Trumps Zölle sind ein Ärgernis und Gegenzölle die falsche Reaktion. Wie man gegensteuern kann und soll
KommentarUS-Zölle: Kein Grund zum Aufatmen, sondern zum DurchstartenDonald Trump bleibt Donald Trump. Umso mehr gilt es zu verhindern, dass das Gift des Protektionismus zur neuen globalen Normalität wird. Die S...
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Kommentar
US-Zölle: Kein Grund zum Aufatmen, sondern zum Durchstarten
Donald Trump bleibt Donald Trump. Umso mehr gilt es zu verhindern, dass das Gift des Protektionismus zur neuen globalen Normalität wird. Die Schweiz und die EU können gegensteuern.
25.07.2026, 05.30 Uhr
4 Leseminuten

Der Welthandel leidet unter Blockaden wie hier in der Strasse von Hormuz. Wie reagieren führende Handelsnationen? Sie erhöhen den drohenden Wohlstandsverlust noch durch eigenen Protektionismus.
Reuters
Manche haben aufgeatmet, als Donald Trump in der Nacht auf Freitag «nur» die angekündigten Zwangsarbeitszölle von 10 Prozent für Waren aus der EU und 12,5 Prozent für solche aus der Schweiz in Kraft gesetzt hat.
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Das ist kurzsichtig und gefährlich. Es zeigt, wie sehr man sich schon an die neue Normalität protektionistischer Schmerzen gewöhnt hat. Wirtschaftspolitische Diskussionen drehen sich zunehmend darum, wie man eigene Wirtschaftszweige schützt und fördert, die unter Schwächen leiden. Immer öfter muss dabei das Argument der nationalen Sicherheit herhalten.
Handelsbehinderung wird zum Kampfinstrument
Auch Donald Trump sieht seine Zölle offensichtlich als Beitrag zur Sicherheit der USA. Dabei verteuern sie bloss das Leben und die Produktion der Firmen im Inland. Geradezu lächerlich wirkt die Begründung, mit den neuen Abgaben wolle man gegen Zwangsarbeit vorgehen. Der Handelsbeauftragte Jamieson Greer wird bloss froh sein, eine rechtlich abgestützte Begründung für seinen neuen Basiszoll gefunden zu haben. Ganz in Vergessenheit gerät dabei, dass ein starkes Land zuallererst eine starke Wirtschaft braucht und Freihandel dabei hilft.
Stattdessen wird mit einem Verfahren zur Verhängung zusätzlicher Zölle wegen «struktureller Überkapazitäten» noch mehr Druck aufgebaut. Eben erst hat Trump auch klargemacht, dass er unbesehen aller bestehenden Abmachungen einen Strafzoll von 100 Prozent erheben will, sollte es ein Land wagen, neue Zölle auf digitale Dienstleistungen aus den USA zu erheben. Zudem ist die Pharmaindustrie besonderem Druck ausgesetzt. Trump droht, die Einfuhr von Generika mit einem Strafzoll von bis zu 200 Prozent zu belegen. Ständige Drohungen und deutlich höhere Zölle als noch vor zwei Jahren sind zum neuen Normal im Umgang mit den USA geworden.
Milizen im Nahen Osten haben derweil ebenfalls die Behinderung des Welthandels als Kampfinstrument entdeckt. Die iranischen Revolutionswächter haben die Meerenge von Hormuz vermint. Im Roten Meer beschiesst die mit Iran verbundene Huthi-Miliz Schiffe, um sie an der Durchfahrt zu hindern. Die Energiepreise steigen, und die Schiffe müssen riesige Umwege fahren, was den Handel verteuert und kompliziert.
Wie reagieren die grossen Handelsnationen? Statt alles daranzusetzen, den Handel wieder zu befreien, erhöhen sie den Schmerz noch freiwillig. Die USA beschränken Exporte. China rächt sich mit Gegenzöllen und Exportkontrollen. Die EU bereitet Schutzmassnahmen gegenüber chinesischen Überkapazitäten vor und erhebt komplizierte Ausgleichszölle auf dem CO2-Gehalt von wichtigen importierten Gütern wie Eisen und Stahl, Aluminium, Zement, Düngemitteln und Strom.
Wenn der Handel derart zum Minenfeld wird, dann sind hohe Kosten unvermeidlich. Sie machen das Leben teurer und bremsen die Wirtschaft. Das ist selbstverschuldet und fahrlässig. Ökonomen sind sich weitgehend einig: Ohne den KI-Boom wären die USA bereits in einer Rezession.
