Eine Nacht im Katzenhotel kostet 204 Franken

Wenn Herrchen und Frauchen in die Sommerferien verreisen, leben ihre Stubentiger hier auf Fünf-Sterne-Niveau. Im Katzenhotel Ermitage an der Zürcher Goldküste kostet eine Suite bis zu 204 Franken pro Nacht.

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Eine Nacht im Katzenhotel kostet 204 Franken

Luxus-Katzenhotel an der Goldküste

Hier kostet die Büsi-Suite 204 Franken

Wenn Herrchen und Frauchen in die Sommerferien verreisen, leben ihre Stubentiger hier auf Fünf-Sterne-Niveau. Im Katzenhotel Ermitage an der Zürcher Goldküste kostet eine Suite bis zu 204 Franken pro Nacht.

Publiziert: 18:15 Uhr

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Aktualisiert: 18:16 Uhr

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft

  • Das luxuriöseste Katzenhotel der Schweiz liegt in Wangen bei Küsnacht
  • Die teuerste Suite kostet 204 Fr. pro Nacht mit TV für Katzen
  • 75 Katzen wohnen gleichzeitig in den Sommerferien im Hotel

Text Silvana Degonda, Fotos Remy Steiner

Morgens geht Janete Trüb (45) zuerst in die Suite von Aurora und Rebecca. Die zwei Perserkatzen sind Schwestern und schon 21 Jahre alt! «Ich mache mir immer ein bisschen Sorgen um sie, obwohl es ihnen noch sehr gut geht», sagt sie fast entschuldigend. Jeden Monat verbringen die Tiere mindestens ein paar Tage in ihrem Katzenhotel – etwa wenn die Besitzer in den Ferien oder auf Geschäftsreise sind. «Ich kenne Aurora und Rebecca, seit ich das Hotel vor 18 Jahren eröffnet habe.»

Die Katzen schlafen viel, sitzen gerne am Fenster und lassen sich geduldig bürsten. «Ich freue mich immer sehr, wenn sie hier sind. In diesem Alter weiss man nie, ob es vielleicht das letzte Mal ist. Gell, Baby?» Janete Trüb sagt oft «Baby», nicht nur zu den Stammgästen. «Solange die Katzen in meinem Hotel wohnen, sind sie meine Babys.»

Artikel aus der «Schweizer Illustrierten»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!

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Wenn Fellnasen Ferien machen

Von aussen wirkt das Katzenhotel in Wangen bei Küsnacht ZH wie ein gewöhnliches Einfamilienhaus. Nur das Schild an der Fassade verrät, dass sich dahinter das wohl luxuriöseste Katzenhotel der Schweiz verbirgt. Kletterlandschaften ziehen sich über die Wände, auf Bildschirmen ziehen Fische und Schildkröten durchs Wasser, Vögel und Eichhörnchen durch Wälder. «Die Katzen lieben es, TV zu schauen.» In den Sommerferien wohnen hier bis zu 75 Katzen gleichzeitig. Manche im Gruppenschlag für 43 Franken, andere beziehen eine eigene Suite. Die exklusivste, die Del-Mar-Suite, kostet 204 Franken pro Nacht.

Vorsichtig wagt sich Mimi aus der Savoy-Suite. Die 13-jährige Ragdoll-Katze hat ihre allererste Nacht im Katzenhotel verbracht. Zwei fremde Fellnasen kommen näher, beschnuppern sie. Für einen kurzen Moment scheint alles gut zu gehen. Dann zuckt Mimi zurück. «Komm, Baby», sagt Janete Trüb. «Für heute reicht es. Du musst dich noch ein bisschen eingewöhnen.»

Checkliste für Stubentiger

Bevor morgens gefüttert wird, beobachtet Janete Trüb jede Katze ganz genau. Wie bewegt sie sich? Spielt sie? Wirkt sie aufmerksam? «Am Verhalten erkenne ich sofort, wie es der Katze geht.» Für jedes Tier gibt es einen digitalen Betreuungsordner. Jede Medikamentengabe, jede Mahlzeit und jede Auffälligkeit werden festgehalten. Manche trinken nur aus Keramiknäpfen. Andere bevorzugen abgestandenes Wasser statt frisches. Auf Wunsch wird Diätfutter serviert oder Spezialessen für Allergiker. Janete Trüb kennt die Eigenheiten ihrer Gäste bis ins kleinste Detail. Nachts überwachen Kameras sämtliche Räume. «Mein Mann nennt mich einen Kontrollfreak», sagt die Mutter einer Tochter und lacht.

Janete Trüb wuchs im Süden Brasiliens in Armut auf. Als sie sechs Jahre alt war, konnte ihre Mutter nicht für sie sorgen und gab sie weg. Ihre Patentante und ihr Patenonkel nahmen sie auf. Plötzlich lebte sie auf einer riesigen Farm mitten in der Natur, zwischen Rindern, Hunden, Katzen – und vielen Papageien, um die sie sich kümmerte. «Meine Welt waren schon immer die Tiere. Ich bekam von meinem Pflegevater sogar ein verwaistes Äffchen, das ich mit der Flasche grosszog.»


2002 kam Janete Trüb in die Schweiz – eigentlich nur zu Besuch, doch sie blieb und verliebte sich. Das Glück scheint perfekt, als ihr Mann ihr zwei kleine Kätzchen schenkt. Dann der Schock: Er entwickelt eine schwere Katzenallergie. «Für mich kam es aber nicht in Frage, die Katzen abzugeben, es waren ja meine Babys.» Also sucht das Paar eine andere Lösung. Zufällig entdecken sie auf einem Ausflug ein Haus mit einem Vermietungsschild. Sie rufen an, können das Haus, das heutige Katzenhotel, für ihre beiden Katzen mieten. Sie schalten ein winziges Inserat in der Zeitung. Kurz darauf berichtet das Lokalfernsehen über die Brasilianerin mit ihrem Katzenhotel. Inzwischen ist sie Besitzerin der Liegenschaft. Aus der Notlösung wurde ein Unternehmen. «So hat das mit dem Hotel angefangen. Es gab so was in der Schweiz vorher gar nicht.»

Sorgenfreie Samtpfoten

Inzwischen arbeitet der Mann von Janete Trüb ebenfalls in der Administration, und mit der Hoteldirektorin kümmern sich noch zwei bis drei Tierpflegerinnen um die Gäste auf vier Pfoten. Zum Beispiel um die 14-jährige Tigerkatze Mini. Sie bleibt drei Monate im «Ermitage», weil ihre Besitzer das Haus renovieren. Zweimal täglich bekommt Mini Medikamente für die Schilddrüse. Alle Gäste müssen vor Ankunft geimpft und gegen Würmer und Flöhe behandelt sein.

Warum Menschen bereit sind, so viel Geld für ihre Haustiere auszugeben? «Viele Kunden erzählen mir, dass ihr eigenes Hotelzimmer in den Ferien günstiger ist als das ihrer Katze», sagt Janete Trüb und lacht. «Aber Katzen sind hier in der Schweiz nicht einfach Haustiere. Sie sind Familienmitglieder – oder oft sogar Kinderersatz. Ich hatte noch nie einen Kunden oder eine Kundin, die gesagt hat: ‹Es ist doch nur eine Katze.›»