Kelkheim nach Femizid unter Schock - Bürgermeister: "Wacher auf die Mitbürger achten"
Drei Tage nach dem Femizid in Kelkheim berichtet Bürgermeister Kündiger über eine Stadt im Schock. Er lobte den Mut dreier Männer, die einschritten. Besonders betroffen mache, dass Kinder und Jugendliche die Tat mit ansehen mussten. Eine Lehre der Tat solle sein, achtsamer auf seine Mitbürger zu achten.
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Kelkheim unter Schock Nach Femizid auf offener Straße - Bürgermeister: "Wacher auf die Mitbürger achten"
Drei Tage nach dem Femizid in Kelkheim berichtet Bürgermeister Kündiger über eine Stadt im Schock. Er lobte den Mut dreier Männer, die einschritten. Besonders betroffen mache, dass Kinder und Jugendliche die Tat mit ansehen mussten. Eine Lehre der Tat solle sein, achtsamer auf seine Mitbürger zu achten.
Am Kelkheimer Marktplatz werden Blumen und Kerzen niedergelegt. Bild © picture alliance/dpa | Andreas Arnold
"Die Stadt steht unter Schock. Es gibt nur ein Thema unter den Bürgern", sagte Kelkheims Bürgermeister Albrecht Kündiger (UKW) am Freitag nach der Bluttat gegen eine 58-Jährige. Die Frau war am Dienstagabend nahe des Marktplatzes mutmaßlich von ihrem Ehemann mit einer Machete angegriffen worden - sie starb noch am Tatort.
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02:14 Min.|17.07.26, 19:30 Uhr|hr
Kelkheim nach Femizid unter Schock
Bild © hr
"Das Opfer hatte in Kelkheim seinen Arbeitsplatz an verschiedenen Stellen, und ganz viele Mitbürger kannten und kennen die Familie", so Kündiger. Menschen hätten ihm Bilder gezeigt von der Familie: "Es sind Kelkheimer Mitbürger", sagte der Bürgermeister.
Kinder und Jugendliche unter den Augenzeugen
Die Tat geschah zu einer belebten Uhrzeit in der Nähe des Marktplatzes. "Fast 30, möglicherweise noch mehr Augenzeugen mussten diese Tat mit ansehen", sagte Kündiger. "Das Schlimme ist, und das macht uns besonders betroffen, unter diesen Augenzeugen sind auch zahlreiche Jugendliche und Kinder."
Das Opfer sei aus einem Wohnhaus "herausgestürzt", sagte Kündiger. Die 58-jährige Frau habe es dann noch über die befahrene Frankfurter Straße geschafft, auf der anderen Seite habe der Täter sie dann eingeholt.
Zitat
Mit unglaublichem Mut und Zivilcourage haben sie den Täter überwältigt.Zitat EndeZitat von Albrecht Kündiger, Kelkheims Bürgermeister über drei Zeugen.
Drei Zeugen im Alter von 17, 28 und 32 Jahren hätten "noch versucht, in die Tat einzugreifen", sagte der Bürgermeister. "Das ging nicht aufgrund der Waffe, die der Täter in der Hand hatte. Aber dann, mit unglaublichem Mut und Zivilcourage, haben sie den Täter überwältigt", sagte der Bürgermeister.
Stadt will mutige Augenzeugen ehren
"Den Mut, den sie dort bewiesen haben, dass sie den Täter festgehalten haben, dass sie noch versucht haben, die Tat zu verhindern, was nicht zu verhindern war, das ist unglaublich", sagte der Bürgermeister. Die Stadt habe fest vor, die drei mutigen Eingreifer zu ehren, "in welcher Form auch immer".
Der Bürgemeister bedankte sich auch bei den Rettungskräfte "bei diesem außergewähnlichen Ereignis". Kündiger sagte: "Die Rettungskette hat funktioniert, Polizei und Rettungsdienste waren in kürzester Zeit vor Ort." Die Augenzeugen wurden sehr gut betreut. Doch auch für die Einsatzkräfte und Helfer hätten sich schreckliche Bilder eingeprägt: "Auch um sie müssen wir uns kümmern."
