Fraunhofer-Institut: Richtfest nach nur 14 Monaten – Söder stichelt gegen Stadt
In Penzberg wurde das Richtfest für den Neubau des Fraunhofer-Instituts gefeiert. Ministerpräsident Söder erinnerte daran, dass Bund und Roche leichter zu überzeugen waren als die Stadt selbst.
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Stand: 15.07.2026, 06:00 Uhr
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In Penzberg wurde das Richtfest für den Neubau des Fraunhofer-Instituts gefeiert. Ministerpräsident Söder erinnerte daran, dass Bund und Roche leichter zu überzeugen waren als die Stadt selbst.
Penzberg – Der Rohbau des neuen Gebäudes direkt gegenüber des Penzberger Druckhauses steht, in den kommenden Wochen soll die Fassade montiert werden. Für ein Projekt dieser Größenordnung – auf 9000 Quadratmeter Grundstück entsteht gerade ein fünfstöckiges Gebäude mit 1150 Quadratmetern Nutzfläche – ein beachtlicher Fortschritt, den Markus Blume, Staatsminister für Kultur und Wissenschaft, ironisch kommentierte: „Wenn Sie hier fertig sind“, sagte er an die Verantwortlichen des Fraunhofer-Instituts gewandt, „hätten wir noch mehr Baustellen in Bayern, die beschleunigt werden könnten.“

Blume gehörte zu einer ganzen Phalanx von Spitzenpolitikern, die zum Richtfest erschienen waren. Neben Ministerpräsident Markus Söder und Bundesinnenminister Alexander Dobrindt waren auch die Staatsminister Hubert Aiwanger, Blume und Vertreter des Bundeswirtschaftsministeriums gekommen. Dazu noch Vertreter der LMU in München, mit denen das IIP später eng kooperieren soll. Da rückten Landrat Johann Bertl und Penzbergs Bürgermeister Thomas Kopf ausnahmsweise in die zweite Reihe.
Der Andrang der Politik lässt sich auch dadurch erklären, dass Bund und Freistaat insgesamt 21 Millionen Euro in den Neubau investieren. PD Dr. Andreas Wieser, stellvertretender Standortleiter Penzberg/München des Fraunhofer-Instituts, berichtete, dass alles im Frühjahr 2028 bezugsfertig sein soll – der Innenausbau sei „recht aufwändig“. Dann soll auch ein zweites, kleineres Gebäude auf dem Gelände des heutigen Parkplatzes fertiggestellt sein, so Wieser.
Aus der Forschung schnell zum Patienten
Was wird da eigentlich genau im neuen Gebäude erforscht? Sorgen, dass da mit aggressiven Ebola-Erregern hantiert werde, müsse man sich nicht machen, versprach Wieser. Das Fraunhofer-Institut soll vielmehr für „Skalierungseffekte“ sorgen. Wenn man etwas aus der Corona-Pandemie gelernt hat, dann, dass die besten wissenschaftlichen Ergebnisse wenig nutzen, wenn sie nicht schnell in Produkte münden, die der Bevölkerung zugänglich gemacht werden.
Und genau hier soll das neue Institut ansetzen. Es soll Erkenntnisse, die die medizinische Spitzenforschung unter anderem an der LMU gewonnen hat, in die Wirtschaft tragen, die daraus konkrete Produkte entwickelt. Das Institut ist dabei das Verbindungsglied. Mit Roche in direkter Nachbarschaft seien die Möglichkeiten ideal, wurde immer betont. So könnten, sollte jemals wieder eine Pandemie ausbrechen, binnen kürzester Zeit beispielsweise Schnelltests oder Impfungen entwickelt und produziert werden. Das IIP ist dabei auf zwei Standorte verteilt: In Großhadern wird patientennah gearbeitet, in Penzberg künftig vor allem die Kooperation mit Roche und anderen Wirtschaftsbetrieben forciert.
Seitenhiebe in Richtung Stadtpolitik: „Stand spitz auf Knopf“
Die Vorteile, die mit dem Neubau in Penzberg verbunden sind, sind also groß. Was Ministerpräsident Markus Söder zur Bemerkung veranlasste, dass „Bund und Roche leichter zu überzeugen waren, als alle hier vor Ort in Penzberg“. Die Stadt hatte damals einen Erbpachtvertrag mit dem Fraunhofer-Institut abgelehnt und einen Grundstückskauf gefordert. „Da bin ich dann gemeinsam mit Alexander Dobrindt extra nach Penzberg gefahren, um Überzeugungsarbeit zu leisten“, so Söder. Er dankte der Stadt für ihr Einlenken, als es „spitz auf Knopf stand“ und das Projekt zu scheitern drohte, wie Institutsleiter Prof. Gernd Geisslinger in seinem Grußwort meinte.