Forscher melden beeindruckenden Fund in beliebtem Urlaubsort – ein Detail sticht hervor
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Stand: 11.07.2026, 18:59 Uhr
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Archäologen haben in der picenischen Nekropole am Monte Conero einen fürstlichen Grabkomplex aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. entdeckt.
Sirolo – Wer an der italienischen Adriaküste nach Spuren vergangener Hochkulturen sucht, wird in den Marken fündig. Die Region war einst Kernland der Picener, eines Volkes, das zwischen dem 9. und dem 3. Jahrhundert vor Christus eine eigenständige Zivilisation mit ausgeprägten Handelsverbindungen und einer kriegerischen Aristokratie aufbaute. Ihre Nekropolen gelten bis heute als Schlüssel zum Verständnis des vorrömischen Italiens – und liefern immer wieder Funde, die das bisherige Bild dieser Gesellschaft grundlegend verändern.

Genau das ist jetzt erneut geschehen. Bei archäologischen Voruntersuchungen im Gemeindegebiet von Sirolo, am Fuß des Monte Conero, hat ein Team der Soprintendenza Archeologia, Belle Arti e Paesaggio gemeinsam mit der Grabungsfirma ArcheoLab einen monumentalen Grabkomplex aus dem 6. Jahrhundert vor Christus freigelegt. Die Befunde, die am 1. Juli 2026 auf einer Pressekonferenz vorgestellt wurden, werden von Fachleuten als außergewöhnlich eingestuft.
Spektakulärer Fund: Fürstengrab am Conero wirft neues Licht auf antike Eliten
Im Zentrum des neu entdeckten Kreismonuments liegt eine männliche Hauptbestattung, die nach Einschätzung der Ausgräber einem Fürsten zuzuordnen ist. Mit ihr begraben wurde ein currus. Dabei handelt es sich um einen zweirädrigen Streitwagen, der offenbar vollständig und unzerlegt in die Grabgrube gelegt worden war. Beigegeben waren zudem ein Helm, eine Axt sowie weitere Angriffswaffen, heißt es in einer Pressemitteilung.
Einige Objekte, die noch in Restaurierung und wissenschaftlicher Auswertung sind, deuten nach Angaben der Soprintendenza auf Herrschaftssymbole hin, die im Piceno bisher kaum dokumentiert wurden. Besonders diskutiert wird derzeit ein möglicherweise identifizierter lituo. Dieser gebogene Ritualstab ist hauptsächlich aus etruskischen Darstellungen bekannt und könnte auf eine priesterlich-politische Funktion des Bestatteten hinweisen.
2020 war in der Via del Leccio in Sirolo das sogenannte Kriegergrab entdeckt worden. Die Bestattung galt damals als Einzelfund. Der Tote war mit Helm, Lanze, Langschwert und Dolch bestattet worden; sein Grabinventar enthielt außerdem eine bronzene Weinkanne griechisch-etruskischer Tradition sowie einen seltenen diphros, einen klappbaren Hocker als exklusives Herrschaftszeichen. Wie die neue Ausgrabung zeigt, war diese Bestattung kein isoliertes Grab, sondern Teil eines weitaus größeren Familiengrabbereichs, der sich um das zentrale Fürstengrab organisierte.
Holzpalisade markiert die Grenze zwischen den Welten – und ist in ganz Italien einmalig
Das vielleicht auffälligste Detail des neuen Komplexes ist jedoch architektonischer Natur. Bislang waren die großen Kreismonumente der picenischen Nekropolen stets durch einen Ringgraben mit V-förmigem Querschnitt begrenzt. Diese Struktur markierte den symbolischen Übergang zwischen der Welt der Lebenden und jener der Toten.
In Sirolo fehlt dieser Graben vollständig. Stattdessen belegen regelmäßig angeordnete Pfostenlöcher, auf deren Grund sich ausgewählte Keramikfragmente fanden, dass das Monument von einer hölzernen Ringpalisade eingefasst war. Diese Lösung ist für das vorrömische Piceno bisher ohne Parallele und könnte, wenn die laufenden Analysen die Interpretation bestätigen, das Verständnis der funerären Architektur dieser Kultur grundlegend neu ordnen.
Frauengrab mit Bernsteinspange gibt Einblick in das Leben picenischer Aristokratinnen
Unmittelbar neben der Fürstenbestattung lag ein Frauengrab. Zahlreiche Fibeln waren noch in anatomisch originaler Position auf dem Körper der Bestatteten angebracht – an Brust, Schultern, Becken und Füßen. Reste von Textilien, Schuhwerk mit metallischen Elementen und Schmuckteile vervollständigen das Bild einer Frau von hohem Stand. Besondere Aufmerksamkeit gilt einer großen Fibel mit Bernsteinkern, die jenseits des Kopfes deponiert war und möglicherweise zu einem Kopfschmuck oder einer aufwändigen Frisur gehörte.
Weitere Funde aus dem Streitwagengrab ergänzen das Bild des Bestattungsrituals: Große Bronzebehälter, mit Keramikdeckeln verschlossen, enthielten noch organisches Material, Keramiksplitter und Tierknochen. Die Forscher gehen davon aus, dass es sich entweder um Reste eines Leichenschmauses handelt oder um Speiseopfer für die Reise des Verstorbenen ins Jenseits.
„Die Monumentalität des Komplexes, die Qualität der Beigaben und einige noch in Bearbeitung befindliche Funde zeichnen das Bild von Führungsgruppen, die in ein dichtes Netz von Beziehungen eingebunden waren, das die mittlere Adriaküste mit den wichtigsten Zentren Mittelitaliens verband“, bilanziert Grabungsleiter Stefano Finocchi. (Quellen: Paese Italia Press, Soprintendenza Archeologia Belle Arti e paesaggio) (jaka)