Gegenmittel gibt es
Umso mehr ist jetzt nicht resignierendes Aufatmen, sondern Durchstarten angezeigt. In offenen Handelsnationen wie Deutschland und der Schweiz erst recht. Statt selbst neue tarifäre und nichttarifäre Hürden aufzubauen, sollten sie neue Freihandelsabkommen wie mit dem Mercosur oder mit Malaysia rasch in Kraft setzen. Das sind wirksame Gegenmittel gegen den Schmerz, den Trump verursacht. Sich wie das Schweizer Parlament im Fall des Mercosur von den Bauern aufhalten zu lassen, zeugt von Realitätsverweigerung.
China sollte dazu gebracht werden, im Gegenzug zu offenen Märkten in Europa Währungsungleichgewichte zu beseitigen und den chinesischen Markt forciert zu öffnen. Für die Eidgenossenschaft bietet die laufende Modernisierung des bestehenden Freihandelsabkommens zumindest die Chance für Letzteres – die EU sollte ihre die Rivalität betonende China-Politik überdenken.
Gegenüber den USA gilt es, sich in Schadensbegrenzung zu üben. Auch wenn die bilateralen Vereinbarungen keine vollständige Sicherheit bieten, sind sie doch ein zentrales Element dazu. Sie bieten zudem die Chance zu Liberalisierungen, die auch den europäischen Konsumenten zugutekommen werden. Die vielen Absichtserklärungen sollten nun schnell umgesetzt werden. Bisher haben sich die USA an die für die Schweiz vorteilhafte bilaterale Abmachung gehalten.
Zölle sind aber auch ein Preisschild. Sie zeigen an, um wie viel effizienter die Produktion am Standort in der Schweiz oder in der EU sein muss, damit sie noch wettbewerbsfähig bleibt und sich eine Verlagerung erübrigt. Höhere Zölle rufen deshalb nach Reformen, die die Unternehmen entlasten, nicht belasten. Auch das hat Europa in der eigenen Hand.
Minenfelder gemeinsam räumen
Abschottung und Abkopplung vernichten bloss Wohlstand. Statt neues Gelände zu verminen, gilt es, bestehende Minenfelder vereint zu räumen. Im Bereich des Welthandels wird die organisatorisch keineswegs tote Genfer Welthandelsorganisation (WTO) dazu ihren Beitrag leisten müssen. Die von der Schweiz mitinitiierte Future of Investment and Trade Partnership, der bereits 19 kleinere Staaten beigetreten sind, kann wichtige Beiträge leisten. Und der kanadische Premierminister Mark Carney hat nicht zufällig eine Allianz der mittelgrossen Staaten angeregt.
Es braucht jetzt eine vereinte Kraftanstrengung für den regelbasierten Freihandel und die Einsicht, dass die Schweiz und die EU selber wirtschaftspolitisch fitter werden können und müssen. Zum Aufatmen besteht kein Grund.
1 Kommentar
Tobias Suter
vor 25 Minuten
1 Empfehlung
Ein lesenswerter Beitrag! Die offizielle Schweiz sollte endlich den Focus etwas verschieben und nicht ständig auf die USA schielen und sich überlegen, mit welche Zusagen man die trumpsche Administration noch mehr besänftige könnte. Das hat bisher kaum etwas genützt und wird wahrscheinlich auch zukünftig hauptsächlich der Schweiz selber schaden. Es ist an der Zeit, dass der Fokus auf internationale Zusammenarbeit gelegt wird, auch wenn die USA da nicht mitspielen wollen. Es muss endlich vorwärts gehen. Die Willigen müssen zusammenstehen und den freien Handel wieder beleben. Die USA sind ein wichtiger Markt für die Schweizer Wirtschaft. Die derzeit laufende Selbstaufgabe mit allen möglichen Zusagen und Bemühungen der Schweiz ist dieser Markt aber aus meiner Sicht nicht wert. Was haben unsere Verhandler und Wirtschaftsgranden nicht alles den USA zu Füssen gelegt und dafür nichts erhalten. Nun zu behaupten, man habe zwar einen leicht höheren Zoll als die EU aber immerhin nicht einen noch höheren Zoll aufgebrummt bekommen, ist für mich scheinheilig und verkennt die Realität. Die USA wollen nicht mehr im Spiel des freien Handels mitspielen, sondern alle Anderen dafür mit allen möglichen Schikanen bestrafen. Das mag sicher weh tun. Die Schweiz sollte aber nicht wie das Kaninchen vor der Schlange in eine Starre verfallen, sondern sich stärker um Partner für den freien Handel bemühen. Die Schweiz kann die USA nicht ändern.
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