Senat befürwortet Hertha-Stadion: Jetzt beginnt die schwierigste Phase

Neun Jahre hat Hertha BSC für diesen Moment gekämpft. Neun Jahre lang diskutierte der Verein mit Senat, Politik und Verwaltung über den Traum vom eigenen Stadion. Nun liegt erstmals eine offizielle Empfehlung v...

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Senat befürwortet Hertha-Stadion: Jetzt beginnt die schwierigste Phase

Neun Jahre hat Hertha BSC für diesen Moment gekämpft. Neun Jahre lang diskutierte der Verein mit Senat, Politik und Verwaltung über den Traum vom eigenen Stadion. Nun liegt erstmals eine offizielle Empfehlung vor, die dem Projekt neuen Rückenwind verleiht. Die Expertenkommission des Berliner Senats hält das Gelände an der Jesse-Owens-Allee für grundsätzlich geeignet. Für Hertha ist das die wichtigste positive Nachricht seit Beginn der Stadionpläne. Gleichzeitig endet damit aber nicht die Debatte um die Arena. Im Gegenteil: Viele der entscheidenden Fragen sind noch völlig offen.

Wegner spricht von einem „doppelten Gewinn“

Seit Herbst 2024 hatte eine Prüfgruppe aus Senats- und Bezirksverwaltungen den Standort umfassend untersucht. Im Fokus standen Verkehrsfragen, Umweltaspekte, der Schutz des historischen Olympiageländes sowie die möglichen Folgen für das Olympiastadion. Das Ergebnis fällt positiv aus: Ein Neubau ist an diesem Standort grundsätzlich möglich.

Für den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (53) ist das nicht nur eine gute Nachricht für Hertha BSC, sondern auch für die Hauptstadt. „Ein reines Fußballstadion für Hertha BSC wäre ein doppelter Gewinn. Für den Verein und für unsere Sportmetropole Berlin. Nach der Empfehlung kann Hertha BSC nun alle Voraussetzungen für den Wunsch eines eigenen Stadions konkret prüfen“, sagte Wegner.

Hertha-Präsident Fabian Drescher ist froh, dass der Senat jetzt den ersten großen Schritt für ein neues Stadion gemacht hat.

Hertha-Präsident Fabian Drescher ist froh, dass der Senat jetzt den ersten großen Schritt für ein neues Stadion gemacht hat.

© IMAGO/Daniel Lakomski/Jan Huebner

Auch beim Verein wurde die Entscheidung mit Erleichterung aufgenommen. Präsident Fabian Drescher schrieb auf seinem Instagram-Profil: „Wir bedanken uns für die intensive Arbeit aller Beteiligten. Die Eigentümerzustimmung zur Einreichung einer Bauvoranfrage ermöglicht nun die Prüfung zentraler planungsrechtlicher Fragestellungen.“ Übersetzt bedeutet das: Der Klub kann nun erstmals verbindlich klären, was auf dem Gelände gebaut werden darf und welche Voraussetzungen dafür erfüllt werden müssen.

Wie will Hertha die Arena finanzieren?

Die Kosten für einen Stadionneubau mit rund 55.000 Plätzen werden auf 300 bis 400 Millionen Euro geschätzt. Damit rückt nun eine Frage in den Mittelpunkt, die Hertha seit Jahren begleitet: Wer bezahlt die Arena? Der Verein selbst verfügt nicht über die Mittel, um ein Projekt dieser Größenordnung allein zu stemmen.

Auch die KGaA, die den Profibetrieb verantwortet, soll den Bau nicht finanzieren. Stattdessen ist seit Langem geplant, eine eigenständige Gesellschaft für das Stadion zu gründen. Über dieses Modell sollen Bankkredite und Fonds eingebunden werden. Doch bevor das passiert, braucht Hertha Planungssicherheit.

Finanzchef Ralf Huschen (48) hatte die Lage bereits vor Monaten auf den Punkt gebracht: „Erst brauchen wir das Baurecht, sonst finden wir auch niemanden, der uns kein Baurecht finanziert.“ Der Satz beschreibt das zentrale Dilemma des Projekts. Ohne Baurecht wird kaum jemand Hunderte Millionen Euro investieren. Ohne Finanzierung wiederum bleibt das Stadion ein Wunsch.

