Jens Bley tritt ohne Gegenkandidat an: „Würde mir wehtun, nur 50 Prozent zu schaffen"
StartseiteLokalesLandkreis DiepholzTwistringenStand: 12.07.2026, 07:02 UhrKommentareUns auf Google folgenBürgermeister Jens Bley kann der Bürgermeisterwahl entspannt entgegenblicken: Er hat keinen Gegenkandidat...
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Stand: 12.07.2026, 07:02 Uhr
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Am 13. September wählt Twistringen seinen Bürgermeister – nur ein Name steht auf dem Stimmzettel. Für Jens Bley ist das Wahlergebnis trotzdem der entscheidende Gradmesser.
Twistringen – Am 13. September sind die Bürger in Niedersachsen aufgerufen, ihre Räte und Bürgermeister neu zu wählen. In Twistringen wird nur ein Name auf dem Stimmzettel stehen: Jens Bley. Was sich in den vergangenen Monaten bereits angedeutet hat, ist nun bestätigt. Es gibt keinen Gegenkandidaten. Die Frist, um Vorschläge einzureichen, endete am 6. Juli. Bley gibt sich erleichtert. „Ich bin froh, keinen Kontrahenten im Kopf haben zu müssen“, sagt er. Er räumt aber auch ein, dass es für die Twistringer schade sei, „keine richtige Wahl“ zu haben.
Bley hofft, möglichst viele Stimmen auf sich vereinen zu können. Das sei dann für ihn der eigentliche Gradmesser. „Was mir sehr wehtun würde, wäre, gerade mal die 50 Prozent zu überspringen.“
Die Parteien stehen in Twistringen hinter Bürgermeister Bley
Der Kommunalwahl sieht er mit Spannung entgegen. „Es ist ungeheuer wichtig, dass unser Demokratieverständnis gewahrt bleibt.“ Die Menschen müssen sich fragen: Wer ist der Richtige? Bei Kommunalwahlen komme es weniger auf Parteien und das Parteiprogramm an, sondern vielmehr auf die Personen, ist er überzeugt.
Seine Person scheint in Twistringen anzukommen. Die im Rat vertretenen Parteien stehen hinter ihm. Wie das Geheimnis seines Erfolges lautet? Bley schmunzelt. In Gesprächen habe man ihm signalisiert, dass man seine Offenheit und Transparenz schätzt. „Die Menschen fühlen sich abgeholt“, sagt er. Die Zusammenarbeit mit der Politik sei sehr gut. „Es gelingt immer, wieder zurück in einen Dialog zu finden. Auch nach Differenzen.“
Nicht jeder Fördertopf ist eine gute Wahl
Auf Fehler angesprochen, überlegt er einen Augenblick. „Vielleicht habe ich nicht immer richtig kommuniziert.“ Im Rückblick gebe es eine große Fehlentscheidung. Beim Bau der Sporthalle und der Bibliothek standen zwei Fördertöpfe zur Wahl: ein Landesprogramm und ein Bundesprogramm. Der Bundestopf versprach mehr Geld – war aber, wie sich herausstellte, mit größeren Hürden verbunden. Das führte zu Verzögerungen – Zeitverzug bedeutet immer Kostensteigerung. Die Lehre, die Bley daraus gezogen hat: „Man muss immer schauen, wie gut die Fördertöpfe tatsächlich sind.“
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Die Investitionen und ihre Finanzierbarkeit sind die Herausforderung für die kommenden Jahre. „Schulden machen ist okay“, sagt Bley. „Aber man muss auch wissen, wie man den Kapitaldienst schafft.“ Eine Kommune muss den Haushalt sichern können. Sonst sei sie fremdbestimmt und handlungsunfähig.
Kommune muss immer handlungsfähig bleiben
Twistringen ist verschuldet – derzeit sind es 14 Millionen Euro. Ohne den maroden Schwimmpark. Fakt ist auch: „Als ich angefangen habe, waren es auch 14 Millionen Euro Schulden. Und wir haben in den vergangenen Jahren 31 Millionen investiert.“ Bleys Ziel: „Wenn wir am Ende meiner Amtszeit 2033 immer noch auf 14 Millionen stehen, dann wäre das ein Riesenerfolg.“
Wie die Schulden reduziert werden können, dazu hat der Bürgermeister bereits Ideen: Twistringen setzt auf Windenergie. Allein die Steuererhöhung und höhere Schlüsselzuweisungen reichen nicht aus. Die Einnahmen des erst kürzlich beschlossenen Windparks in Marhorst fließen komplett in die Sanierung des Schwimmparks. Zusätzlich hofft Bley auf das Sondervermögen des Bundes.
Neue Wertschöpfung durch Windkraft
Weitere Windparks sollen folgen. In Mörsen musste die Verwaltung abspecken. Da gab es Widerstand aus der Bevölkerung. In Rüssen und Natenstedt hofft Bley auf mehr Akzeptanz. Er weiß: Die Wirtschaftlichkeit der Windräder ist durch ihre Laufzeit begrenzt. „Deshalb müssen wir anfangen, jetzt schon Schulden abzubauen.“
Ob das am Ende gelingen kann, wird sich zeigen. Der Schwimmpark ist nicht die einzige Ausgabe, die die Stadt vor der Brust hat. „Wir haben das Ziel ausgegeben, wachsen zu wollen“, so Bley. Dafür müsse die Infrastruktur stimmen. Bleys Blick in die Zukunft: Eine komplette Kita steht noch aus, derzeit wird die GS Heiligenloh zweizügig ausgebaut und durch die Erweiterung des Ganztagsangebots braucht die GS Am Markt neue Räume. 2028, 2029, spätestens 2030 muss das Jugendhaus ertüchtigt werden. „Und wenn der Ausbau der B51 beendet ist, müssen wir in die Nebenstraßen investieren. Die sind nämlich derzeit stark belastet. Das werden wir bezahlen müssen.“
Bessere ärztliche Versorgung durch die Zentralklinik
Zusätzliche Einnahmen neben der Wertschöpfung durch Windkraft könnte die Ausweisung neuer Gewerbeflächen garantieren. Die jetzigen Gebiete sind fast voll. Mögliche neue Flächen werden intern diskutiert.
Vom Bau der Zentralklinik verspricht sich der Bürgermeister ebenfalls zusätzlichen Aufschwung. Er hofft, dass sich die hausärztliche Versorgung verbessern wird und sich Praxen auch im Stadtgebiet ansiedeln werden. Aufgabe der Stadt wird es sein, eine gute Anbindung zu schaffen. „Die Hauptbuslinie wird erweitert, es wird eine neue Haltestelle an der Köglerstraße geben, und der Bürgerbus wird eingebunden.“ Ob ein Shuttlebus sinnvoll ist, „müssen wir besprechen“.
Sein Vorteil: Nach der Wahl muss er sich in die Themen nicht einarbeiten.