„Satire darf treten“: Oststeirischer Kabarettist geht mit Dialekt-Videos viral
Seppi Neubauer aus Puch bei Weiz überzeugte schon mit seinen Kabarettprogrammen live auf der Bühne. Nun startet er auch auf den sozialen Netzwerken durch. Seine beliebten Rollen werden wohl auch kommendes Jahr bei seinem neuen Programm zu sehen sein.
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„Instabil - Sterilisieren auf Steirisch“. So lautet der Titel von Seppi Neubauers neuestem Programm. Das verrät der Kabarettist schon. Seine Fans müssen sich allerdings noch gedulden. Erst ab Herbst 2027 geht der 40-Jährige aus Puch bei Weiz damit auf Tour.
Wer ihn dennoch live erleben möchte, kann das bei seinen bisherigen Programmen wie etwa „Hirn mit Ei“, „Heiße Liebe“ oder aber auf seinen Social-Media-Kanälen tun. Vor allem auf Instagram ist der Kabarettist sehr erfolgreich. Teils werden seine Videos millionenfach aufgerufen, er zählt schon mehr als 15.000 Follower. Und das binnen kürzester Zeit.
„Letzten Sommer hab ich eine Social-Media-Abstinenz gehabt“, erzählt Neubauer. „Ich hab das eigentlich gar nicht gern gemacht.“ Um den Jahreswechsel überlegte er sich jedoch eine Strategie – die aufging.
„Konjugieren auf Steirisch“ ist besonders beliebt bei Neubauers Fans. So wird aus dem Hochdeutschen „Wenn du den Blumenstock nicht gießt, dürrt er dir“ am Ende im Dialekt „Dadiertada“.
„Der steirische Dialekt kommt gut an. Aber auch Exil-Steirer, die in Amerika wohnen, schauen meine Videos“, erzählt der Kabarettist, der als Jugendlicher Eminem verehrte. „Ich hab bis 23 Uhr Eminem-Texte gelesen, statt Mathe zu lernen.“ Lange verstand Neubauer sein Talent nicht, so schnell und deutlich seine Reime zu sprechen. Für eine Aufnahme seiner Videos braucht er meist fünf Anläufe. „Ich hab gedacht, das ist normal.“
Deutlichkeit, Lautstärke und Qualität sind ihm sehr wichtig, vor allem bei Auftritten. Manchmal führe er jedoch bewusst „Qualitätsaufreger“ herbei. So geht er bei seinen Videos zu nahe an die Kamera. „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal“, erklärt der Oststeirer.
Inspiration kommt oft in Gesprächen. „Ich bin ein kreativer Sammler von Ideen“, sagt er. Auch für seine Rolle des „Besoffenen“, der Lebensweisheiten in die Kamera spricht. Dazu setzt er seine grüne Wollhaube auf, die er immer in dem alten Bauernhaus gelagert hat, das sich neben seinem Haus befindet. In Puch bei Weiz besitzt Neubauer eine kleine Landwirtschaft mit Schafen, Katzen, Hund und sogar einem Chamäleon. „Hier ist mein Studio“, meint er schmunzelnd und führt durch die Räumlichkeiten. Einmal die Woche drehte er hier seine Videos, die drei- bis viermal die Woche erscheinen.
Neubauer betont jedoch, er verdient kein Geld mit den Videos, macht auch keine Werbung für andere, sondern nur für sich selbst. Auch in der Hoffnung, noch mehr Gäste live ins Kabarett zu bringen. Sein Ziel? Von seiner Kunst zu leben, derzeit ist er noch als selbstständiger Vertreter für Medizinprodukte tätig. Diesem komme er immer näher, so Neubauer.
Was er ebenfalls erreichen möchte? „Mein Wunsch wäre es, dass ich ohne die Rolle auf die Bühne gehen kann. Das erfordert Mut, du musst dich dabei öffnen.“ Erste Versuche wagte er schon auf den sozialen Netzwerken, als er 10.000 Follower auf Instagram hatte. Die Rollen wolle er dennoch nicht völlig ablegen, er ist auch ständig am Konzipieren neuer Formate.
Was ihm bei seinen Programmen wichtig ist? „Alle sollen gleich viel ihr Fett abkriegen.“ Außerdem will er Probleme aufzeigen durch den Schlüssel des Humors, so Neubauer. „Satire darf treten, aber nur nach oben, nicht nach unten. Wir Kabarettisten müssen keine Lösung bringen, aber ich will die Leute zum Nachdenken bringen.“
Lebensretter
Nachdenklich stimmte ihn kürzlich ein Vorfall. Er zeigte dem Oststeirer, auch ein Kabarettist ist nicht immer gut drauf. „Meine Frau ist Kosmetikerin und Fußpflegerin. Eine ihrer Kundinnen ist in unserem Haus zusammengebrochen.“ Neubauer reanimierte die Frau abwechseln mit seinem Schwager. „Es geht ihr jetzt wieder gut, aber die ersten paar Nächte schläfst du gar nicht gut.“ Ein paar Tage nach dem Vorfall stand Neubauer auf der Bühne. „Sie ist die reinste Form der Therapie, weil ich dort losgelöst bin von allem anderen.“