Sommerhitze: Immer mehr Schweizer wählen Norden statt Mittelmeer

Die Sommerhitze verändert die Ferienpläne vieler Schweizerinnen und Schweizer. Während einige bewusst kühlere Reiseziele wählen, zieht es andere wegen der besseren Klimaanlagen weiterhin ans Mittelmeer.

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Sommerhitze: Immer mehr Schweizer wählen Norden statt Mittelmeer

Aktualisiert14. Juli 2026, 14:01

Süden oder Norden?Mario macht wegen Klimaanlagen Ferien in Kroatien

Die Sommerhitze verändert die Ferienpläne vieler Schweizerinnen und Schweizer. Während einige bewusst kühlere Reiseziele wählen, zieht es andere wegen der besseren Klimaanlagen weiterhin ans Mittelmeer.

Thomas Sennhauser

Melissa Greiter

Darum gehts

  • Die Sommerhitze verändert das Buchungsverhalten: Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer wählen kühlere Ferienziele im Norden statt Mittelmeerstrände.
  • Laut Reisekonzern Dertour entfallen Prozent der Sommerbuchungen auf sogenannte «Coolcations».
  • Trotzdem bleiben Mittelmeerdestinationen die beliebtesten Reiseziele.
  • Jan (20), Michelle (56) und Mario (37) erzählen, warum sie sich bewusst gegen oder für Ferien im Süden entschieden haben.

Die Sommerferien stehen vor der Tür und normalerweise bedeutet das für viele Schweizerinnen und Schweizer eine Reise in den Süden. Doch bei der anhaltenden Hitzewelle fragen sich wohl immer mehr, ob Paella essen bei 37 Grad wirklich das ist, wonach sie sich aktuell sehnen. Während einige bewusst auf kühlere Reiseziele ausweichen, zieht es andere trotz hoher Temperaturen weiterhin ans Mittelmeer – aus einem überraschenden Grund.

Milde Temperaturen statt Hitzerekorde

«Ich habe nicht die Sonne gesucht, sondern angenehme Temperaturen», sagt Jan (20). Er verbrachte seine Sommerferien bewusst in Norwegen statt im Süden. «Statt Hitzerekorden gab es 20 bis 25 Grad, beeindruckende Natur und lange Sommerabende. Ich kam mit vielen schönen Erinnerungen zurück – ganz ohne Sonnenstich. Vielleicht ist der Norden der neue Süden.»

Norwegen habe er zwar schon länger besuchen wollen. «Die zunehmenden Hitzewellen im Süden haben mir aber den letzten Anstoss gegeben, auch die Sommerferien im Norden zu verbringen – ich habe es nicht bereut.» Sonne, Strand und Meer möge er zwar nach wie vor. «Aber wegen der Hitze und der vielen Leute reise ich nur noch im Frühling oder Herbst in den Süden.» Früher habe seine Familie oft Ferien am Mittelmeer verbracht, besonders gerne auf Formentera. «Im Sommer ist es dort mittlerweile zu heiss, zu teuer und zu überfüllt.»

Ähnlich geht es Michelle (56). Wegen der Hitze in der Schweiz und ihrem Hund zuliebe fährt sie nächstes Wochenende nicht in den Süden, sondern nach Schweden. «Eigentlich mag ich die Hitze, aber selbst mir ist das zu viel. Ich habe noch nie im Norden Ferien gemacht und freue mich auf diese neue Erfahrung.» Da sie mit ihrem eigenen Camper unterwegs ist, musste sie auch keine bereits gebuchte Reise umbuchen.

«Kroatien ist wegen Klimaanlagen angenehmer als die Schweiz»

Ganz anders sieht das Mario (37). Er ist mit seiner Familie spontan nach Kroatien gereist: «Wir wollten eigentlich in der Schweiz bleiben. Aber es war uns schlichtweg zu heiss. Sogar im Hotelzimmer in Neuenburg haben wir wegen der Hitze kein Auge zugedrückt.»

Trotz Hitzewelle geht Mario (37) in Kroatien in die Ferien. Der Grund: Anders als in der Schweiz habe es dort an vielen Orten eine Klimaanlage.

