Fußball: Nottingham für Glasner kein „Jux“
Seit Dienstag ist Oliver Glasner als neuer „Sheriff“ bei Nottingham Forest im Amt und will bei seinem neuen Club dort ansetzen, wo er bei Crystal Palace aufgehört hat. Auch wenn Glasner der fünfte Trainer in einem Jahr ist, den der exzentrische Clubboss Evangelos Marinakis engagiert, hat er keine Angst, vom „Schleudersitz“ zu fliegen: „Ich habe hier nicht aus Jux und Tollerei unterschrieben.“ Vielmehr will er erneut Geschichte schreiben.
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Fußball
Seit Dienstag ist Oliver Glasner als neuer „Sheriff“ bei Nottingham Forest im Amt und will bei seinem neuen Club dort ansetzen, wo er bei Crystal Palace aufgehört hat. Auch wenn Glasner der fünfte Trainer in einem Jahr ist, den der exzentrische Clubboss Evangelos Marinakis engagiert, hat er keine Angst, vom „Schleudersitz“ zu fliegen: „Ich habe hier nicht aus Jux und Tollerei unterschrieben.“ Vielmehr will er erneut Geschichte schreiben.
Online seit gestern, 20.16 Uhr
Am 6. Juli ließen die Verantwortlichen von Nottingham Forest die Katze aus dem Sack und präsentierten Glasner als Nachfolger von Vitor Pereira. Für viele eine Überraschung: einerseits, weil Forest unter dem Portugiesen bis ins Halbfinale der Europa League vorgedrungen war, und andererseits, weil Glasner davor bereits als neuer Trainer des italienischen Topclubs AC Milan so gut wie fix schien.
„Es war ein verrückter Sommer“, blickte Glasner daher im ORF-Interview beim ersten offiziellen Auftritt als Trainer in Nottingham zurück. Er habe „quer durch Europa“ Anfragen gehabt, viele davon aber links liegen gelassen. Nottingham habe er dabei gar nicht auf dem Schirm gehabt: „Weil sie ja eigentlich eine gute Saison hatten.“ Weil er auf jeden Fall in der Premier League bleiben wollte („Ich denke, die Erfahrung hier hat mich als Trainer und Mensch sehr weitergebracht“), rückte das Forest-Angebot in den Fokus, so Glasner.
Glasners erster offizieller Auftritt
Oliver Glasner hat am Donnerstag seinen ersten offiziellen Termin als neuer Coach von Nottingham Forest absolviert. Der 51-Jährige ist beim englischen Traditionsclub der fünfte Trainer binnen eines Jahres.
Ein persönliches Gespräch mit dem griechischen Reeder Marinakis habe ihn schließlich endgültig überzeugt, die Herausforderung in der Mitte Englands anzunehmen. „Ich habe zum ersten Mal jemanden gefunden, der ein Stück weit mehr ambitioniert ist als ich“, so Glasner. Dazu habe der Kader des Clubs sehr viel Potenzial: „Diese Kombination habe ich super interessant und spannend gefunden.“ Die Unterschrift unter den Dreijahresvertrag mit kolportierten 15 Mio. Euro Gehalt pro Jahr sei die logische Folge gewesen.
Forest soll oben „andocken“
Die Vorgabe des Chefs und die eigene an sich ist für Glasner klar. „Wir wollen Konstanz und Stabilität reinbringen“, sagte der 51-Jährige, nachdem Nottingham in der vergangenen Saison zwar auf der europäischen Bühne glänzte, aber in der Premier League lange gegen den Abstieg raufte und am Ende 16. wurde. „Wichtig ist, dass wir uns an der oberen Hälfte orientieren. Da wollen wir hin und andocken“, umriss Glasner das mittelfristige Ziel. Ob ihm dabei sein Landsmann Xaver Schlager helfen wird, ließ der Trainer offen: „Wir wollen nicht über ungelegte Eier reden.“
So wie schon bei seinen vorherigen Trainerstationen etwa beim LASK, den deutschen Clubs VfL Wolfsburg und Eintracht Frankfurt sowie zuletzt eben Crystal Palace stellte der Oberösterreicher klar, dass die Ziele nur als Team zu erreichen seien. „Wir werden Fehler verzeihen, denn wir sind Menschen und machen Fehler. Auch ich werde Fehler machen“, sagte der Coach, „aber alles, was die Spieler tun, muss immer dazu dienen, dem Team zu helfen. Das ist das Wichtigste. Das Team steht über allem.“
Dass sein neuer griechischer Chef aufgrund der jüngsten Erfahrungswerte eher nichts von Schonfristen für seine Trainer hält, ist Glasner bewusst: „Aber ich bin da relaxt. Man heiratet ja auch nicht, um sich früh wieder scheiden zu lassen“, so der Oberösterreicher mit einem verschmitzten Lächeln. Er sei zudem überzeugt, dass Nottingham ihm den Dreijahresvertrag nicht aus „Jux und Tollerei“ angeboten habe: „Aber klar, wir müssen liefern. Diesen Druck hast du auf diesem Level einfach.“
Vergangene Erfolge legen Latte hoch
Glasner muss sich jedenfalls an den Erfolgen der Vergangenheit messen lassen. Mit Eintracht Frankfurt gewann er etwa in der Saison 2021/22 sensationell die Europa League und trat damit als Österreicher in die tiefen Fußstapfen von Trainerlegende Ernst Happel. Crystal Palace gewann unter Glasners Leitung mit dem FA-Cup 2025 den ersten Titel der Clubgeschichte überhaupt. Heuer legten die Londoner den Sieg in der Conference League nach.
Dass aber speziell die Fans von Crystal Palace ihm die Unterschrift in Nottingham verübeln könnten, gehört für Glasner zum Teil des Geschäfts. „Ich bin sehr dankbar, dass ich sowohl bei Crystal Palace als auch bei Eintracht Frankfurt Teil einer wunderschönen Reise sein durfte. Aber es ist als Manager normal, dass man dann auch bei anderen Clubs unterschreibt.“ In Nottingham habe er erneut die Chance, „Erwartungen zu übertreffen. Dieses Gefühl habe ich hier.“
Zumindest die Fans des 1865 gegründeten Traditionsclubs hoffen auf eine Rückkehr zu goldenen Zeiten. Denn Ende der 1970er und Anfang der 1980er war Nottingham Forest eines der Topteams Europas. 1979 und 1980 gewann der Verein mit dem markanten Baum im Logo den Meistercup, sprich: den Vorgänger der Champions League. „Hoffentlich können wir wieder Geschichte schreiben“, sagte Glasner. Der erste Eintrag erfolgt am 22. August mit dem Ligaheimspiel gegen Leeds.