Mike Josef ordnet Frankfurter Magistrat neu – und setzt auf mehr Zusammenarbeit

Frankfurts Oberbürgermeister verteilt die Zuständigkeiten im Magistrat um. Bei Großprojekten müssen künftig mehrere Dezernate „im Einvernehmen" handeln – mehr als eine bloße Anhörung.

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Mike Josef ordnet Frankfurter Magistrat neu – und setzt auf mehr Zusammenarbeit

Stand: 29.08.2026, 08:00 Uhr

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Frankfurt 27.8.26 Stadtverordnetenversammlung, HIER Oberbürgermeister Mike Josef bei der Parlamentarischen Debatte über das Kunstwerk an der Konstabler Wachecopyright: Monika MüllerTagessatz

Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) will mit der Neuordnung der Dezernate auch die Zusammenarbeit im Frankfurter Magistrat verändern. © Monika Müller

Frankfurts Oberbürgermeister verteilt die Zuständigkeiten im Magistrat um. Bei Großprojekten müssen künftig mehrere Dezernate „im Einvernehmen" handeln – mehr als eine bloße Anhörung.

Frankfurt – Mit der Neuverteilung der Dezernate nach dem Machtwechsel im Römer will Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) nicht nur Zuständigkeiten verschieben. Der neue Magistrat soll auch anders arbeiten. Projekte, an denen mehrere Dezernate beteiligt sind, sollen verbindlicher gemeinsam vorangetrieben werden. Josef setzt dafür auf klare Federführungen, sogenannte Einvernehmensregelungen und ein Monitoring wichtiger Großprojekte.

„In der heutigen Zeit reicht es nicht mehr, nach Schema F zu arbeiten“, sagt Josef. Frankfurt hat viele Ideen, Konzepte und bereits beschlossene Projekte. Nun gehe es darum, diese „über die Ziellinie zu bringen“. Die bisherige sektorale Betrachtung habe teilweise zu Verzögerungen und Reibereien geführt.

Hintergrund ist die Neuaufstellung der zwölf Dezernate. Bürgermeister Nils Kößler (CDU) übernimmt Wirtschaft, Recht und Innovation. Marcus Gwechenberger (SPD) erhält neben Planen und Wohnen auch Personal. Die neue Stadtkämmerin Susanne Serke (CDU) verantwortet Finanzen und Beteiligungen. Wolfgang Siefert (Grüne) übernimmt Bauen, Liegenschaften und Kliniken. Sylvia Weber (SPD) behält Bildung, gibt aber Immobilien und Neues Bauen ab. Martin-Benedikt Schäfer (CDU) übernimmt Ordnung, Sicherheit, Feuerwehr und Bevölkerungsschutz, Yannick Schwander (CDU) Verkehr, Mobilität und Logistik.

Für Josef ist der Zuschnitt allerdings nur ein Teil der Neuordnung. Kaum ein größeres Vorhaben lasse sich heute noch innerhalb eines einzigen Dezernats erledigen. Deshalb schreibt seine Verfügung bei zahlreichen Projekten vor, dass mehrere Dezernate „im Einvernehmen“ handeln. Das sei mehr als eine Anhörung. „Beide Seiten sind verantwortlich. Es muss gemeinsame Lösungsvorschläge geben“, erklärte Josef am Freitagmorgen.

Damit reagiert der Oberbürgermeister auf Probleme der bisherigen Zusammenarbeit. Josef wünscht, Vorhaben stärker aus der parteipolitischen Konfrontation herauszuführen. Haben sich mehrere Dezernenten unterschiedlicher Parteien bereits vor Einbringung einer Vorlage verständigt, könne sich hinterher keiner aus der Verantwortung ziehen.

Das Prinzip zieht sich durch die neue Aufgabenverteilung. Beim Schulbau bleibt Weber federführend, für die bauliche Umsetzung muss sie sich aber mit Siefert verständigen. Beim Neubau der Städtischen Bühnen etwa sollen Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) und Planungsdezernent Gwechenberger gemeinsam vorgehen. Bei der Stadtsauberkeit wird das Ressort von Tina Zapf-Rodríguez (Grüne) mit dem CDU-geführten Ordnungsdezernat verzahnt. Kontrollen und Bußgelder sollen stärker mit der Stabsstelle „Sauberes Frankfurt“ verbunden werden. Auch bei Drogenkonsumräumen sollen Sozial-, Ordnungs- und Umweltressorts zusammenarbeiten. Bei der Baustellenkoordination müssen sich Verkehrsdezernent Schwander und Wirtschaftsdezernent Kößler abstimmen.

Pragmatische Lösungen finden

Sogenannte Federführungen sollen zugleich für klarere Verantwortlichkeiten und eine bessere Kommunikation sorgen. Wer ein Projekt federführend betreut, soll auch bei Beteiligung anderer Dezernate den Überblick behalten. Josef deutete zudem an, stärker auf die Kommunikation der Verwaltung achten zu wollen. Bürger müssten zumindest erfahren, wie der Stand ihrer Angelegenheit sei. „Verlässliche Kommunikation schafft Vertrauen in die Verwaltung.“

Ob das Modell funktioniert, will Josef kontrollieren. Die Stabsstelle „Monitoring Großprojekte“ soll in Zukunft erfassen, wie weit wichtige Vorhaben sind und wo es hakt. Eine neue große Kontrollbürokratie werde dafür nicht geschaffen.

Fahren sich Dezernate dennoch fest, will Josef zunächst vermitteln. Funktioniere die Zusammenarbeit dauerhaft nicht, behält er sich weitere Anpassungen vor. Die neue Verfügung sei „nicht in Stein gemeißelt“. Zugleich wendet er sich gegen eine Verwaltungskultur, in der Beteiligte vor allem darauf achteten, sich gegen ein mögliches Scheitern abzusichern. „Das bremst, hemmt und verhindert Innovation.“

Josef verbindet die Neuordnung mit einem grundsätzlichen Anspruch an die neue Koalition. Die breite Mehrheit im Römer solle nicht für parteipolitische Auseinandersetzungen, sondern zur Lösung konkreter Probleme genutzt werden. „Wenn ein Projekt erfolgreich ist, ist es ein Erfolg der Stadt.“