Mieter wurden nie informiert: Kernsanierung in Wohnhaus startet ohne Ankündigung

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Mieter wurden nie informiert: Kernsanierung in Wohnhaus startet ohne Ankündigung

Stand: 17.07.2026, 06:00 Uhr

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Großer Hasenpfad 25: Seit Kurzem stehen Container vor dem Haus. Zuvor war der Bauschutt in der Tiefgarage abgeladen worden. © Thomas J. Schmidt

Seit drei Monaten saniert die Relevo-Holding ein Wohnhaus im Großen Hasenpfad. Die vorgeschriebene Ankündigung drei Monate vorher fehlt bis heute.

Sachsenhausen – Seit drei Monaten leben die Mieter im Gebäude Großen Hasenpfad 25 auf einer Baustelle. Angekündigt wurde seitens des Eigentümers bislang lediglich, die Wasserrohre zu erneuern. Offenbar ist aber eine Kernsanierung geplant. Dies weist der Eigentümer, die Relevo-Holding, auf Instagram aus: „Das Gebäude aus den 1970er Jahren wird nun von uns vollständig kernsaniert und auf Neubaustandard gebracht. Im Fokus steht dabei eine umfassende energetische Sanierung im Rahmen eines KfW-Projekts.“

Mietverträge auch bei Kernsanierung gültig

Der Verein „Mieter helfen Mietern“ hat am Donnerstag eine Mieterversammlung einberufen. Etwa 20 Mietparteien waren gekommen. Ihre Namen wollen sie nicht nennen. „Sie haben Angst vor Nachteilen“, sagte Conny Petzold vom Verein „Mieter helfen Mietern“. Aber sie versichert auf der Versammlung mehrfach: „Die Mietverträge bleiben gültig. Auch bei einer Kernsanierung.“

Juristisch ist die Lage laut Petzold wie folgt: Wenn die Sanierung ansteht, muss der Vermieter mindestens drei Monate vorher jede einzelne Mietpartei anschreiben und ihr – mit Zeitplan und einer Auflistung der Folgen für die künftige Miethöhe – sein Vorhaben ankündigen. Die Mieter haben dann die Möglichkeit, Widerspruch anzumelden.

Bislang gibt es solche Anschreiben nicht. „Wir haben nicht mal die Nebenkostenabrechnungen“, sagte eine Mieterin. „Ich empfehle dringend, sie anzumahnen.“ Denn sie selbst habe sogar Ansprüche gegen den Vermieter, weil sie zu viel bezahlen musste.

Dabei läuft die Sanierung schon: Zwei Arbeiter, berichten die Mieter, haben zeitweise in einer der freien Wohnungen gewohnt. Von den 57 Wohnungen in dem 1972 errichteten Gebäude sind etwa 30 bis 40 frei. Sie werden nach und nach von den Arbeitern saniert. „Mit Presslufthämmern schlagen sie den Putz von den Wänden“, berichtet einer der Mieter. Andere berichten von Wasserschäden in den unvermieteten Wohnungen, von Fäkalwasser im Keller wegen einer defekten Hebeanlage, von Kabelbränden und anschließendem Ausfall von Fernsehen und Internet. „Wir haben die Stabsstelle Mieterschutz eingeschaltet, sie hat auch ihren Besuch im Haus angekündigt, und kurz vorher sind die Schäden behoben worden, deren Behebung lange erfolglos angemahnt worden war“, so die Mieter.

Die Eigentümer selbst haben auf die wiederholten Anfragen dieser Zeitung nicht geantwortet. Die von den Mietern eingeschaltete Stabsstelle Mieterschutz antwortete: „Das Amt für Wohnungswesen nimmt die Hinweise auf mögliche Missstände im Großen Hasenpfad 25 ernst. Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass Vermietende ihre mietrechtlichen Pflichten erfüllen. Sollten sich jedoch konkrete Hinweise auf Verstöße ergeben, prüfen wir diese und gehen diesen Fällen nach im Rahmen unserer Zuständigkeit.“

Rendite wird versprochen

Der Eigentümer des Hauses ist die Hasenpfad 25 GmbH. Sie hat das Gebäude 2024 erworben. Geschäftsführer dieser GmbH ist zugleich Geschäftsführer der Relevo Holding. Diese Firma mit Firmensitz in Bayern, aber Frankfurter Festnetznummer, fungiert seit 1. April als neuer Eigentümer der Immobilie. Neben dem Großen Hasenpfad besitzt die Relevo noch elf weitere Häuser in Frankfurt. Das Vorgehen ist immer gleich: Mehrfamilienhäuser, die mehrere Jahrzehnte alt sind, werden aufgekauft und saniert. Rendite wird versprochen, auch durch Modelle der Steuerersparnis. Von den Mietern ist auf Instagram allerdings nicht die Rede.