Konservativer CDU-Fraktionschef Jens Spahn verteidigt Leihmutterschaft und stellt sich CDU-Kritik

Eltern werden Konservativer CDU-Fraktionschef Jens Spahn verteidigt Leihmutterschaft und stellt sich CDU-Kritik Der CDU-Politiker Jens Spahn erklärt erstmals seine persönliche Entscheidung trotz klarem...

  • 4 min read
Konservativer CDU-Fraktionschef Jens Spahn verteidigt Leihmutterschaft und stellt sich CDU-Kritik

Eltern werden

Konservativer CDU-Fraktionschef Jens Spahn verteidigt Leihmutterschaft und stellt sich CDU-Kritik

Der CDU-Politiker Jens Spahn erklärt erstmals seine persönliche Entscheidung trotz klarem Nein der Partei zu Leihmutterschaft

Frankfurt – Der deutsche CDU/CSU-Fraktionschef Jens Spahn hatte in den vergangenen Tagen öffentlich gemacht, dass eine Leihmutter in den USA ein Kind für ihn und seinen Mann ausgetragen hat. Die CDU hatte sich aber auf ihrem Bundesparteitag im Februar in Stuttgart ausdrücklich gegen Leihmutterschaften ausgesprochen. Kanzler Friedrich Merz betonte, dass es bei dem in Deutschland bestehenden Verbot der Leihmutterschaft bleiben werde.

Nun hat sich Spahn nach anhaltender Kritik auch aus der eigenen Partei seine Entscheidung, ein Kind von einer Leihmutter in den USA austragen zu lassen, verteidigt.

Zerrissen

"Ich stelle mich der Debatte", sagte er laut am Freitag von der "Bild"-Zeitung veröffentlichen Auszügen aus einem Interview mit dem stellvertretenden Bild-Chefredakteur Paul Ronzheimer. "Ich habe lange mit mir gerungen, auch was das Thema Leihmutterschaft angeht. Ich bin lange zerrissen gewesen", sagte Spahn. Aber über dieses Ringen hätten er und sein Mann Daniel Funke, der der biologische Vater ist, sich für diesen Weg entschieden. Manchmal gebe es kein Schwarz und Weiß und keine einfachen Entscheidungen, erläuterte der CDU-Politiker.

Zwei lächelnde Männer in Anzügen sitzen bei einer Gala an einem Tisch. Vor ihnen stehen Gläser mit Weißwein und eine Wasserflasche. Im Hintergrund sieht man weitere Gäste in Abendkleidung.
Jens Spahn (rechts) und sein Mann Daniel Funke (links) sind nun Eltern geworden.

Spahn betonte, dass in Deutschland die Vermittlung einer Leihmutterschaft und die ärztliche Behandlung verboten seien. "Eltern werden oder Leihmutter sein steht nicht unter Strafe."

Politisch unter Druck

Über seine politische Zukunft als Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion sagte Spahn: "Ich werde die Frage, wie es weitergeht, mit der Fraktion natürlich erörtern, wenn wir uns im September wiedersehen." Über einen Rücktritt, wie ihn manche auch aus seiner eigenen Partei gefordert hätten, könne nur die Fraktion entscheiden. "Ich werde mit meiner Fraktion darüber reden und das in ihre Verantwortung – wo es ja auch hingehört, der Vorsitzende der Fraktion – auch legen."

Innerhalb der Union gibt es kritische Stimmen - die CDU hatte auf ihrem Bundesparteitag im Februar beschlossen, dass sie am Verbot von Leihmutterschaften festhält. "Jens Spahn ist als Vorsitzender der Unionsfraktion nicht mehr tragbar und muss zurücktreten", sagte der CDU-Landeschef von Mecklenburg-Vorpommern, Daniel Peters, der "Bild"-Zeitung. Spahn habe sich nämlich mit der Leihmutterschaft in den USA "in voller Absicht über in Deutschland geltendes Recht hinweggesetzt".

Scharfe Worte wählte die Vorsitzende der Gruppe der Frauen in der Unionsfraktion, Mechthild Heil, in "Frankfurter Allgemeinen Zeitung": "Frauen dürfen weder zum Sex gekauft, noch als Brutkasten missbraucht werden." Die CDU-Politikerin sprach von einem "ausbeuterischen System zwischen Kaufeltern und Leihmüttern" und betonte: "Ich lehne den Kauf von Kindern und damit die Leihmutterschaft ab."

Die CDU hatte bereits am Donnerstag deutlich gemacht, dass sie am Verbot festhält.

CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann sagte dem RND, er wünsche Spahn und seiner Familie "alles Gute und Gottes Segen". Zugleich betonte er, dass bei den gesetzlichen Regelungen zum Thema Leihmutterschaft in Deutschland kein Änderungsbedarf bestehe - diese seien "gut begründet".

Auch Spahn hatte nach Bekanntwerden der Geburt mitteilen lassen, dass er keine Änderung der Rechtslage in Deutschland anstrebe. "Jens Spahn leitet grundsätzlich aus seinem Privatleben keine politischen Forderungen ab", hieß es aus seinem Umfeld.

Frühere Positionierung

Spahn war von 2018 bis 2021 deutscher Gesundheitsminister – in seinen Zuständigkeitsbereich fiel damit das Embryonenschutzgesetz, wo das Verbot von Leihmutterschaften geregelt ist. 2020 antwortete das Haus auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion, dass eine Änderung in der damals laufenden Legislaturperiode nicht geplant sei und erklärte, die Ratio der Regelung liege "primär in der Wahrung des Kindeswohls".

Im Jahr 2015 hatte das Magazin "GQ" Spahn, damals gesundheitspolitischer Sprecher der Unionsfraktion, mit den Worten zitiert: "Als schwuler Mann und Christ kann ich mich persönlich nur sehr schwer mit der Idee eines gemieteten Mutterbauchs anfreunden. Zu akzeptieren, dass ich nicht auf natürlichem Weg Vater werde, verlangt ein großes Maß an Demut. Ob ich das aufbringen kann, weiß ich nicht." (Reuters, APA, 17.7.2026)

Forum: 308 Postings

Ihre Meinung zählt.

Die Kommentare im Forum geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Benutzer:innen können diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H. vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.