Traditionsfabrik Tullau Pappen nach fast 150 Jahren insolvent

Kartons für Gesellschaftsspiele oder Puzzleteile: Der schwäbische Hidden Champion beliefert namhafte Kunden aus unterschiedlichsten Branchen. Nun muss der Pappenhersteller durch ein Insolvenzverfahren.

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Traditionsfabrik Tullau Pappen nach fast 150 Jahren insolvent

In seiner langen Geschichte hat das Familienunternehmen Tullau Pappen aus Rosengarten bei Schwäbisch Hall schwere Krisen überstanden. Doch nun hat die hinter dem alteingesessenen Pappenhersteller stehende Karl Kurz GmbH & Co. KG die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Die energiehungrige Papier- und Pappbranche leidet unter hohen Kosten für Strom und Gas. Erschwerend kommt die schwache Konjunktur hinzu.

Das Amtsgericht Heilbronn bestellte laut einer Bekanntmachung von Anfang September den Rechtsanwalt Tibor Braun von der Stuttgarter Kanzlei IKB zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Laut Braun läuft der Geschäftsbetrieb weiter. „Ziel ist, den Betrieb zu erhalten und einen Investor zu finden“, sagt Braun auf Anfrage der F.A.Z. Die 46 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien Ende vergangener Woche informiert worden. Er geht davon aus, dass das vorläufige Insolvenzverfahren bis Ende Oktober dauern dürfte. Die Einkommen der Mitarbeiter seien über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit gesichert.

Die Pappenfabrik Tullau wurde laut Firmenwebseite im Jahr 1878 gegründet und befindet sich seither in Familienbesitz. Im Jahr 2003 wurde das 125. Firmenjubiläum gefeiert. Die Ursprünge des Familienbetriebs gehen auf eine sogar schon im 15. Jahrhundert betriebene Wassermühle nahe des Flusses Kocher zurück. Heute gehören zu dem von der Familie Kurz betriebenen Unternehmen zwei Werke, eines in Rosengarten-Tullau an der Kocher und das andere in Trauchgau unweit des Forggensees.

Das Unternehmen beliefert namhafte Kunden

Unter den Kunden sind namhafte Großunternehmen. Die vielseitigen und hochwertigen Pappen werden nicht nur von der Verpackungsindustrie nachgefragt. Sie werden auch zu Kartons für Gesellschaftsspiele oder zu Puzzleteilen verarbeitet. Das Unternehmen genießt laut Insolvenzverwalter Braun einen sehr guten Ruf, zudem sei die Motivation der Mitarbeiter nach wie vor hoch.

Gegründet wenige Jahre nach der Gründung des Deutschen Kaiserreichs hat das Unternehmen schwere Krisen überstanden. Wegen der Weltwirtschaftskrise verkaufte der Gründer Christian Räuchele den Betrieb in den 1930er-Jahren an seinen Schwiegersohn Karl Kurz. Dieser vereinigte die Pappenfabrik mit einem von ihm aufgebauten Elektrizitätswerk. Seit 1911 waren die Maschinen mit einer Voith-Wasserturbine mit 40 PS angetrieben worden.

Diese Meilensteine in der Firmenchronik unterstreichen die Bedeutung der Energieversorgung für die Herstellung von Papier und Pappe. Im Jahr 2013 erfolgte der Neubau einer Erdgasanbindung zur strategischen Erneuerung der Energieversorgung des Standorts Tullau. Die Versorgung der deutschen Wirtschaft mit Erdgas ist deutlich unsicherer und teurer geworden, seit Russland die Gaslieferungen 2022 wegen des Ukrainekriegs gestoppt hat. Für energieintensive Unternehmen ist das eine große Belastung.