Heimweh und Sprachprobleme: Lea Mehringer kämpft in Leverkusen gegen den Druck

Die Waakirchener Hürdenläuferin Lea Mehringer kämpft beim TSV Bayer Leverkusen nicht nur sportlich. In ihrer ersten Saison im neuen Verein hat sich die 20‑Jährige zu viel Druck gemacht.

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Heimweh und Sprachprobleme: Lea Mehringer kämpft in Leverkusen gegen den Druck

Stand: 09.09.2026, 07:08 Uhr

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Kick für die Karriere: Lea Mehringer macht nicht nur mit ihren sportlichen Erfolgen auf sich aufmerksam, sondern auch mit ihrem neuen Trikot des TSV Bayer Leverkusen.

Kick für die Karriere: Lea Mehringer macht nicht nur mit ihren sportlichen Erfolgen auf sich aufmerksam, sondern auch mit ihrem neuen Trikot des TSV Bayer Leverkusen. © Privat

Die Waakirchener Hürdenläuferin Lea Mehringer kämpft beim TSV Bayer Leverkusen nicht nur sportlich. In ihrer ersten Saison im neuen Verein hat sich die 20‑Jährige zu viel Druck gemacht.

Waakirchen – Nach einer schwierigen Saison mit Pechsträhnen, verpassten Chancen und einer schweren Verletzung hat Lea Mehringer einen großen und ungewissen Schritt gewagt: Die Leichtathletin aus Waakirchen startet seit diesem Jahr für den TSV Bayer Leverkusen (wir berichteten).

Im vergangenen Jahr kam Mehringer ins Gespräch mit zwei Sportlerinnen des TSV Bayer Leverkusen, der diesjährigen Hallen-EM-Teilnehmerin Marlene Meier und Franziska Schuster, EM-Starterin in Birmingham, um bei Erfolgstrainer Frank Bartschat ihren weiteren sportlichen Weg in einer speziellen Sprint-Hürden-Gruppe zu bestreiten. Im Dezember heuerte sie in Leverkusen an und verließ damit den TSV Schaftlach und ihre Trainerin Margret Gremm.

Im Profi-Klub kann die Waakirchenerin zum einen ihre Ausbildung zur Schreinerin weiter halbtags bestreiten und sich zugleich nahezu professionell auf das Training konzentrieren. Der TSV unterstützt sie dabei finanziell, stellt ihre gesamte Wettkampf- und Trainingsausrüstung sowie die Startgelder und beteiligt sich an einem Trainingslagerzuschuss. „Dennoch muss man einen Monatsbeitrag selbst bezahlen“, verrät Mehringer, die heuer aus dem Bundeskader gefallen ist, da sie die Norm in diesem Jahr nicht erreichte. „Das ist schlimm für mich als Athletin, zumal dann die Förderung vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) wegfällt.“

Neu ist für die 20-Jährige die Aufmerksamkeit: „Im Leverkusener Trikot wird man auf Wettkämpfen ganz anders angeschaut, als im Trikot der LG Oberland. Da hat mich keiner wahrgenommen.“ Mit ihrem roten Trikot sei dies nun ganz anders, weil Bayer Leverkusen für Leistung und Stärke bekannt ist.

Große Umstellung im Training

Der Schritt nach Nordrhein-Westfalen ist privat und sportlich eine große Herausforderung. „Das war schon eine Umstellung, wenn man vom kleinen Verein zum größten und erfolgreichsten Leichtathletik-Verein Deutschlands wechselt.“ Ihre ersten Trainingseinheiten seien Mehringer wie ein Wettkampf vorgekommen, „weil es da so viele erfolgreiche und namhafte Athleten gibt“. Der Einstieg war alles andere als einfach: Ihre ersten Einheiten absolvierte sie im Dezember nach einem Muskelbündelriss im rechten Oberschenkel.

Mit den beiden Elite-Hürdenläuferinnen gehört die Nachwuchssportlerin des Jahres 2025 der Heimatzeitung zwar zu einer Gruppe, dennoch trainieren beide EM-Starterinnen individuell. „Ich laufe gar nicht so oft mit denen zusammen.“ Auch das neue Trainingspensum von fünf Einheiten pro Woche war sie nicht gewohnt. „Das lief knapp sechs Wochen, und dann haben wir die Umfänge auf drei bis vier Einheiten reduziert.“ Jetzt sei alles fast so wie mit ihrer ehemaligen Trainerin Margret Gremm.

„Ich kann nicht sagen, dass meine Saison schlecht war“, resümiert Mehringer. In der Halle wurde sie bei der Deutschen Meisterschaft mit der 4 x 200 Meter-Staffel der Frauen Siebte. Bei den Deutschen Junioren-Meisterschaften in Bochum-Wattenscheid spurtete sie über 100 Meter Hürden mit 13,64 Sekunden auf den fünften Platz. „Da bin ich schon zufrieden, weil ich nicht dachte, dass ich in den Endlauf komme.“ Dennoch war die ehrgeizige Athletin nicht zu 100 Prozent glücklich mit ihrer Leistung und dem Saisonverlauf: „Im Training war zu sehen, dass etwas Gutes da ist. Deshalb hatte ich mir zu viel Druck gemacht. Das muss ich in den Griff bekommen.“

Trotz Heimweh gibt Mehringer nicht auf

In der nächsten Saison will Mehringer deshalb ihren persönlichen Leistungsdruck besser unter Kontrolle bekommen. „Sonst geht das wieder nach hinten los.“ Mehringer hat dafür auch schon einen Plan: „Ich muss einfach lockerer hingehen und meinen Spaß bei den Wettkämpfen haben.“ Der Spaß habe in der ersten Saison für Leverkusen gefehlt. „Ich dachte immer, dass alles gehen muss und ich immer etwas beweisen muss.“ Ihre Trainingsleistungen seien immer gut gewesen, aber „ich habe es mental nicht auf die Bahn gebracht“.

Auch privat war die Umstellung für die Waakirchnerin schwer. Allein zu wohnen und ein paar Freunde durch den Umzug zu verlieren, seien hier schon fast das Geringste gewesen. „Ich muss hier erst alles neu aufbauen, und das dauert einfach seine Zeit.“ Die Athletin wohnt in einer Zwei-Zimmer-Wohnung in Leverkusen. „Das ist eine brutale Umstellung für mich. Über Sachen, die sonst zu Hause selbstverständlich waren, muss ich mir jetzt selbst Gedanken machen.“ Auch das Heimweh plagte sie die erste Zeit. Mehringer hatte schon mit dem Gedanken gespielt, zurückzugehen.

Aufgeben war aber keine Option: „Ich bin nach Leverkusen raufgegangen und will das auch weiter probieren.“ Auch die sprachliche Barriere ist ein Thema. „Ich rede immer Bairisch und erst beim dritten Mal, wenn ich nicht verstanden werde, rede ich eben Hochdeutsch.“ Wegen Arbeit und Training komme die 20-Jährige kaum dazu, neue Leute kennenzulernen. Auch die Heimat besucht sie immer wieder.

Aktuell befindet sich Mehringer im Aufbau für die Saison 2027. „Ich hatte vor den Deutschen Meisterschaften der Frauen eine Verletzung, ging früher in die Wettkampfpause und befinde mich deshalb jetzt schon im Aufbau“, erklärt sie. Voller Eifer und mit viel Freude blickt Mehringer schon auf die nächste Saison.