Mamdani contra Netanyahu: New Yorks Bürgermeister phantasiert, den Israeli festzunehmen
Er betreibt Symbolpolitik. Doch bei seiner Wählerschaft verfängt der virulente Antizionismus. Die jüdische Gemeinschaft sieht sich derweil mit einer Welle von antisemitischen Hassverbrechen konfrontiert.
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Mamdani contra Netanyahu: Der New Yorker Bürgermeister phantasiert davon, den israelischen Ministerpräsidenten festzunehmen
Er betreibt Symbolpolitik. Doch bei seiner Wählerschaft verfängt der virulente Antizionismus. Die jüdische Gemeinschaft sieht sich derweil mit einer Welle von antisemitischen Hassverbrechen konfrontiert.
25.07.2026, 05.30 Uhr
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«Benjamin Netanyahu ist ein Kriegsverbrecher»: So begann Zohran Mamdani seine Videoansprache.
NYC Mayor’s Office / Youtube via Reuters
Am frühen Donnerstagnachmittag ist in New York ein Jude mit einem Schraubenzieher niedergestochen worden. Der Angreifer rief laut Passanten «Allahu akbar», als er dem 50-Jährigen, der eine Kippa trug, vor einer Synagoge beim Central Park in Manhattan das spitze Werkzeug in den Oberkörper rammte. Ein paar Strassen weiter an der Upper West Side attackierte er anschliessend einen asiatischen Mann, bevor er von der Polizei überwältigt werden konnte. Beide Opfer befinden sich im Krankenhaus, ihr Zustand soll stabil sein.
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Zohran Mamdani zeigte sich auf X schockiert über die Tat. Doch während er erwähnte, dass der Täter, ein gewisser Raul Morales, offenbar «Allahu akbar» geschrien habe, war von mutmasslichem Antisemitismus in seinem Beitrag nicht die Rede. Stattdessen deutete er an, dass Morales wohl geistig verwirrt gewesen sei. Solche «abscheulichen Verbrechen», fügte er hinzu, hätten in New York keinen Platz.
Doch – sie hätten gerade wegen Mamdani ihren Platz gefunden, kritisierten jüdische Organisationen den Bürgermeister umgehend. Dieser habe ein Klima geschaffen, welches den Judenhass anheize, sagte etwa Jonathan Greenblatt von der Anti-Defamation League, die sich seit über hundert Jahren dem Kampf gegen Antisemitismus widmet. Das jüngste Beispiel für die gefährliche Agitation, die der 34-Jährige betreibe, sei dessen Videoansprache vom vergangenen Dienstag gewesen.
«Architekt des Genozids»
Der Bürgermeister hatte eine Aufnahme veröffentlicht, in der er sich am israelischen Ministerpräsidenten abarbeitete. «Benjamin Netanyahu ist ein Kriegsverbrecher, der Architekt eines entsetzlichen Genozids gegen das palästinensische Volk», so beginnt Mamdani seine zweiminütige Anklage, die auf X mittlerweile knapp 100 Millionen Mal angezeigt wurde.
Hinter dem Schreibtisch im New Yorker Rathaus sitzend, präsentiert Mamdani die angeblichen Fakten. Er wirft dem israelischen Staatschef vor, mehr als 73 000 Menschen umgebracht und Zehntausende Kinder verstümmelt zu haben. «Er nahm Geburtskliniken ins Visier», sagt Mamdani über Netanyahu. «Er hungerte unzählige Menschen aus.» Zur Rolle der Hamas in dem Krieg äussert sich der New Yorker Politiker nicht. Sein Thema ist Israel.
So war es schon im Wahlkampf. Wiederholt hatte Mamdani versprochen, Netanyahu festnehmen zu lassen, falls sich dieser nach New York traue. Dass der israelische Ministerpräsident trotz der Drohung im September zur Generalversammlung der Vereinten Nationen reisen wird, scheint jedoch ausgemacht. Der Showdown steht also kurz bevor. Oder stand.
Denn Mamdani wird sein Versprechen nicht halten können. Das hat er in seiner Ansprache nun eingeräumt. «Meine Regierung hat alle rechtlichen Möglichkeiten geprüft, um festzustellen, ob New York den Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs vollstrecken könnte», sagte er. «Es ist klar, dass wir nicht über die eigenständige rechtliche Befugnis verfügen, diesen Haftbefehl zu vollstrecken.»
