Spahns Nachfolge: Wo sind jetzt die harten Typen in der CDU?
Das einzig Gute an der Leihmutter-Affäre Jens Spahns war, dass sie so schnell vorüberging. Mit Spahns Rücktritt war die Sache klar, jedenfalls personalpolitisch. Friedrich Merz kann sich zugutehalten, binnen ku...
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Das einzig Gute an der Leihmutter-Affäre Jens Spahns war, dass sie so schnell vorüberging. Mit Spahns Rücktritt war die Sache klar, jedenfalls personalpolitisch. Friedrich Merz kann sich zugutehalten, binnen kurzer Zeit für Ordnung gesorgt zu haben. In einer Woche soll die Nachfolge geklärt sein. Eine längere Hängepartie kann sich am wenigsten der Kanzler leisten.
Bislang vermittelte die Führungsmannschaft der Union in der Regierung den Eindruck einer wohlaustarierten, aber nicht unbedingt schlagkräftigen Truppe. Wirklich rund lief es nicht. Wirklich beliebt ist keiner. Sündenbock ist der Kanzler selbst. Knirschgeräusche kamen mal aus dem Kanzleramt, mal aus der Fraktion. Jetzt gibt es die Gelegenheit, an beiden Stellen Korrekturen vorzunehmen.
Die CDU steht vor einer großen Belastungsprobe
Friedrich Merz machte – deshalb?– nicht den Eindruck, zerknirscht zu sein über den Verlust des Fraktionsvorsitzenden. Dass er, wenn auch im Konjunktiv, an eine Kabinettsumbildung denkt, bietet sich an, dürfte sich aber nur auf den Kanzleramtschef beziehen. Thorsten Frei wäre keine schlechte Wahl für den Fraktionsvorsitz, aber auch nur dann, wenn Merz einen guten Ersatz im Kanzleramt findet.
Für Merz ist die Umstellung mit dem Risiko verbunden, dass es anschließend so weitergeht wie bisher: knirschend und ohne Aussicht darauf, dass sich die Union in der Koalition stärker durchsetzen kann. Das aber muss das Ziel seiner Personalpolitik sein. Im Herbst steht zudem eine Belastungsprobe an, die an die Substanz der CDU gehen kann. Die Partei wird sich womöglich zwischen Pest und Cholera entscheiden müssen, zwischen AfD und Linkspartei. Ob die CDU daraus gestärkt und profilierter hervorgeht, wird maßgeblich, wenn auch nicht nur, von ihrer Regierungskunst in Berlin abhängen.
Zum Sturz Jens Spahns gehört indessen auch die bittere Erkenntnis, dass die Partei mit Politikern, die sich mit klarem Kurs und Härte auch und gerade in einer Koalition mit der SPD behaupten können, nicht gerade reich gesegnet ist. Die Sehnsucht nach einem Neuanfang ist bislang umso größer gewesen, je weniger wahrscheinlich er ist.