Knigge-Expertin erklärt: Diese klassischen Höflichkeitsgesten kommen heute nicht mehr gut an

wa.deWeltMantel halten und Tür öffnen – wann Höflichkeit laut Knigge-Expertin übergriffig wirktStand: 26.07.2026, 08:00 UhrKommentareUns auf Google folgenSollte ein Mann einer Frau heute noch die Tür aufhalten?...

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Knigge-Expertin erklärt: Diese klassischen Höflichkeitsgesten kommen heute nicht mehr gut an

Mantel halten und Tür öffnen – wann Höflichkeit laut Knigge-Expertin übergriffig wirkt

Stand: 26.07.2026, 08:00 Uhr

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Sollte ein Mann einer Frau heute noch die Tür aufhalten? Und wie sieht es mit anderen klassischen Gesten aus – etwa damit, jemandem in den Mantel zu helfen oder den Stuhl zurechtzurücken?

München – Klassische Kavaliersgesten sind nach Überzeugung des Deutschen Knigge-Rats nicht überholt. Männer sollten einer Frau daher weiterhin die Tür aufhalten – aber auch jedem anderen, meint die Vorsitzende des unabhängigen und ehrenamtlich arbeitenden Expertengremiums, Glaudia Chestnut. Die meisten Menschen schätzten solche Aufmerksamkeiten.

Artikel der KNA

Dieser Beitrag stammt von der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Allerdings sei heute etwas mehr Fingerspitzengefühl gefragt, sagte Chestnut der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). So zählten echte Aufmerksamkeit und gegenseitiger Respekt heute mehr als starre geschlechtsspezifische Regeln. Die Aufmerksamkeit richtet sich also auf den nächsten Menschen – unabhängig von Geschlecht, Alter oder gesellschaftlicher Position.

Ein Reclam-Heft des Autors Adolph Freiherr Knigge mit dem Titel „Über den Umgang mit Menschen“ liegt auf einem Tisch, darauf eine Scrabble-Würfel-Reihe mit zwei sichtbaren Seiten und den Wörtern „Bitte“ und „Danke“

Was als Handbuch für ein respektvolles Miteinander ohne Konflikte gedacht war, wurde im Laufe der Zeit zum Benimmkatalog für Tischmanieren, Kleidung oder andere Fragen der Etikette. © Sascha Steinach/IMAGO

Viele traditionelle Vorstellungen von guten Umgangsformen werden mit Adolph Freiherr Knigge verbunden. Sein Buch „Über den Umgang mit Menschen“ erschien 1788 und wird heute oft fälschlich als klassischer Benimmratgeber verstanden.

Tatsächlich war es kein Benimmkatalog für Tischmanieren, Kleidung oder andere Fragen der Etikette. Eher beschäftigte sich Knigge schon damals mit einem respektvollen Miteinander ohne Konflikte. Dazu gehört, Situationen und Menschen richtig einzuschätzen, anderen Freiraum zu lassen und zugleich die eigene Würde zu wahren. Der moderne Umgang knüpft also daran an.

Tür, Mantel, Stuhl

Wie soll man sich also konkret in den jeweiligen Situationen verhalten? Expertin Chestnut gibt Leitlinien:

  • Tür aufhalten: Diese wertschätzende Geste ist zeitlos. Das Prinzip „Ladys first“ wandelt sich immer mehr zu „people first“. Wer direkt hinter uns kommt, für den halten wir die Tür offen: egal, welches Geschlecht, egal, ob ranghöher oder rangniedriger, älter oder jünger, hilfsbedürftig oder nicht.
  • In den Mantel helfen: Dieses Angebot kommt im privaten oder vertrauten Umfeld meistens gut an. Im beruflichen Kontext kann es aufdringlich oder übergriffig wirken. Grundsätzlich ist es laut Knigge-Rat aber immer möglich, wenn man seiner Herzenshaltung folgt: „Dann wirkt auch diese Geste nicht aufgesetzt oder aufdringlich, sondern aufrichtig und von Herzen.“
  • Den Stuhl zurechtrücken: Dieser charmante Handgriff aus gehobenen Restaurants oder bei romantischen Dates wirkt heute im Geschäfts- oder Freundeskreis oft steif und gekünstelt. „Gerade die jüngere Generation kann nicht wirklich etwas damit anfangen.“ Daher sind auch hier wieder Umfeld und Situation zu beachten.

Goldene Regel

Chestnut gibt jedem die Goldene Regel mit auf den Weg: „Ich behandle andere so, wie auch ich behandelt werden möchte.“