Ukraine-Liveticker: Witkoff und Kushner reisen nach Moskau und Kiew | FAZ

Ukraine garantiert Sicherheit für US-Unterhändler in Moskau +++ Ukrainische Geheimdienstzentrale von russischer Drohne getroffen +++ Schusswechsel zwischen Sicherheitskräften in Kiew +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

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Ukraine-Liveticker: Witkoff und Kushner reisen nach Moskau und Kiew | FAZ

Vermummte und bewaffnete Sicherheitskräfte sind in Kiew kein seltener Anblick. Sie stehen zum Beispiel an Checkpoints vor dem abgeriegelten Regierungsviertel oder vor militärischen Liegenschaften. Dass diese aber Schüsse abgeben, noch dazu auf andere vermummte Sicherheitskräfte, sieht man nicht alle Tage. Deshalb ist das, was sich am Mittwoch im Dnipro-Bezirk ereignete, in der Ukraine Gesprächsthema.

Videos aus der Nacht zu Mittwoch zeigen grobe Wortgefechte und Schusswechsel zwischen Männern in Tarnkleidung in einem Wohngebiet. Umliegende Straßen wurden gesperrt, am Morgen fielen dann wieder Schüsse. Noch bis in den Mittwochnachmittag standen sich Vermummte in der Großwohnsiedlung gestikulierend gegenüber. Die offizielle Kommunikation dazu war zunächst spärlich, umso schneller verbreiteten sich Gerüchte.

Nach allem, was man bislang weiß, waren an dem Vorfall zwei Sicherheitsbehörden beteiligt; der Inlandsgeheimdienst SBU und der Militärnachrichtendienst HUR. Im Zentrum ihres Disputs steht der Verbleib von Stepan Kaplunow, einem russischen Staatsbürger, der seit 2014 auf Seiten der Ukraine gegen Russland kämpft. Er ist Teil des Russischen Freiwilligenkorps (RDK), eines unter dem Dach des HUR agierenden Zusammenschlusses russischer Rechtsextremisten, der von dem Neonazi Denis Kapustin (Nikitin) angeführt wird. Zum Ablauf der Ereignisse in der Großwohnsiedlung und deren Deutung gibt es widersprüchliche Angaben.

Aus Sicht des Inlandsgeheimdienstes SBU hat man eine Operation des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB mit dem Ziel der Tötung eines russischen Oppositionellen vereitelt. Im Zuge einer damit in Zusammenhang stehenden Hausdurchsuchung in dem Wohngebiet seien SBU-Agenten von einer bewaffneten Personengruppe angegriffen worden. Am Donnerstag verbreitete der SBU dann ein Video von Kaplunow, in dem dieser (offenbar unter Druck) vor einer Kamera aufsagt, er sei im Auftrag des FSB wegen Auftragsmorden gegen Armeeangehörige kontaktiert worden. Dazu veröffentlichte der SBU Bildschirmaufnahmen eines Telegram-Chatverlaufs, der den Austausch über bezahlte Auftragsmorde auf ukrainischem Territorium belegen soll. Ukrainische Medien berichteten später, dass die Anschlagsplanungen dem Führer der tschetschenischen Exilregierung, Achmed Sakajew, gegolten hätten.

Der Anwalt von Kaplunow und Vertreter von HUR und RDK verbreiten hingegen eine andere Version. Sie beschuldigen den SBU, Kaplunow bereits Ende August verschleppt zu haben. Zudem hegen sie den Verdacht, dass SBU-Agenten versucht hätten, in der Nacht zu Mittwoch verbotene Gegenstände in Kaplunows Wohnung zu verstecken, um ihm diese unterzujubeln. In der Folge seien HUR-Angehörige zum Ort des Geschehens gekommen, um den Plan zu vereiteln. Aus der Konfrontation mit den anwesenden SBU-Agenten habe sich dann der Konflikt entsponnen, im Zuge dessen SBU-Vertreter auch auf Unbewaffnete geschossen hätten; drei Menschen seien dadurch verletzt worden.

Ausgetragen wird der Konflikt auf offener Bühne. Mit Anschuldigungen, Videonachrichten und zahlreichen Unterstützungsbekundungen in den sozialen Medien. Aus dem jeweiligen Inhalt lässt sich ablesen, zu welchem Teil des fragmentierten Sicherheitsapparats die Absender sich selbst zählen. Die beiden Geheimdienste SBU und HUR kooperieren im Kampf gegen Russland, stehen aber auch in einem gewissen Konkurrenzverhältnis. Zu Auseinandersetzungen führen wohl auch widersprüchliche Geschäftsinteressen, insbesondere im kriminellen Bereich.

Präsident Selenskyj gab sich Mühe die Schießerei zu verurteilen, ohne sich selbst auf eine Seite zu schlagen. Am Mittwochmorgen brachte sein Presseteam in Umlauf, er habe die Verantwortlichen kritisiert und eine Erklärung gefordert. Am Donnerstag dann folgte eine Videonachricht, in der er die Zusammenstöße allgemein kritisierte und Aufklärung versprach. „In der Ukraine darf man nur auf russische Besatzer schießen“, sagte er darin. Für die Aufklärung der Affäre sind nun andere verantwortlich: die Generalstaatsanwaltschaft und eine weitere Behörde aus dem Sicherheitsapparat, das staatliche Ermittlungsbüro. Personelle Konsequenzen soll es auch geben. Selenskyj kündigte an, einen stellvertretenden Chef jeweils beider Dienste zu entlassen.