So haben Jan Böhmermann und ein Geocacher Kassel ein bisschen reich gemacht

In der ZDF-Show „Lass dich überwachen“ konfrontiert Jan Böhmermann Besucher mit dem, was sie im Netz preisgeben. Das ist lustig und lehrreich. Nun hatte ein Kasseler Geocacher seinen großen Auftritt.

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So haben Jan Böhmermann und ein Geocacher Kassel ein bisschen reich gemacht

Stand: 23.07.2026, 17:59 Uhr

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Ein bisschen wie eine Außenwette bei „Wetten, dass..?“: Der Kasseler Bernd Schoelzchen (links) beim Geocaching in der ZDF-Show „Lass dich überwachen!“ mit Moderator Jan Böhmermann.

Ein bisschen wie eine Außenwette bei „Wetten, dass..?“: Der Kasseler Bernd Schoelzchen (links) beim Geocaching in der ZDF-Show „Lass dich überwachen!“ mit Moderator Jan Böhmermann. © ZDF/Lennart Speer

In der ZDF-Show „Lass dich überwachen!“ konfrontiert Jan Böhmermann Besucher mit dem, was sie im Netz preisgeben. Das ist lustig und lehrreich. Nun hatte ein Kasseler Geocacher seinen großen Auftritt.

Köln/Kassel – Als Bernd Schoelzchen am 18. Juni das TV-Studio von Jan Böhmermann in Köln-Ehrenfeld betrat, ahnte er nicht, dass er bald einen großen Auftritt vor einem Millionenpublikum haben würde. Wie die anderen Gäste hatte der Kasseler Fotograf geglaubt, das Satireformat „ZDF Magazin Royale“ zu besuchen, das der Moderator jeden Freitag präsentiert. Stattdessen wurde an diesem Tag die Show „Lass dich überwachen!“ aufgezeichnet, deren neueste Ausgabe am Mittwoch ausgestrahlt wurde.

Für das ungewöhnliche TV-Format werden die Gäste in den Monaten vorher heimlich von der Redaktion durchleuchtet. Böhmermanns Mitarbeiter suchen alles, was man im Netz öffentlich hinterlassen hat. Damit werden die Besucher dann in der Show konfrontiert. Das ist beste Medienpädagogik, weil es die meisten von uns mit der Privatsphäre im Internet nicht so genau nehmen. Und es ist sehr unterhaltsam – auch im Fall von Bernd Schoelzchen.

Der Nordhesse ist Geocacher und war von Böhmermann selbst ausgewählt worden, wie er sagt, weil auch der Moderator gern auf digitale Schatzsuche geht. Mit dem Smartphone oder einem GPS-Gerät suchen Geocacher nach Behältern, die andere versteckt haben. Schoelzchen hat in seinem Leben bereits 4457 Caches gefunden, wie ihm Böhmermann auf der TV-Bühne vorhielt. Es steht auf seinem öffentlichen Geocaching-Account.

Im dortigen Forum kann jeder auch lesen, dass Schoelzchen im März 2015 erfolglos beim Schuhkauf war, 2019 Rückenprobleme hatte und im Januar 2025 mit seiner Familie Silberhochzeit auf Lanzarote gefeiert hat. Er schreibe eben gern kleine Geschichten, wenn er einen Cache gefunden habe, sagte er im Gespräch mit Böhmermann. Der fand: „Du bist auf jeden Fall beim Datenschutz nicht so gut wie im Suchen und Finden.“

Für die ausgewählten Besucher ist „Lass dich überwachen!“ stets eine Gratwanderung. Selbstverständlich lässt sich niemand gern im Fernsehen vorführen, aber für den ungewollten Ruhm bekommt jeder auch eine großzügige Entschädigung. Schoelzchen durfte vor dem Studio in einer Art „Wetten, dass..?-Außenwette zehn Verstecke suchen. Dabei wartete auf den Hobby-Camper als Überraschung in einem Wohnmobil seine Tochter. Sie war von der Redaktion ebenso eingeweiht worden wie seine Frau im Publikum.

Für jeden Erfolg wurde parallel zur Ausstrahlung am Mittwochabend in Kassel ein Cache im Wert von jeweils 100 Euro freigeschaltet. Böhmermann half dem Kandidaten in Köln ein wenig, weil ihm, wie er sagte, „Kassel und die Geocaching-Community am Herzen liegen“. So fand er immerhin neun von zehn Verstecken. Die neun Caches in Kassel waren am Donnerstagmorgen sämtlich abgeräumt, drei von ihnen befanden sich auf dem Uni-Campus. 900 Euro gingen also nach Nordhessen. Man kann sagen: Bernd Schoelzchen hat seine Stadt ein bisschen reich gemacht. Er selbst erhielt als Gewinn einen Gutschein über einen Campingurlaub in Höhe von 2000 Euro.

Während der Show sah man dem Gast an, dass er sich vor der Kamera nicht ganz wohlfühlte. Er war eher wortkarg, wie auch Böhmermann feststellte. Am Mittwochabend schaute Schoelzchen die Show gemeinsam mit Freunden. Auch die anderen Besucher bleiben in Erinnerung. Für einen Philipp aus Heidelberg etwa vereinte die Redaktion dessen einstige Schülerband Free Love Function. Über sie drehte das Böhmermann-Team auch noch eine fiktive TV-Doku mit Stars wie den Donots, Sebastian Krumbiegel von den Prinzen und Linda Zervakis, die alle sagten, wie wegweisend die gänzlich unbekannte Band doch für sie gewesen sei. Am Ende spielten die Musiker von einst mit Johannes Strate von Revolverheld und dem Rundfunk-Tanzorchester Ehrenfeld ihren 15 Jahre alten Song, der jetzt das Zeug zum Hit hat. Auch deshalb sollte man sich die Show in der ZDF-Mediathek unbedingt anschauen.

Bernd Schoelzchen fand die Ausgabe im Nachhinein ebenfalls sehenswert, wie er der HNA sagte: „Ich bin dankbar für die Erfahrung.“ (Matthias Lohr)