Sin City Hamburg
Nach „Wolfsfährte“ und „Blutadler“ ermittelt Peter Lohmeyer in „Brandmal“ zum dritten Mal als Hamburger Kommissar Jan Fabel. In den Romanverfilmungen des Schotten Craig Russell geht es überaus stylisch und blutig zu.
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Stand: 12.07.2026, 08:00 Uhr

Nach „Wolfsfährte“ und „Blutadler“ ermittelt Peter Lohmeyer in „Brandmal“ zum dritten Mal als Hamburger Kommissar Jan Fabel. In den Romanverfilmungen des Schotten Craig Russell geht es überaus stylisch und blutig zu.
Ein schottischer Schriftsteller, der seinen (deutschen) Krimihelden in Hamburg ermitteln lässt? Ja, auch das gibt es. Der ehemalige Werber Craig Russell spricht fließend Deutsch und ist ein Fan vor allem des teutonischen Nordens. Relativ spät entschied sich der 1956 geborene Ex-Polizist und Werbetexter dazu, Kriminalromane zu schreiben. Ab 2005 („Blutadler“) tat er das dann jedoch mit beachtlichem Erfolg. Russells Plots strotzen vor psychopathischen Serienkillern und Ritualmorden. Klar, dass bei so viel trendigem Krimipotenzial filmische Adaptionen nicht lange auf sich warten ließen. Nach „Wolfsfährte“ und „Blutadler“ spielte Peter Lohmeyer in „Brandmal“ 2015 ein drittes Mal den Kommissar Jan Fabel, der sich mit Morden an ehemaligen Mitgliedern einer linkspolitischen Aktivistengruppe auseinandersetzen muss. Das Erste zeigt den Film nun erneut.

Ein bekannter Liedermacher wird ermordet und skalpiert, dann trifft es einen renommierten Wissenschaftler. Die Opfer werden mit roter Farbe besprüht, am Tatort hinterlässt der geheimnisvolle Killer rote Haarsträhnen. Jan Fabels Team findet schnell heraus, dass die beiden Opfer als Studenten in den 80-ern einer politisch linken Gruppe angehörten. Für radikale Methoden und auch Gewalt schien man offen zu sein. Heute sind die ehemaligen Aktivisten angesehene Mitglieder der Gesellschaft. Beide Mordopfer kannten den bei einem Polizeieinsatz erschossenen Terroristen Franz Mühlhaus. Jan Fabel sucht die Überlebenden der Gruppe auf, um sie zu warnen und mehr über mögliche Hintergründe des Falles zu erfahren.
Da wäre zum Beispiel die Esoterikerin Beate Brandt (Charlotte Schwab), deren gewalttätiger Sohn Thomas (Godehard Giese) sich verdächtig verhält. Doch auch Umweltsenator Müller-Voigt (Hannes Hellmann), Kulturpolitiker Hans Schreiber (Thomas Kügel) und Stararchitekt Paul Menge (Peter Kremer) müssen sich Sorgen um ihr Leben machen ...
Düsterer Look, künstliche Dialoge
Regisseur und Routinier Nicolai Rohde gab „Brandmal“ einen äußerst düsteren Look. Von Hamburg gibt es weder freundliche, weiße Altbauten noch gemütlich einfahrende Containerschiffe zu sehen. Stattdessen dominieren fast schon künstlich kontrastreiche Schattierungen in schwarz, weiß und blutrot. Wenn Jan Fabel - in schwarz - die komplett weiß gewandete und eingerichtete Esoterikerin Beate Brandt verhört, erinnert die Bildsprache sehr viel mehr an „Sin City“ als an „Notruf Hafenkante“.
Eher nervig sind die künstlichen Dialoge, die Nils Willbrandt und Nils-Morten Osburg - sie adaptierten Russells Roman zum Drehbuch - den Akteuren in den Mund legten. Ziemlich laut hört man hier das Papier rascheln. Der gesamte Plot ist zudem zwar nicht schlecht ausgedacht, aber auch reichlich künstlich in seiner Herleitung. Wer auf realistische Sozialkrimis oder psychologisch fein Gesponnenes steht, wird sich bei Craig Russell nicht allzu wohlfühlen. Wen hingegen blutig überstylte Geisterbahn-Krimis immer noch nicht langweilen, der wird mit Peter Lohmeyers Jan Fabel einen unterhaltsamen Abend verleben.
Nach „Brandmal“ folgten mit „Carneval - Der Clown“ (2018) und „Todesengel“ (2019) noch zwei weitere Verfilmungen von Russells Fabel-Romanen mit Peter Lohmeyer in der Hauptrolle. (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit teleschau.)