"So warm war's noch nie in der Zschopau": Fischzüchter verliert alle Forellen

Forellen mögen's kalt. Sie lieben 10 bis 16 Grad kaltes Wasser. Davon sind Sachsens Flüsse bei der Hitze weit entfernt. Die ersten Fischbestände verenden schon. Ein Fischer musste seine ganzen Zucht beseitigen.

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"So warm war's noch nie in der Zschopau": Fischzüchter verliert alle Forellen
Neuin Tonnen Forellen fischte Fischzüchter Schnek mit Helfern aus seiner anlage und warf sie in den Müll bzw. brachte sie in die Tierverwertung.

AUDIO: Fischzüchter bittet um Spenden: "Habe mir keinen anderen Ausweg mehr gewusst" (4 Min)

Fischsterben bei Hitze

Forellen leiden in Flüssen: Züchter in Döbeln hat existenzbedrohenden Schaden

von MDR SACHSEN

Stand: 13.07.2026 18:44 Uhr

Mit einem Hilferuf hat sich Familie Schnek aus Döbeln an MDR SACHSEN gewandt: "Uns ist bei der Hitze vor zwei Wochen der Bestand, also Besatzfische und fertige Speisefische, komplett gestorben", sagt Matthias Schnek. Dabei habe sein Familienbetrieb im Ortsteil Limmritz wirtschaftlichen Totalerschaden erlitten.

"Ich ziehe jedes Jahr um die 20.000 Forellen groß und verkaufe sie im Direktverkauf und an Gaststätten." Seit dem 29. Juni schwimmt keine Forelle mehr in Schneks Becken. Neun Tonnen Forellen verendeten bei 28,3 Grad Wassertemperatur der Zschopau, als in Sachsen Hitzerekorde von mehr als 40 Grad erreicht wurden.

Schneks Schwiegervater habe am Standort seit 1975 die Forellenanlage geleitet und in all den Jahrzehnten die Temperaturen aufgezeichnet. "28,3 Grad Wassertemperatur hat's in 51 Jahren nie in der Zschopau gegeben", sagt Matthias Schnek. Und weiter: "Für die Forelle ist das katastrophal. Sie hält maximal bis 27 Grad ab."

Gewitterwolken über einem Feld

Wirtschaftlicher Totalschaden

Der Fischzüchter hat seinen Betrieb im Juli und August geschlossen. "Mein Gesamtschaden beläuft sich auf weit über 100.000 Euro." Weil er beim Landesamt für Landwirtschaft und der Sächsischen Aufbaubank nach eigener Aussage keine Nothilfen erwarten kann, "habe ich mir keinen anderen Ausweg mehr gewusst, als an die Öffentlichkeit zu gehen."

Für unseren kleinen Familienbetrieb ist das ein existenzbedrohender Schicksalsschlag. Matthias Schnek, Fischzüchter in Limmritz

Seinem Aufruf auf einer Online-Spendenplattform sind Hunderte gefolgt. Darüber freut sich der 53-Jährige sehr. "Es ist eine riesengroße Anteilnahme zu spüren, die Leute haben schon viel gespendet. Ich bräuchte rund 50.000 bis 60.000 Euro, um mir im Herbst einen neuen Fischbesatz zu kaufen, dass es irgendwie weitergehen kann."

Am Rand eines Fischhaltebackens schwimmen tote Forellen mit den Bäuchen nach oben.

Matthias Schnek und Helfer holten mit Keschern insgesamt neun Tonnen tote Forellen aus den Zuchtbehältern und brachten sie zur Tierbeseitigung.

Fischsterben auch in der Chemnitz

Die anhaltende Hitze und der fehlende Regen belasten auch andernorts in Sachsen die Fischbestände. Besonders betroffen sind - wie bei Familie Schnek - Forellen, aber auch Lachse in Flüssen und Bächen. Das teilte der Landesverband Sächsischer Angler mit.

In der Chemnitz kam es bereits zu einem kleineren Fischsterben von Bachforellen. Grund dafür seien niedrige Wasserstände und hohe Wassertemperaturen von über 20 Grad. Für einige Fischarten könne das gefährlich werden. Für Angler gibt es zwar keine offiziellen Einschränkungen. Der Landesverband empfiehlt aber, zum Beispiel auf das Angeln von Forellen vorerst zu verzichten.

Klimafolgen-Konsequenzen

Verzichten will auch Matthias Schnek: Und zwar auf Forellen. Ab nächstem Jahr will er im Aufzuchtteich für die Forellen Karpfen mit reinsetzen "und viel, viel weniger Forellen züchten". So hat er es mit seiner Frau besprochen. Dann will er im Sommer nur noch maximal eine halbe Tonne Forellen als Bestand da haben, um die Risiken zu verringern.

MDR (kk/klw)