Kristof Magnusson: Zum Waffenschmuggeln braucht man gute Verse

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Ein Spion und ein Dichter: Kristof Magnusson erschafft in »Die Reise ans Ende der Geschichte« das Traumpaar des Sommers.

Aus der ZEIT Nr. 29/2026

Aktualisiert am 11. Juli 2026, 11:06 Uhr

Kristof Magnusson: Der deutsch-isländische Schriftsteller Kristof Magnusson wurde 1976 in Hamburg geboren und lebt in Berlin.
Der deutsch-isländische Schriftsteller Kristof Magnusson wurde 1976 in Hamburg geboren und lebt in Berlin. © Smilla Dankert

Open House in der russischen Botschaft in Rom. Es sind die Neunzigerjahre, der Kalte Krieg ist vorbei, die Sowjetunion hat sich aufgelöst, und die Botschaft gibt eine Gartenparty mit Krimsekt und Piroggen. Das Ende der Geschichte ist erreicht, alle werden jetzt zu liberalen Demokraten.

Heute wissen wir: eine große Illusion – und kommen uns ziemlich naiv vor, dass wir uns das einmal selbst abgenommen haben. Und weil Selbsttäuschungen der beste Stoff für erkenntnisreiche Romane sind, hat der für seinen süffigen Witz bekannte deutsch-isländische Schriftsteller Kristof Magnusson einen herrlich Laune machenden Roman geschrieben, Die Reise ans Ende der Geschichte, in dem er bei ebendieser Gartenparty zwei gegensätzliche Figuren aufeinandertreffen lässt: Da ist Jakob Dreiser, ein junger, stets heiter gestimmter Erfolgslyriker (an dieser Stelle sei angemerkt: Es handelt sich bei diesem Buch nicht um einen realistischen Roman), dem sich wegen seines einnehmenden Wesens alle Türen öffnen. Und der verbitterte BND-Mitarbeiter Dieter Germeshausen, »Bundesbeamter im 27. Dienstjahr«, der sich schon immer bei jeder Beförderungsrunde von seinem Arbeitgeber übersehen gefühlt hat und dem nun auch noch seine gewohnten Arbeitsbedingungen wegen des Endes der Geschichte wegzubrechen drohen. Die neue globale Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung kann er nur gallig kommentieren.