„Leichte Erholungssignale“ der deutschen Wirtschaft – Industrie warnt Merz jetzt vor fatalem Fehler

Der BDI fordert von der Bundesregierung Strukturreformen, einen Abbau der Bürokratie sowie eine Modernisierung des Staates. Bei der Umsetzung dieser Maßnahmen zeigt sich der Verband jedoch pessimistisch.

  • 3 min read
„Leichte Erholungssignale“ der deutschen Wirtschaft – Industrie warnt Merz jetzt vor fatalem Fehler

Industrie warnt Merz vor fatalem Fehler – angesichts positiver BIP-Entwicklung

Stand: 24.08.2026, 18:47 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Der BDI fordert von der Bundesregierung Strukturreformen, einen Abbau der Bürokratie sowie eine Modernisierung des Staates. Bei der Umsetzung zeigt sich der Verband jedoch pessimistisch.

Berlin – Die deutsche Wirtschaft hat sich im Frühjahr besser entwickelt als erwartet. Laut dem Statistischen Bundesamt (Destatis) lag das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Halbjahr 2026 preis-, saison- und kalenderbereinigt knapp ein Prozent über dem Vorjahresniveau. Hohe Energiepreise, überbordende Bürokratie, hohe Kosten für Unternehmen und der Fachkräftemangel schwächen jedoch die internationale Wettbewerbsfähigkeit.

Somit ist die Lage der deutschen Wirtschaft als fragil zu bezeichnen. Ein Indikator hierfür ist, dass die Zahl der Insolvenzen laut dem Halbjahresbericht 2026 der Wirtschaftsauskunftei Creditreform mit 12.900 in den ersten sechs Monaten auf dem höchsten Stand seit 2013 liegt. Zudem ist die Inflationsrate in Deutschland im Juli 2026 laut Destatis deutlich gestiegen und lag bei 2,8 Prozent.

BDI fordert von Kanzler Merz schnelle Entlastung der Wirtschaft

Die Bundesregierung möchte die Wirtschaft ankurbeln. Wirtschaftswachstum und Beschäftigung seien „das wichtigste Thema“ der Klausur, sagte Kanzler Friedrich Merz (CDU) der Bild am Sonntag. Notwendig sei eine „schnelle und umfassende Entlastung für die Wirtschaft, gerade auch für Handwerk und Mittelstand“. Die Kabinettsklausur der schwarz-roten Koalition findet am 25. und 26. August auf Schloss Neuhardenberg in Brandenburg statt.

BDI-Hauptgeschäftsführerin Tanja Gönner

Tanja Gönner fordert Reformen von der Bundesregierung. (Archivbild) © Fabian Sommer/dpa

Doch die Wirtschaft sieht noch viel Luft nach oben. So hat etwa der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) die Bundesregierung zur Wachstumsförderung aufgefordert. „Bei jeder Maßnahme der Bundesregierung muss es darum gehen, dass sie Wachstum fördert“, sagte BDI-Hauptgeschäftsführerin Tanja Gönner am Montag im ZDF-Morgenmagazin. „Alles, was Wachstum hindert, darf im Moment nicht gemacht werden“, fügte sie hinzu.

Bundesverband der Industrie sieht Umsetzung von Reformen noch in weiter Ferne

Gönner forderte die Bundesregierung auch zur Umsetzung von Reformen auf. Es dürfe „nicht weiter diskutiert“, sondern müsse „schlicht in die Umsetzung“ gehen, sagte sie. Das gelte etwa für die Rentenreform, bei der die Diskussionen „nicht hilfreich“ gewesen seien.

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland sei „ernst“, betonte Gönner. „Man darf sich jetzt nicht, weil ganz leichte Erholungssignale da sind, zurücklehnen“, sagte die BDI-Hauptgeschäftsführerin. Vielmehr seien Strukturreformen, ein Abbau der Bürokratie und eine Modernisierung des Staates vonnöten. Noch sei eine Umsetzung dieser Punkte weit entfernt.

Industrieverband hat Wachstumserwartung gesenkt

Bereits im Juni hat der BDI ein umfassendes Reformpaket gefordert, das Investitionen stärkt und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts nachhaltig verbessert. „Wir brauchen mehr als ein Puzzle aus einzelnen Reformen. Wir brauchen zuerst ein Zielbild für den Standort“, erklärte BDI-Präsident Peter Leibinger.

Unternehmen müssten durch niedrigere Unternehmenssteuern, bessere Abschreibungsregeln und gezielte Innovationsanreize entlastet werden. Gleichzeitig hat der Verband seine Wachstumserwartung für Deutschland im Jahr 2026 von 1,0 auf 0,4 Prozent gesenkt. (Quellen: afp, dpa, Destatis, BDI)