Neue Details zum komplizierten Einsatz: Großbrand bei Illingen – so konnte die Feuerwehr die Flammen stoppen

Der Waldbrand in Illingen war der größte im Saarland seit Kriegsende. Für die Hilfskräfte war es eine logistische Herausforderung, die sie meistern und dadurch noch Schlimmeres verhindern konnten.

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Neue Details zum komplizierten Einsatz: Großbrand bei Illingen – so konnte die Feuerwehr die Flammen stoppen
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Neue Details zum komplizierten Einsatz Großbrand bei Illingen – so konnte die Feuerwehr die Flammen stoppen

Illingen · Der Waldbrand in Illingen war der größte im Saarland seit Kriegsende. Für die Hilfskräfte war es eine logistische Herausforderung, die sie meistern und dadurch noch Schlimmeres verhindern konnten.

31.08.2026 , 14:08 Uhr

Über Stunden hinweg wüteten die Flammen im Hosterwald in Illingen und zerstörten 18 Hektar Wald.

Über Stunden hinweg wüteten die Flammen im Hosterwald in Illingen und zerstörten 18 Hektar Wald.

Foto: Feuerwehren des Landkreises Neunkirchen

Ein „kleiner Waldbrand“ wurde der Illinger Feuerwehr am Sonntag, 17. August, um 12.55 Uhr gemeldet. Ein „kleiner Waldbrand“, der sich in den kommenden Stunden zum größten Waldbrand im Saarland seit Kriegsende ausbreiten sollte. Sascha Cattarius, Wehrführer der Gemeinde Illingen und Kreisbrandmeister des Landkreises Neunkirchen, war einer der Ersten am Einsatzort und hatte die Einsatzleitung an dem Tag. „Wir haben den Rauch gesehen, der zunächst noch recht human war“, erinnert sich Cattarius wenige Tage später bei einem Vororttermin im Wald mit der SZ. Mit ihm waren weitere 24 Feuerwehrleute in vier Fahrzeugen präsent, die allesamt die Örtlichkeiten kennen und wussten, dass kein direkter Weg zu dem Feuer führte.

„Kleiner Waldbrand“ in Illingen wurde schnell hochgestuft

Ein weiteres Problem seien drehende Winde gewesen, die dazu führten, dass das Feuer sich schnell ausbreitete. „Es ist dann ein schmaler Grat, zu entscheiden, ob wir das hinkriegen oder ob wir Verstärkung anfordern müssen“, erklärt Cattarius, der das Feuer erkundete und dank Drohnenaufnahmen feststellte, dass Funkenflug bereits dazu geführt hatte, dass sich um das eigentliche Feuer kleinere, sogenannte Spotfeuer gebildet hatten. „Ich habe das Feuer daraufhin hochgestuft, wodurch alle Löschbezirke der Gemeinde alarmiert sowie Sonderfahrzeuge des Landkreises angefordert wurden“, sagt der Einsatzleiter.

Kreisbrandinspekteur Sascha Cattarius hatte bei dem Waldbrand in Illingen die Einsatzleitung und war einer der ersten, die vor Ort waren. Foto: Marc Prams

Foto: Marc Prams

Immer mehr Fahrzeuge seien daraufhin angefordert worden, und auch andere Hilfsdienste wie THW und DRK hätten sich auf den Weg in den Hosterwald gemacht. Auf die Frage, ob man sich auf ein solches Szenario überhaupt vorbereiten könne, sagt Cattarius sofort: „Ja, genau auf solche Situationen sind wir spezialisiert und dafür ausgebildet. Damit wir solche Krisen schnell bewältigen können.“ Dazu zählt auch, dass einzelne Sondereinheiten speziell ausgebildet und ausgestattet sind, wie etwa bezüglich der Versorgung mit Löschwasser. Allein sechs Kilometer Schlauch mussten für den Einsatz verlegt werden. „Im späteren Verlauf waren Kräfte aus dem ganzen Saarland im Einsatz, was natürlich einiges an Logistik erfordert. 1000 Leute müssen versorgt werden und auch mal auf die Toilette“, sagt Cattarius.

