Biber am Ticino: Könnte die Art bald das Tessin erreichen?

Ingenieur der Natur Der Biber rückt näher an das Tessin Nach ersten Sichtungen am italienischen Ticino verdichten sich die Hinweise auf die Rückkehr des Euro...

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Biber am Ticino: Könnte die Art bald das Tessin erreichen?

Ingenieur der Natur Der Biber rückt näher an das Tessin

Nach ersten Sichtungen am italienischen Ticino verdichten sich die Hinweise auf die Rückkehr des Europäischen Bibers.

25.08.2026, 14:04

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Zuerst war es nur eine Silhouette im Wasser. Dann folgten angenagte Baumstämme und weitere eindeutige Spuren. Nun ist klar: Der Europäische Biber ist an den Ticino zurückgekehrt. Nach der ersten Sichtung im Dezember 2024 im norditalienischen Castelletto bestätigen neue Hinweise seine Anwesenheit an mehreren Abschnitten des Flusses auf italienischem Staatsgebiet.

Erste Biber am italienischen Ticino

«Für uns ist das eine aussergewöhnliche Nachricht», sagt Monica Di Francesco, Leiterin der Wildtierabteilung des lombardischen Ticino-Parks, gegenüber dem Radio und Fernsehen für die italienische Schweiz (RSI). Die Rückkehr der Art sei nicht nur für den Park, sondern für die gesamte Region eine gute Nachricht.

Zur Vorsicht mahnt sie dennoch: «Wir können von mehreren Individuen sprechen, aber noch nicht von einer Population. Derzeit handelt es sich um eine erste Besiedlung.»

Um die Entwicklung genauer zu verfolgen, haben die Schutzgebiete am Ticino, am Lago Maggiore, im Campo dei Fiori und im Val Grande ein gemeinsames Monitoring gestartet. Die Untersuchungen werden vom Forscher Andrea Mosini koordiniert.

Biber schwimmt in einem Waldteich neben einem umgestürzten Baumstamm.
Legende:

Der Biber ernährt sich ausschliesslich von Pflanzen. Auf seinem Speiseplan stehen Wasserpflanzen, Rinde, Blätter, Triebe und Äste. Entgegen einem alten Vorurteil frisst er keine Fische.

Keystone/DPA-Zentralbild/PATRICK PLEUL

Auch Meldungen von Fischerinnen und Fischern, Kanufahrenden oder Anwohnern sollen helfen, die Bewegungen der Tiere besser nachzuvollziehen. Beobachtungen und Spuren entlang des italienischen Ticino können direkt dem lombardischen Ticino-Park gemeldet werden, der die Datensammlung koordiniert.

Erreicht der Biber bald das Tessin?

Bislang gibt es keine bestätigten Nachweise des Bibers im Kanton Tessin. Eine Ausbreitung erscheint jedoch plausibel.

Die Tiere, die sich zwischen dem Toce, dem Lago Maggiore und dem Ticino unterhalb des Sees angesiedelt haben, könnten den Flussufern, Feuchtgebieten und Zuflüssen folgen und sich schrittweise nach Norden ausbreiten.

Karte der Schweiz mit roten Quadraten markiert.
Legende:

Die heutige Verbreitung des Europäischen Bibers in der Schweiz

Wildtierinformationen – CCO/KOF, swisstopo

Eine rasche Ankunft ist allerdings nicht garantiert. Dämme, verbaute Ufer, Strassen, Siedlungsgebiete und vegetationsarme Abschnitte können die Ausbreitung erschweren. Der Lago Maggiore könnte dagegen als ökologischer Korridor dienen.

Von der Ausrottung zur Rückkehr

In Italien war die Art während rund 500 Jahren verschwunden. Erst 2018 tauchte der Biber wieder im Raum Tarvis auf, vermutlich aus Österreich kommend. Später wurde er auch zwischen dem Toce und dem Lago Maggiore nachgewiesen, entlang einer Ausbreitungsroute aus der Schweiz.

Ein Ingenieur der Natur

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Der Europäische Biber (Castor fiber) ist das grösste heimische Nagetier Eurasiens. Das überwiegend nachtaktive Tier lebt teilweise im Wasser und besitzt Schwimmhäute an den Hinterfüssen, einen breiten abgeflachten Schwanz sowie auffällige orangefarbene Schneidezähne.

Indem er Bäume fällt und Dämme baut, verändert er seine Umgebung. Er verlangsamt die Strömung, hält Wasser und Sedimente zurück und schafft Teiche, Feuchtgebiete und Lichtungen, von denen Amphibien, Vögel und zahlreiche wirbellose Tiere profitieren.

Seine Bauten können lokal Hochwasser abschwächen und Ökosysteme widerstandsfähiger gegen Trockenheit machen, indem sie zur Grundwasserneubildung beitragen. Deshalb gilt der Biber als «Ingenieur der Natur».

In stark vom Menschen geprägten Landschaften kann er allerdings auch Schäden an Kulturen, Dämmen oder Kanälen verursachen. Dort sind Überwachungs- und Präventionsmassnahmen nötig.

Die Rückkehr des Bibers folgt allerdings nicht überall demselben Muster. In der Toskana und in Umbrien wurden zwischen 2021 und Anfang 2023 mindestens 55 Aktivitätsgebiete, 40 Tiere und 16 Fortpflanzungsereignisse dokumentiert. Aufgrund der grossen Distanz zu anderen europäischen Populationen gelten dort nicht bewilligte Freilassungen als wahrscheinlich.

Einzelne Tiere wurden zudem in den Abruzzen und anderen Regionen Mittel- und Süditaliens gemeldet. Gesicherte Nachweise für eine Fortpflanzung fehlen dort bislang.

In der Schweiz begann die Wiederansiedlung 1956. Zwischen 1956 und 1978 wurden 141 Tiere freigelassen. Während 1977 noch rund 165 Biber gezählt wurden, leben heute schätzungsweise 5000 Tiere in der Schweiz.

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RSI Millevoci 20.8.2026, 9:10 Uhr;rama