Reh Burgi springt über Zäune und frisst Salat aus Obernburger Gärten
StartseiteLokalesFrankenbergFrankenberg (Eder)Stand: 17.07.2026, 06:00 UhrKommentareUns auf Google folgenDas Reh „Burgi“ grast im Garten von Ulli Bongert unter der Wäschespinne. © Foto: prSeit Wochen streift ei...
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Stand: 17.07.2026, 06:00 Uhr
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Seit Wochen streift ein junges Reh durch die Gärten von Obernburg, springt über Zäune und frisst Salat aus den Beeten. Die Einwohner haben „Burgi“ längst ins Herz geschlossen – doch Revierleiterin Marie Wittmer-Eigenbrodt warnt davor, das Wildtier zu füttern oder zu streicheln.
Vöhl-Obernburg – Wer in Obernburg in diesen Tagen seinen Salat vermisst, sollte nicht vorschnell den Nachbarn verdächtigen. Wahrscheinlicher ist, dass ein vierbeiniger Gast wieder auf Dorfrunde war. Seit etwa drei Wochen spaziert ein junges Reh durch die Gärten des Vöhler Ortsteils.
Es legt sich zum Wiederkäuen auf gepflegte Rasenflächen, springt mühelos über Zäune und macht auch vor Blumen- und Gemüsebeeten keinen Halt. Weil das Reh längst zum Dorfgespräch geworden ist, haben ihm die Obernburger sogar einen Namen gegeben: Burgi.
Kaum ein Tag verging in den letzten Wochen, an dem das junge Reh nicht im Ort entdeckt wurde. Mal ruhe sich das Reh unter einem Baum aus, mal schlendere es gemächlich am Wäscheständer vorbei.

Besonders beliebt scheint frischer Salat zu sein. „Es springt einfach über den Zaun und hat den Salat aus dem Beet gefressen“, erzählt Ulli Bongert und lacht. Übel nimmt er dem tierischen Besucher das aber nicht. „Ich finde es hochinteressant, das zu beobachten.“
Für Bongert könnte es auch einen Grund geben, warum Burgi derzeit so häufig durch die Gärten streift. Noch bis Mitte August ist Brunftzeit. In dieser Zeit sind Rehe besonders aktiv. „Vielleicht ist es deshalb gerade ein bisschen hormongesteuert und überall unterwegs“, vermutet er schmunzelnd.
Rehkitz gefunden – das sollten Sie tun
Entdecken Sie ein scheinbar verlassenes Rehkitz im Garten, gilt vor allem eins: Ruhe bewahren und erst einmal beobachten. In den meisten Fällen ist die Rehmutter in der Nähe und kehrt nach einiger Zeit zu ihrem Jungtier zurück. Fiept das Kitz allerdings über mehrere Stunden, kann das ein Hinweis darauf sein, dass es seine Mutter verloren hat. Wichtig: Das Tier auf keinen Fall anfassen oder streicheln. Der menschliche Geruch kann dazu führen, dass die Rehmutter ihr Kitz nicht mehr annimmt, wenn sie zurückkehrt. Am besten den Förster informieren.
Auch Jana Wegener hat Burgi schon mehrfach in ihrem Garten entdeckt. „Vor drei Wochen habe ich das Reh das erste Mal gesehen“, erzählt sie. „Inzwischen ist es mir schon zweimal über den Weg gelaufen. Da habe ich natürlich gleich ein Foto gemacht.“ Andere berichten, dass das Reh ganz entspannt auf dem Rasen liege oder plötzlich zwischen Blumenbeeten auftauche. Scheu wirke der tierische Besucher dabei nicht.
Längst verfolgt fast das ganze Dorf Burgis Streifzüge. In der Obernburger WhatsApp-Gruppe vergeht kaum eine Woche ohne neue Fotos oder Sichtungen. „Heute liegt es bei uns im Garten“, schreibt eine Bewohnerin. Kurz darauf folgt schon die nächste Meldung von Ulli Bongert: „Heute mal in Bongerts Garten genascht.“ Als Burgi an der Kapelle gesichtet wird, kommentiert ein Dorfbewohner augenzwinkernd: „Es gefällt ihm bei uns im Dorf.“ Und eine andere Bewohnerin fragt: „War er an meinen Blumen vor der Haustür auch?“
Das Reh braucht einen Namen
Irgendwann war klar: Ein Reh, über das täglich gesprochen wird, braucht auch einen Namen. Den Anstoß gab Henning Emde: „Es scheint, als müssten wir Vorschläge sammeln“, schrieb er in die Whatsapp-Gruppe. Die Vorschläge ließen nicht lange auf sich warten. Neben Bambi standen unter anderem Fafnir, Dvalinn oder Captain Flint zur Auswahl.
Hinter einigen Namen stecken sogar durchdachte Ideen. Fafnir sei eine Anspielung auf die Drachenhöhle am Ortsrand. Einer Obernburger Sage zufolge soll dort einst der Drache Fafnir gelebt haben, weshalb sie bis heute auch als Siegfriedshöhle bekannt ist. Dvalinn stamme aus der nordischen Mythologie und sei dort der Name eines Hirsches, der an den Blättern und Ästen des Weltenbaums Yggdrasil knabbert. Captain Flint spiele augenzwinkernd darauf an, dass Burgi auf einem Auge blind sei.
Am Ende entschied eine Abstimmung. Das Ergebnis fiel eindeutig aus: Burgi, angelehnt an Obernburg, erhielt die meisten Stimmen und setzte sich gegen die anderen Vorschläge durch.
Dass viele Obernburger das Reh inzwischen ins Herz geschlossen haben, kann Revierleiterin Marie Wittmer-Eigenbrodt vom Forstamt Frankenberg-Vöhl gut verstehen. Trotzdem erinnert sie daran, dass Burgi ein Wildtier bleibt. „Bitte das Reh weder anfüttern noch streicheln“, betont sie. Dadurch verliere es seine natürliche Scheu vor Menschen. Wer verhindern möchte, dass Burgi regelmäßig im Gemüsebeet vorbeischaut, könne seinen Garten mit einem Wildzaun schützen.
Im Ort wird Burgi nicht bejagt
Im Dorf werde das Reh nicht bejagt. Sollte überhaupt einmal gehandelt werden müssen, käme das nur außerhalb der Ortslage infrage, so die Revierleiterin.
Wer in Obernburg demnächst wieder einen angeknabberten Salat entdeckt, weiß zumindest, wen er dafür verantwortlich machen kann. Burgi wird das vermutlich ziemlich gelassen sehen – und schon den nächsten Garten im Blick haben.