Trotz Hitzewelle geht Mario (37) in Kroatien in die Ferien. Der Grund: Anders als in der Schweiz habe es dort an vielen Orten eine Klimaanlage.Privat

In Kroatien sei die Situation trotz hoher Temperaturen angenehmer. «Dort gehören klimatisierte Unterkünfte zum Standard – selbst günstige Hostels haben eine Klimaanlage.» Über Mittag kühle sich die Familie in klimatisierten Restaurants oder Cafés ab. «Draussen gibt es oft Wassersprühanlagen und das Meer erfrischt. Im Gegensatz zu den stickigen Schweizer Innenstädten weht zudem häufig ein Wind.»

Kühlere Ferien hätten sie ebenfalls ausprobiert: «Letztes Jahr waren wir im Juli in Schottland. Das war zwar kühler, aber uns dann doch zu regnerisch.»

Experte beobachtet Trend zu kühleren Reisezielen

Andreas Zgraggen, Tourismus-Experte und Präsident von Zug Tourismus, beobachtet tatsächlich eine leichte Verschiebung im Buchungsverhalten: «Ziele in Skandinavien, Kanada und Alaska erleben einen Boom. Reiseveranstalter, die diese Destinationen anbieten, gehören sicher zu den Gewinnern der Sommerhitze.» Von einer Abkehr vom Mittelmeer könne aber keine Rede sein. «Ich würde von einem leichten Anstieg zugunsten kühlerer Destinationen sprechen.»

Auch Andreas Zgraggen, Tourismus-Experte und Präsident von Zug Tourismus, beobachtet einen Trend: «Ziele in Skandinavien, Kanada und Alaska erleben einen Boom.»

Auch Andreas Zgraggen, Tourismus-Experte und Präsident von Zug Tourismus, beobachtet einen Trend: «Ziele in Skandinavien, Kanada und Alaska erleben einen Boom.»Imago/Cavan Images

Das bestätigt auch Mediensprecherin Janine Zimmerli vom internationalen Reisekonzern Dertour: Insgesamt würden etwa 14 Prozent der Sommerbuchungen bei Dertour Schweiz auf «Coolcations» – also Reisen in Regionen mit milderen Temperaturen – entfallen. Vor allem Leute aus der Deutschschweiz buchten mehr Ferien im Norden, berichtet Zimmerli: «Die Nachfrage ist im Vergleich zum letzten Jahr um rund 12 Prozent gestiegen.»

Im Süden ist es nicht zwingend heisser

Mittelmeerdestinationen blieben jedoch weiterhin die beliebtesten Reiseziele für die Sommerferien, erklärt Zimmerli. «Die Analyse der während der Hitzewelle getätigten Buchungen zeigt, dass keine deutliche Verlagerung der Nachfrage hin zu nordischen Reisezielen zu beobachten war.»

Welcher Ferientyp bist du, wenn es um die Temperaturen geht?

Ich liebe die Hitze und suche sie in den Ferien bewusst.

Ich mag es warm, aber nicht extrem heiss und stickig.

Mir ist eine kühle Brise und angenehme Temperaturen lieber.

Am liebsten Abwechslung: mal heiss, mal kühl.

Die Temperatur ist mir egal, Hauptsache, die Destination stimmt.

Ich will nur die Antworten sehen.

Interessant sei zudem, dass viele Ferienorte im Süden gar nicht zwingend heisser seien als die Schweiz, so Zgraggen. «Die Temperaturen an Orten wie Kreta, Santorini, Antalya, Rimini oder an der Costa Brava liegen oft in ähnlichen Bereichen wie bei uns, teilweise sogar etwas tiefer.» Der entscheidende Unterschied: «Im Gegensatz zur Schweiz gehören Klimaanlagen in Hotels dort zum normalen Standard.»

Thomas Sennhauser

Thomas Sennhauser (ths), arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er begann als Videojournalist und wechselte nach zwei Jahren ins Ressort News wo er über gesellschaftliche Themen und Analysen zu Geschehnissen im Ausland schreibt.

Melissa Greiter

Melissa Greiter (mgr) arbeitet seit 2024 für 20 Minuten. Sie ist seit Februar 2025 Redaktorin im Ressort News, Wirtschaft und Videoreportagen.

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