KI in Schulen: 90 Prozent der Jugendlichen nutzen KI im Schulalltag
KI im Klassenzimmer Schulen hinken den Schülerinnen bei der KI-Nutzung hinterher KI gehört längst zum Schulalltag. Aber viele Schülerinnen und Schüler verwen...
- 3 min read
KI im Klassenzimmer Schulen hinken den Schülerinnen bei der KI-Nutzung hinterher
KI gehört längst zum Schulalltag. Aber viele Schülerinnen und Schüler verwenden KI ohne Aufsicht der Lehrperson.
26.08.2026, 07:46
Teilen
Ob für Hausaufgaben, Gruppenarbeiten oder Präsentationen: Für viele Jugendliche ist die künstliche Intelligenz mittlerweile zum selbstverständlichen Schulbegleiter geworden. Neun von zehn Jugendlichen nutzen regelmässig KI für schulische Aufgaben.
Ein produktiver Umgang mit KI würde bedingen, dass die Lehrpersonen die Schülerinnen und Schüler anweisen, wie sie KI nutzen können, ohne selbst das Denken zu verlernen.
Das ist für Stefan Wolter, Studienautor und Direktor der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung, nicht wirklich überraschend. «Es ist natürlich eine extreme Versuchung für die Schülerinnen und Schüler, Aufgaben, die sehr viel Aufwand bedeuten würden, mit KI schnell zu erledigen und dann Freizeit zu haben, anstatt einen aufwändigen Lernprozess zu betreiben», sagt er.
Schülerinnen und Schüler lösen Hausaufgaben mit ChatGPT oder lassen sich einen Vortrag von Gemini schreiben.
Keystone/TIMOTHY D. EASLEY
Das Problem dabei: Die Schulen geben beim Einsatz von KI nicht den Takt vor – meist verwenden die Jugendlichen von sich aus Programme wie ChatGPT. So gab weniger als ein Fünftel der befragten Schülerinnen und Schüler an, KI auf Aufforderung oder unter Anleitung einer Lehrperson zu verwenden.
Das sei beunruhigend, meint Stefan Wolter: «Ein produktiver Umgang mit KI würde bedingen, dass die Lehrpersonen die Schülerinnen und Schüler anweisen, wie sie KI nutzen können, ohne selbst das Denken zu verlernen.»
Rasante Entwicklung hält Schulen auf Trab
Diese Einschätzung teilt auch Beat Schwendimann, Leiter Fachstelle Pädagogik beim Schweizerischen Lehrerinnen- und Lehrerverband (LCH). Das Problem sei an den Schulen zwar erkannt, doch bei einer Technologie, die sich so rasant entwickelt wie künstliche Intelligenz, hinke man zwangsläufig immer ein Stück hinterher.
«Gerade im Bereich KI entwickelt sich alles sehr schnell. Es durchdringt alle möglichen Lebensbereiche und deswegen ist es schwierig für die Schulen, da immer auf dem Laufenden zu sein, immer das Neuste wieder aufzugreifen und genügend Zeit dafür zu haben, das auch vertieft zu behandeln.»
Die KI sollte Lernprozesse in den Schulen nicht ersetzen, sondern unterstützen.
Keystone/CYRIL ZINGARO
Kommt hinzu: Lehrpersonen seien heute schon sehr gefordert – ihr Aufgabenfeld nehme stetig zu. Deshalb sei es wichtig, dass Lehrerinnen und Lehrer in der Aus- und Weiterbildung lernen, wie sie KI im Unterricht sinnvoll einsetzen können, sagt Beat Schwendimann. Denn KI könne durchaus ein nützliches Werkzeug sein, solange sie den Schülerinnen und Schülern nicht einfach das Denken abnimmt.
Es muss geregelt werden, ob und welche Tools die Schulen benutzen dürfen.
«Man will nicht das Lernen an die KI delegieren, sondern man will die KI dazu einsetzen, Lernprozesse zu unterstützen», sagt Schwendimann. «Die KI kann hier ein Sparringpartner sein, zum Beispiel indem man der KI den Auftrag gibt: Stelle mir kritische Fragen. Finde heraus, was ich noch nicht weiss, fordere mich heraus, aber gib mir nicht die Antworten.»
Schweizer KI gefordert
Offene Fragen gibt es auch im Zusammenhang mit dem Datenschutz. Denn die Nutzung von Chatbots kann heikel sein, weil Daten zum Beispiel in die USA oder nach China abfliessen. Eine kürzlich durchgeführte Umfrage des LCH hat dabei allerdings gezeigt: An vielen Schulen fehlen klare Vorgaben.
Eine Schweizer KI, wie vom Lehrerinnen- und Lehrerverband gefordert, würde Klarheit beim Datenschutz schaffen.
Keystone/christian Beutler
«Deswegen muss geregelt werden, ob und welche Tools die Schulen benutzen dürfen. Aus Sicht des LCH wäre es wünschenswert, dass wir hier mittel- oder langfristig auch eine Schweizer basierte KI hätten, die auch entsprechend dem Schweizer Datenschutz untersteht», sagt Schwendimann vom LHC.
In Deutschland gibt es bereits eine speziell für den Schulbereich entwickelte KI‑Anwendung. In der Schweiz fehlt eine solche Lösung bisher. So oder so ist klar: Der Umgang mit KI wird die Schule noch lange beschäftigen.
Echo der Zeit, 25.08.2026, 18 Uhr