Klettert trotz Höhenangst auf Mont Blanc – und vollendet Seven Summits der Alpen

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Klettert trotz Höhenangst auf Mont Blanc – und vollendet Seven Summits der Alpen

Stand: 16.07.2026, 17:52 Uhr

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Wolfhagen Axel Sartor auf dem Mont Blanc

Der Wolfhager Axel Sartor hat den Mont Blanc (4805 Meter) bestiegen und damit die höchsten Gipfel aller sieben Alpenländer komplettiert. Mit diesem Erfolg schloss der Nordhesse ein jahrelanges Bergprojekt ab, das ihn auf die höchsten Berge Deutschlands, Österreichs, Italiens, der Schweiz, Frankreichs, Sloweniens und Liechtensteins führte. Nur wenige Alpinisten können eine solche Sammlung vorweisen. © .privat/nh

Axel Sartor aus Wolfhagen hat die höchsten Gipfel aller sieben Alpenländer bestiegen. In Gondeln wird dem 58-Jährigen heute noch mulmig.

Wolfhagen – Die Gondel bringt ihn bis heute ins Schwitzen. Nicht wegen der Höhe. Sondern wegen der Angst. Wenn Axel Sartor über dem Tal schwebt, wird ihm mulmig. Ein ungesichertes Geländer? Kein Problem. Eine Felswand mit Hunderten von Metern Luft unter den Füßen? Ebenfalls nicht. „Ich habe heute noch Höhenangst“, sagt der 58-Jährige. Und genau dieser Satz macht seine Geschichte so außergewöhnlich. Denn inzwischen hat der Wolfhager den Mont Blanc bestiegen – und damit die „Seven Summits der Alpen“ vollendet, die jeweils höchsten Gipfel der sieben Alpenländer.

Wolfhagen Axel Sartor

Am Gipfel des Großglockners: Der höchste Berg Österreichs war eine der sieben Stationen auf Axel Sartors Weg zu den „Seven Summits der Alpen“. © .privat/nh

Dass ausgerechnet die Angst ihn dorthin geführt hat, hätte er einst selbst wohl nicht gedacht. Als Kind fuhr Sartor Ski auf den kleinen Hängen bei Wolfhagen. Jahrzehnte später entdeckte er den Wintersport wieder für sich – und stand plötzlich wie festgefroren auf schmalen Passagen. „Ich hatte Probleme loszufahren“, erinnert er sich. Auch Gondelfahrten wurden zur Mutprobe. Also beschloss er, sich seiner Angst zu stellen. Erst kamen Wanderungen, dann Klettersteige, schließlich anspruchsvolle Klettertouren. Mit jedem Griff an den Fels verlor die Angst ein Stück ihrer Macht.

Der Körper schafft das noch. Aber der Kopf sagt: Jetzt reicht‘s.

„Man konzentriert sich nur noch auf das Klettern“, sagt er. Die Angst verschwindet nicht. Aber sie tritt in den Hintergrund. Dort, wo hunderte Meter Tiefe unter ihm liegen, fühlt er sich heute oft sicherer als auf einer Aussichtsplattform ohne Seil. Klingt paradox – ist für ihn aber längst Realität.

Wolfhagen Axel Sartor auf dem Mont Blanc

Drei Anläufe benötigte Axel Sartor, bis er den höchsten Berg der Alpen schließlich bezwang. © .privat/nh

Den ersten großen Dämpfer erlebte er Silvester 2018 am Kilimandscharo. Nach einem Mittelfußbruch war ihm nur ein Monat Vorbereitung geblieben. Er unterschätzte den Berg, wurde höhenkrank und ging weit über seine Grenzen hinaus. „Da habe ich gemerkt, wie die Natur einem Grenzen aufzeigt“, sagt Sartor. Aufgeben war trotzdem nie eine Option. Stattdessen begann er, Bergsteigen systematisch zu lernen – mit einer Hochtourenausbildung, Gletscherspaltenrettung und immer intensiverem Training.

Bis zu 15 Stunden trainiert er in Spitzenzeiten pro Woche. Lange Läufe, Krafttraining, Treppeneinheiten mit 20 Kilogramm Gepäck, immer wieder den Kasseler Herkules rauf und runter. Nach dem achten oder neunten Aufstieg beginne der Kopf zu rebellieren. Genau dort setze das eigentliche Training an. „Der Körper schafft das noch. Aber der Kopf sagt: Jetzt reicht‘s.“

Mit den Jahren hat sich aber nicht nur sein Körper verändert, sondern auch seine Einstellung. Früher sei das Größte gewesen, auf dem Gipfel zu stehen. Heute denke er anders. „Das Wichtigste ist, wieder heil unten anzukommen.“ Mehrfach drehte er nur wenige hundert Höhenmeter vor dem Ziel um, weil Wetter oder Bedingungen nicht mehr passten. „Lieber umkehren als ein unnötiges Risiko eingehen.“ Das habe er auch aus Büchern von Reinhold Messner gelernt. Die Bergsteigerlegende beeindruckt ihn bis heute. Nicht wegen der Rekorde, sondern wegen eines Gedankens: „Mentale Stärke ist wichtiger als körperliche Fitness.“ Diesen Satz habe er sich zu eigen gemacht. Für Sartor beginnt ein Berg deshalb lange vor dem ersten Schritt – im Kopf.

Mit dem Mont Blanc setzte Sartor zugleich den Schlusspunkt unter ein Projekt, das ihn quer durch die Alpen führte. Zuvor hatte er bereits die Dufourspitze in der Schweiz erklommen, den Gran Paradiso in Italien, den Großglockner in Österreich, die Zugspitze in Deutschland, den Triglav in Slowenien und den Vorder Grauspitz in Liechtenstein. Jeder dieser Berge stellte ihn vor andere Herausforderungen und erzählte seine eigene Geschichte. Der Mont Blanc sollte die letzte schreiben.

Drei Anläufe brauchte Sartor für den höchsten Berg Frankreichs. Mal machte das Wetter einen Strich durch die Rechnung, einmal familiäre Umstände. Als er im Juni schließlich auf 4805 Metern stand, flossen Tränen. Nicht aus Erschöpfung. Sondern weil sich Jahre voller Vorbereitung, Rückschläge und Zweifel in diesem Moment entluden.

Was von all den Gipfeln bleibt, hat erstaunlich wenig mit Bergen zu tun. „Was ich nicht ändern kann, kann ich nicht ändern“, sagt er. Früher habe ihn vieles unnötig Kraft gekostet. Heute gehe er gelassener mit Situationen um, auf die er keinen Einfluss hat. „Wer in den Bergen unterwegs ist, lernt schnell, dass sich Wetter, Wind oder Fels nicht nach den eigenen Plänen richten“, sagt der zweifache Vater. Dann helfe kein Ärgern – nur Anpassen oder Umkehren. Genau diese Haltung nimmt Sartor von jeder Tour mit nach Hause. Seine Höhenangst hat er nie verloren. Er hat nur gelernt, mit ihr zu leben. Vielleicht ist genau das sein größter Gipfelsieg.