Göttinger Steidl-Verlag verliert Rechte an Günter-Grass-Werken
StartseiteLokalesGöttingenGöttingenStand: 21.07.2026, 18:04 UhrKommentareUns auf Google folgenPrächtige Gesamtausgabe: 2020 veröffentlichte der Steidl-Verlag eine Werkausgabe mit 24 Bänden. Gerhard Steidl nannt...
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Stand: 21.07.2026, 18:04 Uhr
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Der insolvente Göttinger Steidl-Verlag hat die Rechte an den Werken von Literaturnobelpreisträger Günter Grass verloren, meldet der NDR zuerst. Die Günter und Ute Grass-Stiftung kann sie an andere Verlage vergeben.
Göttingen – Jahrzehntelang hatte der zurzeit insolvente Steidl-Verlag in Göttingen die Rechte an den Werken des verstorbenen Literaturnobelpreisträgers Günter Grass inne: Jetzt hat er sie verloren und damit auch künftige Einnahmen daraus. „Die Werksrechte liegen nicht mehr beim Steidl-Verlag, sondern bei der Günter und Ute Grass-Stiftung“, meldete der NDR am Dienstag, 21. Juli, zuerst. Die Stiftung mit Sitz in Lübeck habe das bestätigt, heißt es in einem Hörfunk-Beitrag.
Die Rechte am Grass-Werk sind nun vakant. Andere Verlage könnten über die Stiftung diese erwerben, heißt es in dem NDR-Beitrag. Klar ist: Interessenten wird es geben, denn die weltweiten Rechte waren schon für den Steidl-Verlag seit Jahrzehnten eine sichere Einnahmequelle. Zumal 2027 ein Grass-Jahr sein wird: Günter Grass wäre dann 100 Jahre alt geworden. Auch im Hause Steidl laufen dafür schon Vorbereitungen – bis hin zu einer Ausstellung. Sicher verbunden wären damit auch gesteigerte Einnahmen aus den Verkäufen gewesen. Folglich ist der Rechte-Verlust aus Sicht Steidls bitter.

Seit 1993 verfügte Gerhard Steidl über die weltweiten Rechte am Grass-Werk, das nicht nur Bücher, sondern auch Zeichnungen und Drucke umfasst. Folglich profitierte der Steidl-Verlag auch von Ehrungen sowie Skandalen, die sich um Grass und dessen Werke drehten, auch von der Literaturnobelpreis-Vergabe 1999 und dem weltweit beachteten Tod von Grass im April 2015. Die Uni Göttingen mit der damaligen Präsidentin Ulrike Beisiegel und Gerhard Steidl gründeten 2018 eine Treuhandstiftung zur Verwaltung des Günter Grass Archivs in Göttingen.
Steidl nannte Grass zwar nicht einen Freund, aber es sei eine hochintensive wie vertrauliche Arbeitsbeziehung gewesen. Steidl und Grass trafen sich entweder in dessen Haus oder im Verlag in Göttingen an der Düsteren Straße – besonders wenn es um Druckprozesse ging. Gerd Steidl gilt weltweit als exzellenter Drucker und Kurator von Ausstellungen. Seine Fotobücher auch mit Fotografen wie William Kentridge, Douglas Kirkland oder Bryan Adams sind von herausragender Qualität.
Nach dem Tod von Günter Grass sanierte Steidl ein Baudenkmal an der Düsteren Straße und machte es zum Günter Grass Archiv. Kürzlich sagte er in einem Gespräch mit unserer Zeitung, dass es 2027 für Grass-Ausstellungen genutzt werden soll.