Schweizer Staatsjobs boomen: Bewerberansturm auf öffentliche Stellen
Publiziert16. Juli 2026, 17:58Gefragte öffentliche HandSicherheit in Krisenzeit: Bund wird mit Job-Anfragen überranntDie Arbeitslosigkeit treibt die Nachfrage nach Staatsjobs in die Höhe. Bei manchen Kantonen h...
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Publiziert16. Juli 2026, 17:58
Gefragte öffentliche HandSicherheit in Krisenzeit: Bund wird mit Job-Anfragen überrannt
Die Arbeitslosigkeit treibt die Nachfrage nach Staatsjobs in die Höhe. Bei manchen Kantonen haben sich die Bewerbungen verdoppelt.

Darum gehts
- Steigende Arbeitslosigkeit macht den Staat als Arbeitgeber attraktiver.
- Das Gewerbe meldet eine Abwanderung.
- Beim Bund gehen seit 2023 jährlich rund 20'000 zusätzliche Bewerbungen ein, obwohl die Zahl offener Stellen sinkt.
Die Arbeitslosigkeit in der Schweiz ist so hoch wie seit der Corona-Krise nicht mehr, die Erwerbslosenquote ist höher als in Deutschland. Das hat zur Folge, dass die öffentliche Hand mit Stellenanfragen überrannt wird. Wenn der Kanton Thurgau im vergangenen Jahr eine Stelle ausgeschrieben hat, gingen im Schnitt 32 Bewerbungen ein. Das sind deutlich mehr als 2024 und fast doppelt so viele wie 2023, wie SRF berichtet.
In anderen Kantonen sei die Lage ähnlich. So habe sich auch die Zahl der Bewerbungen beim Kanton Schaffhausen seit 2023 mehr als verdoppelt, obwohl der Kanton nicht mehr Stellen zu vergeben habe. Beim Bund gehen seit 2023 jedes Jahr etwa 20'000 zusätzliche Bewerbungen ein, während die Zahl offener Stellen schrumpft.
Die Attraktivität von Jobs bei der öffentlichen Hand erklären Passanten in einer Strassenumfrage der SRF-Sendung «10 vor 10» mit der Jobsicherheit, dem Schutz vor Stellenverlust, der Sinnhaftigkeit und guten Löhnen. So verdienen Bundesangestellte im Schnitt 10'000 Franken mehr pro Jahr als vergleichbare Beschäftigte in der Privatwirtschaft.
«Arbeitnehmer suchen eine sichere Arbeitgeberin»
Staatsnahe Betriebe wie die Post, Ruag und SBB erhalten ebenfalls deutlich mehr Bewerbungen. SBB-Personalchef Adi Bucher erklärt dies mit der Wirtschaftslage und der gestiegenen Arbeitslosigkeit. «Die Arbeitnehmer suchen eine sichere Arbeitgeberin. Das ist die SBB. Wir sind auf Langfristigkeit ausgerichtet.»
Bucher sagt, wenn die Wirtschaft sehr gut laufe, könne es umgekehrt sein. «In konjunkturstarken Zeiten nehmen bei uns Bewerbungen ab.» Die Privatwirtschaft zahle in vielen Bereichen höhere Löhne als die SBB. Ausserdem gebe es bei dem Bahnbetrieb in staatlicher Hand Wochenendschichten und Nachtarbeit, was nicht jedermanns Sache sei.
Wie beurteilst du die aktuelle Entwicklung, dass Jobs beim Staat so begehrt sind?
Das ist verständlich, Jobsicherheit ist in unsicheren Zeiten das Wichtigste.
Ich finde es gut, dass der Staat als Arbeitgeber attraktiv ist und gute Konditionen bietet.
Es ist nachvollziehbar, aber die Privatwirtschaft sollte nicht darunter leiden.
Ich bin der Meinung, dass der Staat nicht so viele Vorteile bieten sollte.
Ich arbeite selbst beim Staat und kann die Attraktivität bestätigen.
Ich bin in der Privatwirtschaft glücklich und ziehe eine Staatsstelle nicht in Betracht.
Das ist mir egal, ich bin zufrieden mit meinem aktuellen Job.
Bei Gewerbeverbänden kommt der Trend zum Job beim Bund nicht gut an. Luca Jaquet, Präsident des kantonalen Gewerbeverbands, sagt, er stelle Abwanderungen aus dem Gewerbe zum Kanton fest. Dort seien die Anstellungsbedingungen besser, weil der Staat mehr finanzielle Möglichkeiten habe.
Laut Jaquet ist das Problem noch nicht akut. Das Gewerbe erhalte nicht schlechtere Bewerbungen als früher. Doch schon vor vier Jahren arbeitete jeder sechste Berufstätige in der Schweiz für den Staat.
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Fabian Pöschl (fpo) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er ist Verantwortlicher Wirtschaftsnews im Ressort Wirtschaft
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