Freibad in Frankfurt bricht Rekord schon vor Saisonende – warmes Wasser bei Frühsportlern beliebt
Das Silobad in Frankfurt-Unterliederbach zählt in der Saison 2026 bereits 5000 Besucher mehr als im besten Jahr der vergangenen Dekade. Geöffnet ist voraussichtlich noch bis Mitte September.
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Stand: 09.09.2026, 09:02 Uhr
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Das Silobad in Frankfurt-Unterliederbach zählt in der Saison 2026 bereits 5000 Besucher mehr als im besten Jahr der vergangenen Dekade. Geöffnet ist voraussichtlich noch bis Mitte September.
Unterliederbach – Immer, wenn ich in den frühen Morgenstunden am Silobad in Unterliederbach vorbeifahre, wundere ich mich: Da herrscht tatsächlich schon Betrieb. Sind die denn wahnsinnig? So früh schwimmen zu gehen?
Da ich mir diese Frage beantworten will, entschließe ich mich zu einem Selbstversuch. Kurz vor 7 Uhr stelle ich mein Auto auf dem tagsüber meist überfüllten Parkplatz direkt vor dem Bad ab. Neben mir parkt Dennis. Er kommt aus dem Rheingau und macht seit einem halben Jahr auf dem Weg zur Arbeit einen Zwischenstopp im Silobad. „Frühsport macht nicht nur Spaß, ist auch gesund. Und hier kann man sehr gut schwimmen“, verrät er mir, ehe wir uns zu den Frühaufstehern gesellen – zu denen ich normalerweise nicht zähle – und darauf warten, eingelassen zu werden.

Alle scheinen scharf darauf, ins kühle Nass zu hüpfen. Ich weniger. Angesichts der draußen herrschenden zwölf Grad bin ich eher skeptisch. Aber wer sich schon in die Höhle des Löwen wagt . . .
Ich ziehe mich entschlossen um und steige mit einem Dutzend anderer ins Wasser. Und siehe da: Es ist längst nicht so schlimm wie befürchtet. Im Gegenteil. Es ist sogar angenehm. Das Wasser im 50-Meter-Becken ist dank der Fernwärme aus dem benachbarten Industriepark Höchst deutlich wärmer als die Luft. Nach der ersten durchschwommenen Bahn finde ich es an der Zeit, mit einem der Hardcore-Schwimmer ins Gespräch zu kommen. Brigitte aus Bad Soden ist dem Schwätzchen im Wasser normalerweise eher abgeneigt, fürs Kreisblatt macht sie eine Ausnahme. „Als ich noch gearbeitet habe, bin ich zum Sport eher abends gegangen. Seitdem ich Rentnerin bin, komme ich etwa fünfmal in der Woche morgens her.“
Und zwar bei jedem Wetter. Sie mag es sogar lieber etwas kühler, dann sei das warme Wasser noch angenehmer. Selbst Regen stört sie nicht. „Im Wasser ist man ohnehin nass. Ich bin Frühaufsteherin, deshalb komme ich gerne schon um 7 Uhr. Da hat man Ruhe und kann gemütlich seine Bahnen schwimmen.“
Überrascht stelle ich fest, dass die meisten vor dem Schwimmen gar nicht erst in die Umkleide gehen, sondern ihre Kleidung auf einer Bank am Beckenrand ablegen. Hinterher wird geduscht, dann geht es nach Hause oder zur Arbeit. Denn die Frühschwimmer kommen in der Regel tatsächlich nur des Sports wegen – nicht zum Sonnen und Relaxen.