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Foto: Feuerwehren des Landkreises Neunkirchen

Sechs Kilometer Schlauch benötigt

Als das Feuer sich weiter ausbreitete und dem Weberhof immer näherkam, galt es zunächst, diesen vor den Flammen zu schützen. Rund 80 Pferde wurden von ihren Haltern in Sicherheit gebracht, 300 Kühe standen noch in den Ställen. „Von denen hätten 130 gemolken werden müssen, aber auch das hatten wir gemeinsam mit dem Veterinärzug auf dem Schirm“, erklärt Cattarius und fügt hinzu: „Den Hof zu schützen war eine große Herausforderung. Wir haben gekämpft.“ Ein Kampf, der sich gelohnt hat, denn der Hof blieb vom Feuer verschont. Das sei vor allem dem Einsatz der Löschhubschrauber zu verdanken, die vom Innenminister aus Hessen angefordert wurden. „Eine solche Entscheidung läuft über das Ministerium, weil das natürlich mit Kosten verbunden ist. Dass die hier eingesetzt wurden, war goldwert“, weiß Cattarius.

Ibis 1 und später Ibis 2 sorgten dafür, dass das Feuer aus der Luft bekämpft werden konnte. Das THW hat für solche Einsätze eigens „Schwimmbecken“, die 24.000 Liter Wasser fassen. Die werden von den Hubschraubern angeflogen, sodass die Wassersäcke mit 800 Litern schnell gefüllt sind. „Es dauert zweieinhalb Minuten von einem bis zum nächsten Tankvorgang. Insgesamt kamen die beiden Hubschrauber auf 87 Abwürfe“, weiß Cattarius. Ein Problem war es jedoch, die Becken in Windeseile wieder nachzufüllen. Das wurde allerdings von Landwirten aus dem ganzen Saarland gelöst. „Es waren bestimmt 20 bis 30 Landwirte da, die immer wieder Wasser in ihren Anhängern herbeifuhren und so die Becken füllten. Ohne die hätte das niemals in der Geschwindigkeit funktioniert“, sagt der Wehrführer und zieht sprichwörtlich den Hut: „Die sind alle sofort gekommen und haben geholfen, ohne groß Fragen zu stellen, weil sie wussten, dass es zählt. Das war schon beeindruckend.“

Nur mit hauptamtlichen Kräften nicht möglich gewesen

Auch sonst sei die Hilfsbereitschaft von Menschen, Unternehmen und Dienstleistern vor Ort enorm groß gewesen, die Denkbarkeit für den Einsatz der Ehrenamtler riesengroß. „In solchen Situationen merkt jeder, wozu wir die Hilfsorganisationen haben. Dort sind viele Menschen tätig, die sich in ihrer Freizeit einsetzen. Nur mit hauptamtlichen Kräften wäre das niemals aufzufangen“, betont Cattarius, dem es ein besonderes Anliegen ist, sich bei allen Einsatzkräften zu bedanken: „Es haben wirklich alle alles gegeben. Jeder hat sich ins Zeug gelegt, und keinem war etwas zu viel. Allen gebührt Respekt und Dankbarkeit.“

Dass es auch in der Bevölkerung zu keinem Zeitpunkt Verunsicherung gab, liegt zu einem großen Teil an der Arbeit des Teams von PUMA, der Presse- und Medienarbeit der Feuerwehren im Landkreis, das die Medien und somit die Bevölkerung – die SZ hatte eigens einen Live-Ticker eingerichtet – regelmäßig über die aktuellen Ereignisse informiert hat. „Das ist bei einem Einsatz in dieser Größe enorm wichtig“, weiß Andreas Kuhn, Pressesprecher der Feuerwehren im Landkreis. Auch soziale Medien habe das Team von PUMA im Blick, und könne auf Falschmeldungen reagieren. „Würde es dort etwa die Runde machen, dass ein Wohngebiet evakuiert werden müsste und plötzlich alle mit dem Auto raus wollten, würde das bedeuten, dass die Straßen überfüllt wären und es für Rettungsfahrzeuge kein Durchkommen mehr gäbe. So etwas kann man vermeiden, indem man die Leute informiert“, sagt Kuhn, der am 19. August um 19.30 Uhr vermelden konnte: „Das Feuer ist aus. Nach mehreren Tagen intensiver Brandbekämpfung und umfangreicher Nachlöscharbeiten kann die Großlage damit beendet werden.“

Nach dem Einsatz ist vor dem Einsatz

Das Waldgebiet blieb zwar noch einige Tage großräumig gesperrt und wurde weiterhin kontrolliert, weitere Brände blieben aber aus. Für die Feuerwehrleute war die Arbeit damit längst nicht beendet. Sämtliches Equipment musste gereinigt, geprüft und instandgesetzt werden, denn nach dem Einsatz ist vor dem Einsatz. Und für Kreisbrandmeister Cattarius steht fest: „Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir in Zukunft öfter solche Einsätze haben.“ (hek)