Neue Mission für Detektivinnen und Detektive der Botanik
StartseiteLokalesFrankenbergBad WildungenStand: 28.08.2026, 08:04 UhrKommentareUns auf Google folgenDas Rote Drüsige Springkraut, auch Indisches Springkraut, ist ein „Neophyt“, eine eingewanderte Pflanze, die h...
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Stand: 28.08.2026, 08:04 Uhr
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Ein neuer botanischer Arbeitskreis will einen einzigartigen Datenschatz zur Pflanzenwelt von Waldeck-Frankenberg aus den 1990er Jahren für die Gegenwart nutzbar machen.
Bad Wildungen – 30 Jahre ist es her, dass ein Buch mit dem unscheinbaren Titel „Pflanzenwelt zwischen Eder und Diemel“ erschien. Das mehr als 500 Seiten starke, längst vergriffene Werk aus der Reihe „Naturschutz in Waldeck-Frankenberg“ des heimischen NABU (früher Deutscher Bund für Vogelschutz/DBV) birgt unter der nüchternen Überschrift allerdings „einen Datenschatz, den wir reaktivieren und für die Gegenwart nutzbar machen wollen“, sagt der Wildunger Biologe Markus Schönmüller. Gemeinsam mit einem der drei Autoren des Buches, dem Biologen und heutigen Nationalpark-Forschungsleiter Achim Frede, ruft Schönmüller fachkundige Profis und Laien zum Mitwirken auf. Die beiden wollen damit die Tradition der Botanischen Arbeitsgemeinschaft des DBV Waldeck-Frankenberg aus den 1980er und -90er Jahren in moderner Form wiederbeleben.
300 Freiwillige damals auf 50 Exkursionen
Hinter dem Buch von 1996 verbirgt sich eine sprichwörtliche „Heidenarbeit“, ein detektivischer Kraftakt über knapp zwei Jahrzehnte. In diesem Rahmen haben rund 300 Freiwillige die Bewohner der damaligen heimischen Pflanzenwelt in eine große Inventarliste eingetragen und die Bestände der Arten obendrein bis ins Detail kartiert – von Hand, mit dem Bestimmungsbuch, Karteikarten und Stiften im Gepäck. „Es ist die bis heute größte Untersuchung ihrer Art in Westdeutschland und die vielfältigste in ganz Deutschland“, schätzt Markus Schönmüller.
Die große Frage, die sich Frede und ihm heute aufdrängt, lautet: Wie hat sich diese Pflanzenwelt im Angesicht des Klimawandels und anderer Einflüsse in den vergangenen 40 bis 50 Jahren verändert? „Wir verfolgen dabei nicht den Anspruch auf Vollständigkeit“, sagt Schönmüller. Ein Freizeitaufwand, wie in den 1980ern, in Gestalt von mehr als 50 stundenlangen Exkursionen, mit Unterstützung von 300 Ehrenamtlichen, lasse sich heute kaum mehr organisieren.
„Aber wir möchten exemplarisch anhand von zwei bis drei ausgewählten Landschaftsräumen auf Gruppenexkursionen Daten erheben, die einen Vergleich ermöglichen zwischen der damaligen Struktur unserer heimischen Pflanzengesellschaften und der Situation heute“, erläutert Diplombiologe Schönmüller, der beim Landkreis im hauptamtlichen Naturschutz tätig ist. Fünf bis sieben Exkursionen pro Jahr schweben ihm und Frede vor.
Persönliche Beobachtungen liefern Hinweise darauf, welches Potenzial an Aussagekraft in so einem Engagement mutmaßlich steckt. Markus Schönmüller denkt an das Beispiel der Sumpfdotterblume, im Volksmund „Butterblume“ genannt.
Leben der Butterblume ist härter geworden
Über fast 20 Jahre hinweg sei er beruflich regelmäßig zwischen Frankenberg und Korbach hin und her gefahren: „Zu Beginn zählte ich unterwegs 48 Wiesen mit der Sumpfdotterblume als prägender Pflanzenart – zuletzt waren es noch 17.“
Ende 2024 gründeten Schönmüller und Frede den neuen Botanischen Arbeitskreis und rührten per Mundpropaganda die Werbetrommel. Zu ihrer großen Freude fanden sich seitdem rund 30 Gleichgesinnte zusammen. Sie arbeiten vielfach hauptberuflich im Naturschutz. Die meisten sind Mitte 20 bis 30 Jahre alt. Der Anteil an Frauen beträgt rund 75 Prozent. Weitere Interessierte sind so gesucht wie willkommen, wobei ein gewisses Maß an Vorkenntnissen in Biologie und speziell Botanik erwünscht ist.
KI-Technik unterstützt das Forschen kolossal
„Landschaftsökologie ist ein anspruchsvolles Feld“, sagt Schönmüller. Über mehr als ein Jahr lang habe die Gruppe darüber beraten, wie sie vorgehen will. Frede und Schönmüller wollten als „alte Hasen“ herausfinden. Die Technik erleichtert heute das treffsichere Identifizieren und Kartieren heimischer Pflanzen kolossal. Unter der Bezeichnung „Citizen Science“, zu Deutsch „Bürgerwissenschaften“, können versierte Laien die Profis effektiv unterstützen.
Viele Naturfreunde haben einschlägige, kostenlose Apps wie die „Flora incognita“ längst privat auf ihren Handys installiert. Interessierte, die diese Forschungsarbeit in Waldeck-Frankenberg bereichern wollen, wenden sich an Markus Schönmüller oder Achim Frede. (Matthias Schuldt)