GPT-6 vorgestellt: Wie mächtig ist OpenAIs neue KI?
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GPT-6 vorgestellt: Wie mächtig ist OpenAIs neue KI?
OpenAI hat ein neues KI-Modell vorgestellt, ein Top-Manager sieht einen „Schritt in Richtung einer Allgemeinen Künstlichen Intelligenz“. Wie Experten das neue Modell einschätzen.
Das neuste ChatGPT Modell von OpenAI soll laut Unternehmen einen enormen Sprung in der KI darstellen. Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Es soll nicht weniger als eine neue Stufe der künstlichen Intelligenz sein: Gestern Abend hat das KI-Unternehmen OpenAI GPT-6 vorgestellt, seine neueste KI nach der Version GPT 5.6. Sie sei das „weltweit intelligenteste Modell“, verkündete OpenAI.
„GPT-6 Astra setzt neue Maßstäbe in Sachen Geschwindigkeit, Genauigkeit und Sicherheit bei der Computernutzung“, teilte OpenAI mit. „Das Modell kann mehrstufige Arbeitsabläufe ausführen, professionell aufbereitete Dokumente, Tabellen und Präsentationen erstellen sowie Websites entwickeln und deren Funktionen testen.“
Greg Brockmann, Mitgründer und Vorsitzender von OpenAI, ging sogar noch weiter. In einer Pressekonferenz erklärte er, dass das neue Modell seiner Meinung nach eines Tages als erster Schritt in Richtung einer Allgemeinen Künstlichen Intelligenz (AGI) angesehen werden werde, berichtet die Nachrichtenagentur „Bloomberg“. Damit meint er Software, die Menschen bei einer Vielzahl von Aufgaben übertrifft.
Bisher stammen die Benchmarks von OpenAI selbst
KI-Experten äußern sich verhalten bis beeindruckt – und warnen auch vor Sicherheitsrisiken. „Astra stellt einen erheblichen Leistungssprung dar, wobei die größten Fortschritte eher im Bereich autonomer Aufgaben liegen als in Konversationen“, sagt Iryna Gurevych, Professorin für Ubiquitous Knowledge Processing an der Technischen Universität Darmstadt, dem „Science Media Center“ (SMC).
Der entscheidende Unterschied zwischen diesen beiden Fähigkeiten bestehe darin, dass das eine ein Tool sei, das Fragen beantworte, und das andere einem Kollegen gleiche, an den man Aufgaben delegieren könne. „Astra entspricht eindeutig dem zweiten Fall: Browser- und Terminalbedienung, eigenständige Softwarearbeit, offensive Sicherheit, Aufgaben, die über mehrere Stunden hinweg ausgeführt werden.“
„Eine skeptische Grundhaltung gegenüber den Astra-Zahlen ist zumindest aktuell noch angebracht“, sagt dagegen Kristian Kersting, Leiter des Fachgebiets Maschinelles Lernen an der TU Darmstadt, gegenüber dem SMC, „da fast alle präsentierten Benchmarks aus internen Tests von OpenAI stammen. Dennoch sind die gezeigten Leistungswerte ohne Frage beeindruckend, selbst wenn es sich eher um eine konsequente Weiterentwicklung als um einen echten Quantensprung handelt.“
Top-Modelle scheitern noch bei komplexen Aufgaben
„Astra reiht sich in eine lange Serie von immer besseren Modellen ein“, sagt Hinrich Schütze, Inhaber des Lehrstuhls für Computerlinguistik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. „Es ist heute wohl das insgesamt fähigste Modell.“ Aber im Gegensatz zum ersten Chat-Modell (ChatGPT) und zum ersten Reasoning-Modell (o1) sei es kein Quantensprung, sondern eine inkrementelle Verbesserung.
Ob OpenAI sich mit dem neuen Modell einer Allgemeinen Künstlichen Intelligenz nähert? „Letztlich ist es eine Definitionsfrage“, sagt Schütze. „Niemand bestreitet, dass KI in manchen Bereichen fähiger ist als fast jeder Mensch. Zum Beispiel darin, Computerprogramme aufgrund klarer Spezifikationen zu erstellen. Und in anderen Bereichen wie dem Ausräumen von Geschirrspülern schlechter.“
„Zunächst einmal fehlt eine einheitliche Definition des Begriffs ‚AGI‘“, kritisiert Anne Lauscher, Professorin für Trustworthy Artificial Intelligence an der Universität Hamburg. Manchmal merke sie, dass ihre Studierenden den Begriff ‚AGI‘ mit dem Begriff ‚General-Purpose AI‘ gleichsetzten, also KI, die vielseitig einsetzbar sei.
„Meines Erachtens verlangt AGI aber mehr: menschliche oder übermenschliche Leistung bei fast jeder Aufgabe und umfassende Transferfähigkeiten zu neuen Problemdomänen.“ In den Tests ihres Teams und denen von Kolleg:innen scheiterten jedoch auch Top-Modelle regelmäßig, zum Beispiel wenn es um komplexe wissenschaftliche Aufgaben gehe. „Ich erwarte, dass GPT-6 Astra sehr gut ist, aber weiterhin Schwächen bei komplexen Aufgaben zeigt.“

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Thorsten Holz, wissenschaftlicher Direktor am Max-Planck-Institut für Sicherheit und Privatsphäre in Bochum, sieht vor allem einen Sprung im Bereich IT-Sicherheit. Die Angaben von OpenAI zu GPT-6 deuteten darauf hin, „dass wir uns einer Schwelle nähern, ab der KI-Systeme nicht nur bekannte Angriffstechniken reproduzieren, sondern zunehmend selbstständig komplexe Schwachstellen analysieren und ausnutzen können.“ Modelle wie Astra könnten einerseits Schwachstellen aufdecken, böten andererseits Missbrauchspotenzial durch Angreifer.
Gary Marcus, emeritierter Professor für Psychologie und Neurowissenschaften der New York University, forderte OpenAI in einem Newsletter gar auf, seine Arbeit an KI zu pausieren. „Die Entscheidung, Astra auf den Markt zu bringen, ist ein deutliches Beispiel dafür, dass das Management von OpenAI bereit ist, Sicherheit zugunsten relativ bescheidener Leistungssteigerungen zu opfern“, schrieb Marcus.
Der gerade veröffentlichte Astra schränkt die Überwachbarkeit der „Chain of Thought“ (CoT) ein – eines der wenigen Instrumente, so Marcus, „die uns zur Verfügung stehen, um zu verhindern, dass generative KI außer Kontrolle gerät.“
„Ich fordere den Kongress auf, Ermittlungen gegen OpenAI einzuleiten, um zu prüfen, ob gegen das Unternehmen möglicherweise bereits jetzt Sanktionen verhängt – oder sogar eine vorübergehende Einstellung seiner Aktivitäten angeordnet – werden müssen“, schrieb Marcus.
OpenAI ist seit der Veröffentlichung des Sprachbots ChatGPT im November 2022 eines der führenden Unternehmen bei der Entwicklung sogenannter großer Sprachmodelle und plant Berichten zufolge bald den Gang an die Börse. GPT-6 dürfte auch wichtig für das Unternehmen sein, um Investoren zu überzeugen.

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