Wut über 17 Jahre kranke Lehrerin entlädt sich an Kanzler Merz: „Aber wir sind ja faul und zu oft krank“
StartseiteDeutschland„Hingehört!“: 17 Jahre kranke Lehrerin erregt Aufschrei – kritische Merz-Aussagen verärgern Leser umso mehrStand: 26.07.2026, 06:26 UhrKommentareUns auf Google folgenEine Lehrerin kommt 17 ...
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„Hingehört!“: 17 Jahre kranke Lehrerin erregt Aufschrei – kritische Merz-Aussagen verärgern Leser umso mehr
Stand: 26.07.2026, 06:26 Uhr
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Eine Lehrerin kommt 17 Jahre nicht zur Arbeit, Angestellte sollen ab Tag eins ein Attest vorzeigen. Ungerecht, kritisieren viele. Hingehört! Die Leser-Diskussion der Woche.
Duisburg – Eine Lehrerin aus Duisburg steht im Mittelpunkt einer der bizarrsten Beamtenaffären der jüngeren deutschen Geschichte. Seit 2009 ist die heute 62-Jährige durchgehend krankgeschrieben – wegen eines psychischen Leidens, so die Atteste. Unterrichtet hat sie seitdem nicht eine einzige Stunde. Kassiert hat sie trotzdem: volles Gehalt, Jahr für Jahr. Ihr aktueller Schulleiter soll nicht einmal ihren Namen kennen.

Ende Mai ordnete die Bezirksregierung Düsseldorf nun die Zwangsversetzung in den Ruhestand an – was für die Beamtin eine deutlich niedrigere Pension bedeuten würde. Ihre Reaktion: Klage vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf. Bis zu einem Urteil fließen die vollen Bezüge weiter. Dazu kommt: Die Staatsanwaltschaft Duisburg ermittelt wegen des Verdachts auf gewerbsmäßigen Betrug. Die Lehrerin soll nebenbei als Heilpraktikerin gearbeitet haben, während sie offiziell dienstunfähig war.
Fall der 17 Jahre kranken Lehrerin empört Leserinnen und Leser – „Kommen zwei Dinge zusammen“
Die allermeisten unserer Leserinnen und Leser zeigen sich in den Kommentaren empört – aber die Stoßrichtung ist nicht immer dieselbe. Viele sind schlicht fassungslos über die Dreistigkeit. Besonders die Klage gegen den eigenen Dienstherrn stößt auf Unverständnis. „Wenn dann noch parallel Geld verdient wurde und dies ohne Konsequenz bleibt, verliere ich den Glauben komplett.“
Andere sehen die eigentliche Schuld weniger bei der Lehrerin als beim System selbst. „Hier kommen zwei Dinge zusammen: Inkompetenz in der Kontrolle und die fast schon kriminelle Energie eines Staatsbediensteten im Ausnutzen des Systems“, schreibt ein Leser.
Hingehört! – Unser Text, Ihre Meinung
Ihre Meinung wird gehört. In unserem Format „Hingehört!“ beleuchten wir jede Woche die Meinungen unserer Leserinnen und Leser zu einem Thema, das besonders stark kommentiert wird. Ippen.Media ist das Netzwerk der Meinungsvielfalt und unsere Leserschaft ein wichtiger Teil davon.
„Da gibt es jede Menge Vorgesetzte bis hin zum Gesetzgeber, die durch ihre Gesetze und Regeln so etwas ermöglichen – und dort wäre der richtige Ansatz, etwas zu ändern“, kommentiert ein anderer. Ein Punkt, den offenbar Behörden ähnlich sehen. Es laufen inzwischen auch Disziplinarverfahren gegen einen Mitarbeiter der Bezirksregierung, der die vorgeschriebenen amtsärztlichen Kontrollen schlicht versäumt haben soll.
Lehrerin weckt neue Verärgerung über Pauschalkritik von Kanzler Merz
Klar, dass der Fall einer Staatsbediensteten auch politisch kommentiert wird. Vor allem, wenn der Bundeskanzler dem durchschnittlichen Arbeitnehmer mehr oder weniger offen vorwirft, zu wenig zu arbeiten. Ein Kommentar zieht eine direkte Linie zur Debatte um Krankmeldungen und fragt süffisant, ob Friedrich Merz das im Blick habe.
Lehrerin macht 17 Jahre krank und klagt dann auf Pension: Das sagen unsere Leserinnen und Leser
– Hier kommen zwei Dinge zusammen: Inkompetenz in der Kontrolle und die nicht durchgeführten nötigen Konsequenzen des Dienstherrn, aber auch die fast schon kriminelle Energie eines Staatsbediensteten im Ausnutzen des Systems und vor allem die Dreistigkeit des Vorgehens per Klage gegenüber seinem Arbeitgeber. Wenn dann noch parallel Geld verdient wurde und dies ohne Konsequenz bleibt, verliere ich den Glauben komplett.
– Hauptsache, unser Kanzler überwacht weiterhin konsequent die Krankenstände und Krankmeldungen der Arbeitnehmer?
- Ist bestimmt kein Einzelfall und vermutlich häufiger, als man denkt. Ich kann das auch menschlich nachvollziehen, dass jemand es so skrupellos auf die Spitze treibt. Aber: Da gibt es jede Menge Vorgesetzte bis hin zum Gesetzgeber, die durch ihre Gesetze, Regeln und die Art und Weise, wie der Dienst durchgeführt wird, so etwas ermöglichen, und dort wäre der richtige Ansatz, etwas zu ändern.
– Mit Sicherheit gibt es da noch mehr. Aber wir sind ja faul und zu oft krank.
Ein weiterer Leser tippt: „Mit Sicherheit gibt es da noch mehr.“ Tatsächlich legen Statistiken nahe, dass Beamte häufiger krank sind als Angestellte. Ganz so deutlich ist der Unterschied aber natürlich nicht. Laut dem Gesundheitsförderungsbericht 2023 des Bundesinnenministeriums fehlten Beamte in der unmittelbaren Bundesverwaltung im Schnitt an 20,55 Tagen krankheitsbedingt – bei Tarifbeschäftigten waren es 23,30 Tage. Zum Vergleich: Das Statistische Bundesamt beziffert den Schnitt aller Arbeitnehmer in Deutschland für 2024 auf 14,8 Tage. Beide Zahlen sind methodisch nicht direkt vergleichbar – sie stammen aus unterschiedlichen Jahren und Erfassungssystemen –, aber sie zeigen: Der Fall aus Duisburg fällt selbst in diesem Kontext komplett aus dem Rahmen.
So abstrus der Fall auch klingt: Er zeigt, dass Vertrauen ohne Kontrolle keine Tugend ist – und Kontrolle ohne Vertrauen erst recht nicht. Wenn aus diesem Skandal eine ehrliche Debatte über Strukturen, Verantwortung und Fürsorge wird, hat er vielleicht doch noch etwas Gutes. Auch wenn das niemand so geplant hat – schon gar nicht an der Schule in Duisburg. (moe)