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Was sind die nächsten Schritte?

Zunächst wird Hertha eine Bauvoranfrage beim Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf einreichen. Erst danach wird klar, welche konkreten Auflagen und Bedingungen für das Vorhaben gelten. Der Verein erhält damit erstmals eine Grundlage für die weitere Planung. Anschließend beginnt die eigentliche Arbeit. Ein Architekturbüro muss ein Stadion entwerfen, das sämtliche Anforderungen beim Umwelt- und Denkmalschutz erfüllt.

Auf dieser Grundlage könnte später der Bauantrag gestellt werden. Dieser soll nach den bisherigen Überlegungen auf einem Erbbaurechtsmodell basieren. Eine Sache steht allerdings bereits fest: Straßen, Wege und Anschlüsse zum Grundstück wird das Land Berlin nicht bezahlen. Diese Kosten müssen im Rahmen des Projekts selbst getragen werden.

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Muss Hertha Topspiele im Olympiastadion austragen?

Ein eigenes Stadion baut man vor allem, um unabhängiger zu werden. Einnahmen aus den Tickets, Bier, Bratwurst, Logen, Werbung und Veranstaltungen würden künftig vollständig im eigenen Stadion verbleiben. Genau das ist eines der wichtigsten Argumente der Befürworter, neben der besseren Atmosphäre in einem reinem Fußballstadion ohne Tartanbahn. Allerdings hat der Senat eine weitere Bedingung formuliert: Die landeseigene Olympiastadion GmbH soll durch den Neubau keine wirtschaftlichen Nachteile erleiden. Und genau hier könnte es kompliziert werden.

Schließlich ist Hertha der mit Abstand wichtigste regelmäßige Mieter des Olympiastadions. Der Verein trägt dort seine 17 Heimspiele pro Saison aus und lockte selbst in der Zweiten Liga durchschnittlich mehr als 50.000 Zuschauer an. Deshalb gibt es seit Jahren Überlegungen, ob besonders zuschauerstarke Spiele auch künftig im Olympiastadion stattfinden könnten. Konkrete Pläne liegen zwar nicht auf dem Tisch. Die Diskussion begleitet Herthas Stadionwünsche allerdings schon fast genauso lange wie das Projekt selbst.

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Gibt es Ärger mit dem Reiterverein?

Ganz frei ist das geplante Baugelände nicht. Dort reiten seit Jahrzehnten Berliner Pferdesportler, dazu kommen Stallanlagen und ein Reiterstadion. Hinter den Kulissen gab es deshalb immer wieder Gespräche zwischen Verein, Senat und Hertha. Zeitweise galt ein Umzug auf ein anderes Gelände als mögliche Lösung.

Noch 2024 klang die Situation ausgesprochen entspannt. Damals schrieben die Pferdefreunde auf ihrer Homepage: „Wir stehen mit Hertha und auch mit der Hausleitung der Senatsverwaltung für Inneres und Sport in engen Gesprächen bezüglich der Standortfrage sowie der sich ergebenen Konsequenzen für den Reitsport an unserem traditionellen Standort im Olympiapark. Sowohl Hertha als auch die Senatsverwaltung betonen ausdrücklich, dass eine einvernehmliche Lösung für unseren Reitclub gefunden werden soll.“

Nach dem Senatsbeschluss am Mittwoch klingt das allerdings anders. Man habe die Entscheidung zunächst aus der Presse erfahren und sei überrascht gewesen, sagte der Vereinsvorsitzende Karsten Trefflich am Donnerstag im Interview mit rbb 88.8. Der letzte Kontakt mit der Innenverwaltung in dieser Angelegenheit habe Ende 2024 stattgefunden. Da könnte also noch einmal Konfliktpotenzial entstehen.

Sicher ist derzeit nur eines: Bis die ersten Fans ein mögliches neues Hertha-Stadion betreten, werden noch einige Jahre vergehen. Die positive Empfehlung des Senats ist ein wichtiger Meilenstein für den Verein. Doch nach neun Jahren Diskussionen beginnt jetzt die Phase, in der aus Plänen Realität werden muss. Und das dürfte der schwierigste Teil des gesamten Projekts werden.

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