Im Europacamp Nebra an der Unstrut wird Verständigung gelebt
21 junge Menschen aus zwölf europäischen Ländern verbringen derzeit zehn Tage in Nebra – nicht als Touristen, sondern als Mitgestalter. Beim 35. Eurocamp der "Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt" stehen Begegnung, gemeinsames Arbeiten und der Blick über nationale Grenzen hinweg im Mittelpunkt. Zwischen Workshops, Kanutour und Arbeitseinsätzen wächst eine Gemeinschaft, die zeigt, wie Europa im Alltag funktionieren kann.
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Europa trifft Unstrut
Stand: 26.07.2026 12:43 Uhr
21 junge Menschen aus zwölf europäischen Ländern verbringen derzeit zehn Tage in Nebra – nicht als Touristen, sondern als Mitgestalter. Beim 35. Eurocamp der "Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt" stehen Begegnung, gemeinsames Arbeiten und der Blick über nationale Grenzen hinweg im Mittelpunkt. Zwischen Workshops, Kanutour und Arbeitseinsätzen wächst eine Gemeinschaft, die zeigt, wie Europa im Alltag funktionieren kann.
von Frank Nowak, MDR SACHSEN-ANHALT
Schon beim Frühstück klingt die Jugendherberge Nebra ein wenig anders als sonst. Deutsch mischt sich mit Französisch, Spanisch, Georgisch oder Isländisch, dazwischen wird gelacht, übersetzt und diskutiert. Für zehn Tage ist die kleine Stadt an der Unstrut zum Treffpunkt Europas geworden.
Ankommen zwischen Sprachen und Kulturen
Zum 35. Eurocamp sind 21 junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 27 Jahren nach Nebra gereist. Sie kommen aus Armenien, Bosnien und Herzegowina, Deutschland, Frankreich, Georgien, Island, Italien, Lettland, Montenegro, Portugal, Spanien und Tschechien. Organisiert wird das traditionsreiche Camp von der Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt (AGSA). "Ziel ist, dass sich Menschen aus unterschiedlichen Ländern begegnen, dass wir interkulturelle Kompetenzen lernen und üben und über Ländergrenzen hinweg Freundschaften zu schließen", sagt Camp-Leiterin Anna Hillendahl.
FOTO: Camp-Leiterin Anna Hillendahl will bei dem Eurocamp interkulturelle Kompetenzen vermitteln.
Europa ist mehr als Politik
Das diesjährige Motto lautet: "Talk Deutsch – Think Europe: Eine Sprache, viele Perspektiven". Dahinter steckt weit mehr als Sprachunterricht. In Workshops diskutieren die Teilnehmer über Nachhaltigkeit, Demokratie und die Zukunft Europas. Sie schlüpfen in Rollen von Europaabgeordneten, beschäftigen sich mit den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen und tauschen sich darüber aus, wie Kultur, Sprache und Identität zusammenhängen.
Dabei entstehen nicht nur neue Sichtweisen, sondern oft auch Freundschaften. Unterschiedliche Erfahrungen und Lebensrealitäten treffen aufeinander – und machen deutlich, wie vielfältig Europa tatsächlich ist.
Mit anpacken für Nebra
Das Eurocamp versteht sich jedoch nicht als reine Bildungsreise. Die jungen Frauen und Männer arbeiten auch ganz praktisch mit. Auf der Altenburg, auf dem Festplatz und an der Ruinenanlage helfen sie bei den Vorbereitungen für das bevorstehende Stadtfest. Und so trifft man die jungen Leute dieser Tage auch beim Freischneiden des Wegs zum Nebraer Schloss; Niks Tolmacovs aus Lettland zum Beispiel, der voriges Jahr schon beim Eurocamp in Wittenberg dabei war: "Ich mag die Atmosphäre wirklich sehr; ich helfe gerne mit bei Projekten in den Städten, wo wir sind - im letzten Jahr haben wir zum Beispiel ein Labyrinth gebaut. Das war richtig lustig und cool."
Ich mag die Atmosphäre wirklich sehr. Ich helfe gerne mit bei Projekten in den Städten, wo wir sind. Niks Tolmacovs, Teilnehmerin aus Lettland
Daneben bleibt Zeit, die Umgebung kennenzulernen: Bei einer City-Rallye erkunden die Teilnehmer Nebra, besuchen das Kloster Memleben, paddeln auf der Unstrut und entdecken in der Arche Nebra die Geschichte der weltberühmten Himmelsscheibe.
Europa zum Anfassen
Gerade in einer Zeit, in der Krisen und Konflikte den Blick auf Europa prägen, setzt das Eurocamp bewusst einen anderen Akzent. Hier wird internationale Zusammenarbeit nicht in Konferenzsälen verhandelt, sondern beim gemeinsamen Kochen, Arbeiten, Diskutieren und Erleben gelebt. "Wir haben einen sehr guten und interessanten Austausch; wir diskutieren viele Themen, viele Traditionen und entdecken die andere Kultur. Es ist wirklich ein wunderschönes Erlebnis", sagt Marta Madeddu aus Sardinien.
Wir diskutieren viele Themen, viele Traditionen und entdecken die andere Kultur. Marta Madeddu, Teilnehmerin aus Italien
Dass dabei Vorurteile verschwinden und neue Perspektiven entstehen, gehört seit 35 Jahren zur Idee des Eurocamps. Unterstützt wird das Projekt von der Staatskanzlei und dem Ministerium für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt, dem Landesjugendamt sowie Lotto Sachsen-Anhalt.
Wer sich selbst ein Bild von der besonderen Atmosphäre machen möchte, hat dazu am 29. Juli Gelegenheit. Zur öffentlichen Abschlussveranstaltung sind Interessierte eingeladen, bei Fingerfood mit den jungen Europäerinnen und Europäern ins Gespräch zu kommen – und vielleicht selbst ein Stück Europa mitten in Nebra zu erleben.
MDR (Frank Nowak, Ingvar Jensen, Daniel George) | Erstmals veröffentlicht am 25. Juli 2026