 Euro Wohngeld monatlich.

Was macht die Stadt dagegen?

Wir kontrollieren gemeinsam mit der Polizei, der Steuerfahndung, den Kollegen der Pro-Arbeit und der Bauaufsicht diese Liegenschaften, wenn es Ungereimtheiten bei den Daten des Einwohnermeldeamtes gibt.

Wie oft finden diese Razzien statt und wie viele Straftaten werden dabei aufgedeckt?

Wir führen diese Razzien vier bis sechs Mal pro Jahr durch. Bei den Kontrollen und aus der Nachbearbeitung ergeben sich 30 bis 60 Straftaten.

Das Gespräch führte Niels Britsch.