Ganz spät, aber doch: So viele Last-Minute-Entscheidungen wie noch nie
Liegt es an den vielen Klassespielern, die auf den Ersatzbänken dieser WM nur darauf warten, endlich ihre Qualität zeigen zu können? Oder liegt es an der Hydration Break, die als zusätzliche Pause noch mehr Ene...
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Liegt es an den vielen Klassespielern, die auf den Ersatzbänken dieser WM nur darauf warten, endlich ihre Qualität zeigen zu können? Oder liegt es an der Hydration Break, die als zusätzliche Pause noch mehr Energie für das Finish übriglässt?
Fest steht, dass die Trainer mehr Möglichkeiten haben, direkt auf die Partie einzuwirken, und ihre fünf erlaubten Spielerwechsel auch sehr gerne ausnutzen.
Das Ergebnis: Es gibt so viele WM-Spiele wie noch nie, die ganz am Ende entschieden werden. Auffallend oft für den jeweiligen Favoriten, der doch noch ein wichtiges Tor bejubeln darf.

Spezialist Merino
Das extremste Beispiel ist Spanien, in Person von Mikel Merino.
Der zentrale Mittelfeldspieler wurde am Freitag beim Stand von 1:1 gegen Belgien in der 86. Minute eingewechselt. Der Arsenal-Allrounder leitete den Angriff selbst ein, ärgerte sich nach einem Sprint in den Strafraum über den ausgebliebenen Lochpass, stand aber somit perfekt, um nach dem Tormann-Patzer per Abstauber Spanien in das Traum-Habfinale gegen Frankreich zu schießen (88.).
Schon wieder Mikel Merino, der bereits gegen Portugal in Minute 91 das 1:0 erzielt hatte. Der 30-Jährige hat somit als erster Spieler der WM-Geschichte zwei K.-o.-Duelle als Joker entschieden.
Spaniens Zeitung AS rechnet zusammen: „Zwei Minuten Merino sind eine ganze Menge.“
Spanische Serie
Spanien baut auf eine unglaubliche Serie. Der Startpunkt war das emotionale 2:1 durch – natürlich – Merino in Minute 119 im EM-Viertelfinale 2024 gegen Deutschland (Handspiel von Cucurella!). Seither haben die Iberer von sechs K.-o.-Spielen bei den großen Turnieren vier durch ganz späte Tore gewonnen. Drei Mal jubelte Merino, beim EM-Finale gegen England war Oyarzabal in Minute 86 das Goldtor zum 2:1 gelungen.
Lediglich im EM-Halbfinale gegen Frankreich (2:1) fielen die entscheidenden Treffer bereits in Hälfte eins. Im WM-Sechzehntelfinale gegen Österreich wurde zwar spät das 3:0 bejubelt, aber entschieden war das Spiel schon davor.
Aber auch Österreich hatte in den USA bekanntlich einen „Bist du deppat“-Moment: Joker Sasa Kalajdzic köpfelte in Minute 96 zum 3:3 gegen Algerien.

Von Deutschlands Undav gegen die Ivorer (2:1 in Minute 94), bis zum Türken Ayhan in Minute 98 (3:2 gegen USA) – in der WM-Vorrunde fielen sieben bedeutende Last-Minute-Treffer.
Und seither steigt die Quote noch weiter: Von Englands Goalgetter Kane gegen Kongo (2:1 in Minute 86), über Kanadas Eustaquio gegen Südafrika (1:0 in Minute 92), bis zu Brasiliens Martinelli zum 2:1 gegen Japan (96.) – ganz am Schluss wird nochmals aufgedreht, Verlängerungen dürften bei den jeweiligen Favoriten äußerst unbeliebt sein.

Argentiniens langer Atem
Am spektakulärsten war das im Achtelfinale von Argentinien zu sehen. Gerade erst in ein 2:2 gegen Ägypten gerettet, legte Enzo Fernandez per Kopf noch einen nach. Das 3:2 in der 93. Minute war bereits das sechste Tor des Titelverteidigers in der Schlussviertelstunde der regulären Spielzeit.
Gegen Kap Verde ging es in die Verlängerung, erst nach 111 Minuten war mit dem 3:2 ein Elfmeterschießen verhindert worden.
Das späteste Tor der WM-Geschichte wurde passenderweise auch bei dieser Endrunde der Last-Minute-Treffer bejubelt: Tielemans schoss Belgien im Sechzehntelfinale gegen Senegal nach 125 Minuten zum 3:2-Sieg.
Insgesamt wurden von den ersten 26 K.-o.-Duellen ganze zehn erst in der Schlussphase entschieden.
kurier.at | 11.07.2026, 18:45