Leihmutterschaft Schweiz: Politiker fordern Legalisierungsdebatte nach Fall Spahn
Darum gehtsCDU-Politiker Jens Spahn trat als Fraktionsvorsitzender zurück, nachdem bekannt wurde, dass er und sein Partner eine Leihmutter in den USA in Anspruch nahmen.In der Schweiz ist Leihmutterschaft verbo...
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Darum gehts
- CDU-Politiker Jens Spahn trat als Fraktionsvorsitzender zurück, nachdem bekannt wurde, dass er und sein Partner eine Leihmutter in den USA in Anspruch nahmen.
- In der Schweiz ist Leihmutterschaft verboten – doch FDP-, GLP- und Grünen-Nationalräte verlangen nun eine Legalisierungsdebatte.
- SVP-Nationalrätin Nina Fehr Düsel hingegen wehrt sich deutlich gegen eine Auflockerung des Verbots.
Das eine sagen, das Gegenteil tun: CDU-Politiker Jens Spahn geriet in die Kritik, nachdem er und sein Partner ihr Kind von einer Leihmutter in den USA austragen liessen – obwohl sich Spahn in seiner politischen Rolle öffentlich gegen Leihmutterschaften aussprach.
Der Vorfall, der in Spahns Rücktritt endete, sorgte zum einen für eine Diskussion über Doppelmoral in der Politik, zum anderen rückte er aber auch die Debatte um die Leihmutterschaft wieder in den Fokus – auch in der Schweiz.
In der Schweiz ist die Leihmutterschaft – wie in Deutschland – verboten. Einige Parlamentarier wollen nun jedoch die Diskussion über eine Lockerung der heute geltenden Vorschriften vorantreiben.
«Braucht eine Legalisierung der Leihmutterschaft»
So etwa FDP-Nationalrat Hans-Peter Portmann: Zwar habe er «persönlich einige Vorbehalte» zum Thema Leihmutterschaft, wie er gegenüber 20 Minuten erklärt. «Ich anerkenne aber, dass viele Menschen mit dieser Lösung ihren Kinderwunsch erfüllen möchten», so Portmann.

Der Gesetzgeber solle dabei nicht «den Moralapostel spielen» und Hilfesuchende «ins Ausland verdrängen». Er fordert deshalb: «Wir müssen die politische Debatte dazu aufnehmen und es braucht eine Legalisierung der Leihmutterschaft.»
Zum Fall Spahn sagt Portmann, dass es in der Politik Persönlichkeiten brauche, die fähig seien, ihre Positionen zugunsten der Bevölkerung auch korrigieren zu können. «Das muss man aber öffentlich transparent machen, und nicht hinten durch etwas anderes tun als was man vorne durch vertritt», kritisiert der FDP-Mann.
«Muss sich mit Frage beschäftigen, bevor man Menschen ins Ausland zwingt»
Auch GLP-Nationalrat Patrick Hässig übt scharfe Kritik am CDU-Politiker: Jens Spahn spiele ein «politisch unredliches Spiel», so der Parlamentarier. «Im eigenen Land den Menschen etwas verbieten wollen, was man dann aber im Ausland trotzdem macht, geht nicht.»

Selbst befürworte Hässig die Leihmutterschaft – allerdings nur auf nichtkommerzieller Basis. «Es ist eine gesellschaftliche Tatsache und es ist besser, man beschäftigt sich mit dieser Frage im eigenen Land, bevor man diese Menschen ins Ausland zwingt», argumentiert der GLP-Mann. Dort habe man die gesetzlichen Rahmenbedingungen dann nicht in der Hand.
In der Schweiz brauche es gesetzliche Regelungen, um einen klaren rechtlichen Rahmen zu schaffen – «der sowohl die Rechte der Leihmütter, der Eltern und vor allem des Kindes ins Zentrum stellt», so Hässig. Zudem müssten ethische Aspekte in die Diskussion einbezogen werden, um eine verantwortungsvolle Praxis zu gewährleisten.
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«Altruistische Form der Leihmutterschaft muss diskutiert werden»
Manchmal stimmten politische Forderungen und private Entscheide nicht überein, sagt Grünen-Nationalrat Michael Töngi auf den Fall Spahn angesprochen. Aber: «Die Leihmutterschaft politisch abzulehnen, privat aber in Anspruch zu nehmen, das ist ein zu grosser Spagat», kritisiert der Luzerner.

Für den Grünen-Mann sei das Thema Leihmutterschaft eine «ethisch komplexe» Frage. «Da in der Praxis Leihmutterschaften existieren, aber ins Ausland ausgelagert werden, braucht es eine Diskussion», fordert er. Neben den kommerziellen Leihmutterschaften gäbe es auch eine altruistische Form. Diese solle verhindern, dass Frauen die Leihmutterschaft aus finanziellen Gründen anbieten. «Diese Form muss in Ruhe diskutiert werden – dazu braucht es Zeit», so Töngi.
Was denkst du über die Möglichkeit, dass Paare mit unerfülltem Kinderwunsch eine Leihmutterschaft in Anspruch nehmen können?
Ich finde es gut, wenn es Paaren hilft, ihren Kinderwunsch zu erfüllen.
Ich habe Bedenken, besonders was die Rolle der Leihmutter angeht.
Es sollte nur unter strengen Auflagen und nicht kommerziell möglich sein.
Ich finde es problematisch und sollte verboten bleiben.
Ich habe mir dazu noch keine abschliessende Meinung gebildet.
«Leihmutterschaften sollen auf jeden Fall verboten bleiben»
Eine Legalisierung von Leihmutterschaften dürfte im Parlament auf Widerstand treffen. SVP-Nationalrätin Nina Fehr Düsel positioniert sich deutlich: «Leihmutterschaft sollte auch in der Schweiz auf jeden Fall verboten bleiben», sagt sie und fordert schärfere Massnahmen. «Lieber sollte man möglichst anstreben, es auch im Ausland besser zu kontrollieren oder zu verbieten.»
Der Schutz der Frau stehe im Vordergrund: «Es besteht die Sorge, dass Frauen aus finanziellen Notlagen als Mittel zum Zweck missbraucht werden und ihren Körper sowie ihr Kind verkaufen», so Fehr Düsel. Ausserdem sollten der menschliche Körper und die Fortpflanzung nicht Gegenstand «eines finanziellen Handels, von Verträgen und von Ausbeutung sein».

Fehr Düsel betont auch das Kindeswohl, denn das Kind habe ein Recht auf die eigene Abstammung. «Wo gehört das Kind am Schluss hin? Dies sehe ich als Juristin und Mutter sehr kritisch», erklärt die SVP-Politikerin. Sie verweist auf die Adoption für Pärchen mit Kinderwunsch, die keinen Nachwuchs bekommen können. «Die Kinder, die schon auf der Welt sind, sind froh um einen guten Platz.»
In Spahns Fall zeige sich für Fehr Düsel «klar eine Doppelmoral»: Man könne nicht politisch etwas fordern und verbieten, für sich selbst gelte dann aber – weil man Macht, Beziehungen oder Geld hat – etwas anderes. «Das ist unglaubwürdig», kritisiert die Zürcherin und befürwortet, dass Spahns Handeln politische Konsequenzen hatte.

Christina Pirskanen (pir) arbeitet seit 2022 für 20 Minuten. Sie ist seit Januar 2026 stv. Leiterin des Ressorts Politik.