Leser sehen Lobbyismus einer SVP-Nationalrätin kritisch
Nationalrätin Céline Amaudruz kämpft mit Lobbying-Vorwürfen. Mit drei Vorstössen will sie die Schweizer Hülsenfruchtproduktion stärken. Der Haken: Sie ist Verwaltungsratspräsidentin einer Mühlengruppe. In unserer Community bricht eine Lobbyismus-Diskussion aus.
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Leser zu Lobbyismus
«Mit diesen Vorstössen hat sie nur ans eigene Portemonnaie gedacht!»
Nationalrätin Céline Amaudruz kämpft mit Lobbying-Vorwürfen. Mit drei Vorstössen will sie die Schweizer Hülsenfruchtproduktion stärken. Der Haken: Sie ist Verwaltungsratspräsidentin einer Mühlengruppe. In unserer Community bricht eine Lobbyismus-Diskussion aus.
Publiziert: 18:40 Uhr
Darum gehts
KI-generiert, redaktionell geprüft
- Céline Amaudruz steht wegen Hülsenfrucht-Vorstössen im Bundeshaus unter Lobbyismusvorwürfen
- Über 3800 Personen nahmen an einer Umfrage zu Lobbyismus teil
- 88 Prozent der Befragten fordern striktes Lobbyismusverbot in der Schweizer Politik
Alessandro KälinRedaktor Community
SVP-Nationalrätin Céline Amaudruz (47) steht wegen ihrer neusten Vorstösse im Bundeshaus in der Kritik. In der Sommersession legte die Vermögensverwalterin dem Bundesrat nahe, die inländische Produktion von Hülsenfrüchten durch mehrere Massnahmen zu fördern. Das Problem dabei: Sie ist seit 2023 Verwaltungsratspräsidentin der Groupe Minoteries SA (GMSA), einer Westschweizer Mühlengruppe. Ihr eigenes Unternehmen würde also von ihren politischen Forderungen profitieren.
Lobbyismusvorwürfe weist die Genfer Parlamentarierin ab. Laut ihr sehe das politische Milizsystem der Schweiz vor, dass Parlamentarier durch ihre berufliche und zivilgesellschaftliche Verankerung Probleme der Bürger und Unternehmen nach Bern tragen. Keine ihrer Forderungen würde ihrer eigenen Firma einen besonderen oder spezifischen Vorteil ermöglichen. Obwohl der Bundesrat alle drei Vorstösse bereits abgelehnt hat, hinterlässt der Vorfall bei unserer Community einen bitteren Nachgeschmack.
So steht die Community zu Lobbyismus in der Politik
Ein Grossteil unserer Leserschaft stellt sich gegen Politiker, die im Amt die eigenen Interessen vorantreiben. Das zeigt eine nicht repräsentative Umfrage mit über 3800 Teilnehmern. Ganze 88 Prozent würden Lobbyismus in der Politik strikt verbieten.
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Die Gegenseite macht gerade mal 12 Prozent aus. Diese Lesergruppe hat kein Problem mit Lobbying in Bundesbern. Mitunter, weil sie in einer solchen Position genau dasselbe tun würde. Auch in den Kommentaren diskutieren die beiden Lager.
«Solche Politiker müssen gnadenlos abgewählt werden»
Viele Leserinnen und Leser rügen Amaudruz direkt. Linus Sennrich ist einer von ihnen: «Es ist dreist von ihr, zu behaupten, dass das nichts mit Lobbyismus zu tun hat. Mit diesen Vorstössen hat sie nur ans eigene Portemonnaie gedacht!» Timon Moor kommentiert: «Wer denkt, die Politiker in Bern vertreten das Volk, glaubt auch noch an Feen und Einhörner.» Ruedi Minder fordert vom Volk gar: «Solche Politiker müssen gnadenlos abgewählt werden.»
Laut Rolf Straub kann gegen solche Praktiken nur eines helfen: «Der Lobbyismus muss für Bundesräte und Politiker im Bundeshaus verboten werden. Dann würden die Damen und Herren vielleicht endlich gemäss Volkswillen handeln.»
Für Thomas Hager ist klar: «Man sollte Staat und Wirtschaft ebenso trennen wie Staat und Religion. Das Bundeshaus ist mehr Grossfirma als Regierungsapparat.» Stephan Muster warnt: «Solange wir Lobbying in diesem Masse erlauben, ist dies nicht dreist, sondern Standard. Leider bezahlt es am Ende der Schweizer Bürger.»
«Ihre Vorstösse würden uns wenigstens etwas bringen»
Von einigen Leserinnen und Lesern werden Amaudruz und ihre Kollegenschaft aber auch verteidigt. So etwa Reto Schmidt: «Dass sie geschäftlich davon profitiert, ist für mich nicht problematisch, solange es offengelegt wird.» Michael Meier merkt an: «Da viele Politiker Unternehmer sind, kann es zu solchen Situationen kommen. Daher Antrag einreichen, vorhandene Mandate und Interessen offenlegen. Dann ist gut.»
Für Paul Bühler ist solches Lobbyieren unproblematisch: «Es ist sehr offensichtlich, dass sie es in erster Linie zu ihrem Vorteil macht. Der Bundesrat kann ja immer noch Nein sagen. Schlimmer ist es, wenn solche Dinge unter dem Tisch ablaufen.»
Kurt Oberle schreibt: «Wir sollten diesen Bereich sowieso fördern. Ob sie jetzt aus Eigeninteresse handelt oder nicht, die Schweiz hat allgemein einen Vorteil davon.» Auch René Hänni ist der Ansicht: «Ihre Vorstösse würden der Schweizer Bevölkerung wenigstens etwas bringen. Da habe ich schon ganz anderes in der Politik miterlebt.»