Nun war das immer schon klar. Die USA sind kein Mitglied des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) in Den Haag. Nicht erst Donald Trump verweigert dem Römischen Statut die Unterschrift. Auch die Regierungen unter Barack Obama oder Joe Biden befürchteten, dass Den Haag politisch motivierte Verfahren gegen amerikanische Soldaten oder Politiker anstrengen könnte. Als Bürgermeister von New York hat Mamdani kein Recht, sich in die amerikanische Aussenpolitik einzumischen.
Netanyahu als dankbares Ziel
Das weiss er natürlich. Netanyahu mit der Verhaftung zu drohen, war Symbolpolitik. Doch die amerikanische Nahostpolitik treibt seine Wählerschaft um. Netanyahu, könnte man sagen, ist ein dankbares Ziel. Für seine Anhänger ist es aber auch Ausdruck seines Selbstbewusstseins, dass er sich den Israeli vorknöpft.
Die «New York Times» sieht die Stadt im Aufwind. Wenn es nach der Zeitung geht, strahlt es auf Mamdani ab, dass die Basketballer der «Knicks» nach 53 Jahren wieder die Meisterschaft gewonnen haben. Die Fussball-WM sei nicht zuletzt in New York ein rauschendes Fest gewesen, ausserdem habe Taylor Swift in der Metropole geheiratet. «Der Bürgermeister von New York City, Zohran Mamdani, hat ein Hoch», so sieht es das Leitmedium.
Doch Kritiker werfen dem Mann, der angetreten war, die Lebenshaltungskosten der New Yorker zu senken, Spiegelfechterei vor. «Die Lebensmittel sind nicht günstiger geworden, die Inflation ist nicht zurückgegangen, die Strassen sind nicht sicherer», schrieb Greenblatt von der Anti-Defamation League auf X. Aber Mamdani bleibe «besessen vom einzigen jüdischen Staat auf der Welt».
Indem er den jüdischen Staat herausgreife und diffamiere, bereite er dem Judenhass den Boden, schrieb in einer Reaktion auf das Netanyahu-Video auch die UJA-Federation of New York, die weltweit grösste regionale Stiftung für jüdische Belange. Allein im Mai ist es laut den Polizeibehörden zu 41 antisemitischen Hassverbrechen gekommen. Alle 18 Stunden eines.
Obwohl nur etwa zehn Prozent der Bevölkerung jüdisch sind, haben mehr als die Hälfte aller Hassverbrechen in New York einen antisemitischen Hintergrund. Viele jüdische New Yorker fühlten sich von Mamdani im Stich gelassen, sagt die UJA. «Sie kommen sich vor, als würden sie ins Visier genommen und seien nicht mehr willkommen in ihrer Stadt.» Mit seinem Aktivismus beweise der Bürgermeister bloss seinen «Hang zum Theatralischen», sagt Greenblatt, der Mamdani einen «ewigen Studentenaktivisten» schimpft.
Ablenkung von der Stadtpolitik
Doch die effektvolle Geste beherrscht er, wie das Video veranschaulicht. Damit lenkt er auch von der Stadtpolitik ab, sie kann offenbar warten. Nach knapp sieben Monaten im Amt hat Mamdani ausser einer Mietpreisbremse, gegen die allerdings eine Sammelklage von Vermietern läuft, nicht viel vorzuweisen. Die von ihm propagierten staatlichen Supermärkte scheinen kaum vom Fleck zu kommen, und das Vorhaben, kostenlose Busse einzuführen, hat er wohl aufgegeben.
Seine Wähler sehen es ihm nach. In den Umfragen steht Mamdani gut da. Der Antizionismus verfängt. Kürzlich, so erzählte er der «New York Times», sei er mit Darializa Avila Chevalier durch deren Nachbarschaft spaziert. Mit der progressiven Kandidatin für das Repräsentantenhaus habe er «über die Milliarden von Dollar gesprochen, die unsere Regierung an das israelische Militär schickt».
In diesem Moment sei ein Mann mit zwei Paketen Babywindeln aus einem Laden gekommen. «Da sieht man, was die Prioritäten der Menschen sind», sagt Mamdani. Und gleichzeitig sehe man, wo die Regierung ihre Prioritäten habe.
Die Frage bleibt, was seine Prioritäten sind.
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