Das erste Dutzend ist schon um 7 Uhr da
„Um 7 Uhr sind es meistens ein Dutzend, gegen 8 Uhr dann 30 bis 40“, erzählt Mohammed Nassiri. Der Bademeister kennt seine Frühaufsteher. „Im Sommer sind sie bei uns, im Winter sehe ich sie genauso früh im Höchster Hallenbad.“
Horst aus Nied nutzt beides. Drei- bis viermal in der Woche. „Im Sommer hier oder später in der Halle kommen oft ab 8 Uhr Schulklassen. Dann bin ich weg. Sonst bleibe ich meistens etwa eineinhalb Stunden. Es ist gemütlich. Man schwimmt ungestört, jeder kennt jeden.“ Und zwischendurch gibt es eben auch mal ein Schwätzchen. „Hauptsächlich mit den Rentnern. Die Schnellschwimmer nicken einem höchstens beim Kommen und Gehen zu, ansonsten sind sie nur wegen des Sports da.“
So wie Christian aus Schwalbach. „Ich komme seit Jahren dreimal in der Woche hierher, weil hier die besten Bedingungen sind. So gut wie im Silobad kann man in den umliegenden Bädern nicht schwimmen. Da ist, wenn überhaupt, eine Bahn abgesperrt. Hier sind es zwei bis drei breite, 50 Meter lange Bahnen, in denen ich mich noch vor der Arbeit so richtig auspowern kann.“
Der Leiter des Silobades, Dennis de Clo, erzählt, dass bislang in der laufenden Freibadsaison 2026 knapp 117.000 Badegäste gekommen sind. Damit liegt das Bad schon jetzt rund 5000 Besucher über dem besten Jahresergebnis der vergangenen zehn Jahre. „Und da wir voraussichtlich bis Mitte September geöffnet haben, werden es sicherlich noch mehr.“
2026 hatte das Silobad erstmals seit der Corona-Pandemie wieder am 1. Mai Saisonstart. Wann die Saison endet, hängt vom Wetter ab. „Da das Höchster Hallenbad bereits in Betrieb ist, braucht sich niemand Sorgen zu machen, dass er nicht ins Wasser kann“, sagt de Clo. Der Betriebsleiter erinnert auch an die lange Geschichte des Bades: Das Silobad ist Frankfurts ältestes beheiztes Freibad. 1956 wurde es von der Hoechst AG gebaut, Anfang des 21. Jahrhunderts wurde es, nun in städtischer Hand, saniert.
An die 70er Jahre kann ich mich selbst noch gut erinnern. Mein Vater arbeitete bei den Farbwerken und „opferte“, wie viele Mitarbeiter, seine Mittagspause samt Mahlzeit, um ins Silobad zu gehen. Die Jahrestickets für Familien von Werksangehörigen kosteten damals 30 Mark. Später verbrachte ich als Student selbst viel Zeit im Wasser oder auf der großen Wiese mit den Fußballtoren. Die gibt es noch immer. „Der Charme von damals lockt viele Stammgäste in unser Bad“, sagt Dennis de Clo. Bei einem Rundgang entdecke ich allerdings auch einiges, was es früher „zu meiner Zeit“ noch nicht gab: Tischtennis, Freiluftschach, Beachvolleyball. Dazu kommen das Bistro, Minigolf und der Kinderspielplatz.
1994 wurde das Silobad für den symbolischen Preis von einer D-Mark an die Stadt Frankfurt verpachtet. Dass schon zu so früher Stunde Menschen vor dem Eingang stehen, findet de Clo keineswegs verwunderlich. „Besonders wenn die Temperaturen morgens niedriger liegen, profitieren die Schwimmer davon, dass sie viel Platz zum ungestörten Schwimmen haben und das Wasser bei uns auf angenehme 27 Grad beheizt wird.“
Manche kommen an jedem Tag
Er kennt sie alle, denn morgens kommen fast ausschließlich Stammgäste. „Ich habe großen Respekt vor den Leuten, die früh aufstehen und schon um 6.45 Uhr vor der Tür warten, um reinzudürfen. Manche kommen jeden Tag.“ Und es ist eine bunt gemischte Truppe. „Man findet hier Banker, Büroangestellte, Rentner – alles dabei. Man kennt sich, unterhält sich. Inzwischen hat sich zu vielen der Frühgäste so etwas wie eine Freundschaft entwickelt.“
Bereuen muss ich meinen Ausflug jedenfalls nicht. Als mich um 6 Uhr der Wecker aus tiefem Schlaf reißt, verfluche ich noch die ganze Welt – und insbesondere die Idee, ausgerechnet jetzt ins Schwimmbad zu gehen. Als ich wieder zu Hause bin, fühle ich mich wie ausgewechselt. Die Müdigkeit ist verflogen. Und ich mache mich frisch und munter daran, meine Erlebnisse niederzuschreiben.