Gewerbelärm raubt Anwohner den Schlaf – selbst bei Hitzewelle bleibt nachts das Fenster zu

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Gewerbelärm raubt Anwohner den Schlaf – selbst bei Hitzewelle bleibt nachts das Fenster zu

Stand: 15.07.2026, 06:00 Uhr

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Das Geräusch, das Ingo Hiepler in den Wahnsinn treibt, soll von dem Dach des Bio-Rad-Gebäudes kommen. Auf dem 140 Meter entfernten Grundstück des Anwohners ist ein deutlicher Ton zu hören.

Das Geräusch, das Ingo Hiepler in den Wahnsinn treibt, soll von dem Dach des Bio-Rad-Gebäudes kommen. Auf dem 140 Meter entfernten Grundstück des Anwohners ist ein deutlicher Ton zu hören. © Privat

Seit März 2025 hört Ingo Hiepler ein permanentes Rauschen auf seinem Grundstück in Dreieichenhain. Die Quelle soll 140 Meter entfernt auf dem Dach eines Industriegebäudes liegen.

Dreieichenhain – Ingo und Claudia Hiepler schlafen mit geschlossenem Fenster. Selbst während der jüngsten Hitzewelle, als sich die Häuser tagsüber bei Temperaturen von bis zu 40 Grad aufheizten, ließen sie nachts keine kühlende Luft ins Schlafzimmer. Der Grund: ein Geräusch, das permanent auf dem Grundstück des Ehepaares zu hören ist – und Ingo Hiepler in den Wahnsinn treibt.

Im März vergangenen Jahres fing alles an. „Ich habe zu Hause gesessen und gedacht: ,Was ist das auf einmal für ein Geräusch?‘“, erinnert sich Ingo Hiepler. Der Unternehmensberater, der im IT-Bereich tätig ist, beschreibt den Ton als ein ständiges Rauschen, dem in regelmäßigen Abständen ein Rattern oder Brummen beigemischt wird. „Ich nehme das Geräusch permanent wahr“, sagt er. „Gerade am Wochenende, wenn man mal draußen ist, dann ist da diese ständige Beschallung.“ Auch beim Fernsehen und bei Videokonferenzen im Haus sei der Ton zu hören, sagt Hiepler, der von zu Hause arbeitet, und fügt hinzu: „Nachts ist es am schlimmsten. Ich konnte zeitweise nicht mehr einschlafen.“

Gewerbelärm in Dreieich: „Das ist kein nachbarschaftlicher Umgang“

Bei einem Besuch bei Familie Hiepler an einem Montag um 17 Uhr ist das Geräusch deutlich zu hören – sowohl auf der Terrasse als auch bei geöffnetem Fenster im Innenbereich. Immer wieder ändert sich der Ton, wird mal lauter und mal leiser, mal sanfter und mal unruhiger. Hiepler, der sich als Lärmschutzbeauftragter im Flugsportverein Dreieich engagiert, zeigt Aufzeichnungen von eigenen Pegelmessungen, von denen er sagt, dass er sie nachts auf seinem Grundstück bei ansonsten völliger Ruhe gemacht habe. „Minimum waren es 44,1 Dezibel“, sagt er. Diese Lautstärke gilt als ungefährlich – kann aber zu Konzentrationsstörungen führen. Die gemessene Lärmspitze habe bei 50,3 Dezibel gelegen, was in etwa einem leise aufgedrehten Radio entspricht. „Wir haben ein Haus direkt an der Bahnschiene gekauft und sind Lärm eigentlich gewohnt“, sagt Ingo Hiepler. An die vorbeifahrenden Züge habe er sich schnell gewöhnt – an das nächtliche Rauschen aber nicht.

Als Verursacher des Lärms habe Hiepler eine Klimaanlage auf dem Dach eines naheliegenden Industriegebäudes der Firma Bio-Rad ausgemacht. Das Gebäude liegt 140 Meter vom Haus des Paares entfernt. Der Anwohner vermutet, dass die Anlage nach vielen Jahren im Einsatz Verschleißerscheinungen aufweist, die zu dem plötzlichen Anstieg der Lautstärke führten. Im Juli 2025 habe sich Hiepler erstmals an das Unternehmen gewandt, um das Problem zu lösen – ohne Erfolg. „Von da an war es einfach nicht schön“, sagt der Anwohner. „Es hat keinen Rückruf gegeben und Mails wurden nicht beantwortet. Das ist kein nachbarschaftlicher Umgang.“

Bei einem Telefonat mit einem Vertreter des Gebäude-Management-Unternehmens Apleona, das für das Industriegebäude zuständig ist, sei dem Anwohner gesagt worden, dass Reparaturarbeiten an der Klimaanlage stattgefunden hätten, um die Lautstärke zu senken. Ingo Hiepler habe auf seinem Grundstück jedoch keinen Unterschied festgestellt. Auf Nachfrage unserer Zeitung verwies die Apleona GmbH auf die Bio-Rad-Geschäftsführung als zuständigen Ansprechpartner. Diese wollte sich zu dem Thema allerdings nicht äußern.

Dreieich: Gemessene Werte knapp unter Lärmgrenze

Offiziell zuständig für Gewerbelärm in Dreieich ist das Regierungspräsidium Darmstadt. Ein Sprecher teilt auf Nachfrage mit, dass die erlaubte Grenze für durchgängigen Gewerbelärm in sogenannten Mischgebieten, in denen die Nutzungsarten Industrie und Wohnen gleichberechtigt nebeneinanderstehen, nachts bei 45 Dezibel liegt. Aus dem regionalen Flächennutzungsplan geht hervor, dass die Hieplers in einem solchen Gebiet leben. Die privat gemessenen Werte liegen also knapp im erlaubten Bereich.

An der Situation von Ingo und Claudia Hiepler ändert diese Tatsache wenig. „Wir haben tatsächlich schon darüber nachgedacht, das Haus zu verkaufen“, sagt Ingo Hiepler, fügt dann aber hinzu: „Wir haben uns hier etwas Schönes aufgebaut. Warum sollen wir das aufgeben?“ Er will nun weitere Schritte prüfen, um das Problem zu lösen, das ihm seinen Schlaf raubt.