Der Erste Stadtrat Dirk Hofmann (CDU) sagte, er frage sich, ob die Augenzeugen jemals in der Lage sein werden, wieder unbeschwert über den Markplatz zu laufen. "Wenn man diese Bilder sieht, junge Menschen, die hochgradig traumatisiert sind und man fragt sich, wenn man selbst schon davon geschockt ist, wie muss es diesen Menschen gehen, die das wirklich als Augenzeuge verfolgen konnte."
Mann hatte angedroht, Frau zu töten
Zu der Bluttat kam es am Dienstagabend. Ein 60-Jähriger soll seiner 58-jährige Ehefrau mit einer Machete "mindestens 30 abgrenzbare Stich- und Schnittverletzungen im Bereich des Kopfes, Halses, Nackens und Oberkörpers zugefügt haben", hatte die Staatsanwaltschaft am Tag nach der Tat mitgeteilt.
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05:56 Min.|15.07.26, 19:30 Uhr|hr
Mann ersticht Frau auf offener Straße
Bild © hr
Der Mann habe "aus übersteigertem Besitzdenken und Eifersucht" gehandelt, so die Staatsanwaltschaft. Demnach waren der Tatverdächtige und das Opfer seit 1991 verheiratet, lebten aber seit mehreren Jahren in Trennung.
"Den bereits im August 2025 geäußerten Wunsch der Ehefrau, sich scheiden zu lassen, wollte der Beschuldigte in der Folgezeit nicht akzeptieren und drohte wiederholt, seine Ehefrau im Falle der Scheidung umzubringen", hieß es von der Anklagebehörde.
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Bild © picture alliance/dpa | Mona Wenisch| zur Audio-Einzelseite
Bürgermeister ruft zu mehr Aufmerksamkeit füreinander auf
Bürgermeister Kündiger sagte, es habe wohl viele Jahre schon eine Bedrohung gegeben: "Die Frau hat die Konsequenz gezogen und die gemeinsame Wohnung verlassen". Sie habe zudem mehrfach um Hilfe gebeten, auch bei der Polizei. Die angebotenen Schutzmaßnahmen der Beamten habe sie wiederum abgelehnt.
"Die Familie war ja bekannt im Ort, vielleicht hätte man genauer hingucken müssen", sagte Kündiger. "Vielleicht hätte man die Hilferufe der Frau ernster nehmen können." Auch wenn es manchmal schwierig sei bei Familienereignissen: "Insgesamt wacher auf die Mitbürger zu achten und Hilferufe anzunehmen, das sollte eine der Lehren sein."
Weitere Informationen
Konfliktforscherin: “War ein Femizid”
Anders als zum Beispiel in Südamerika gibt es den Straftatbestand "Femizid" im deutschen Strafrecht nicht: Die Tötung einer Frau aufgrund ihres Geschlechts wird als Mord oder Totschlag verfolgt. Für Konfliktforscherin Birgitt Haller steht aber außer Frage, dass es sich bei der Gewalttat von Kelkheim um einen Femizid gehandelt habe. "Frauen, die in (Ex-)Beziehung vom (Ex-)Partner ermordet werden, sind per Definition Femizide", sagte sie im hessenschau-Interview.
Ende der weiteren InformationenGedenkfeier am Samstag
Um den Menschen einen Raum zu geben, um zusammenzukommen und gemeinsam zu trauern, ist am Samstagabend um 18:30 Uhr eine Gedenkfeier geplant. Die Kirchengemeinden wollen sie organisieren. Das Gedenken soll auf dem Marktplatz stattfinden - in der Nähe des Tatorts.
Weitere InformationenHilfe bei Gewalt gegen Frauen
Bei akuter Gefährdung: Polizeinotruf 110Wenn Sie als Frau von häuslicher Gewalt betroffen sind, können Sie rund um die Uhr kostenfrei das Hilfetelefon anrufen unter der Nummer 116016 oder hier Beratung und Hilfe finden. Der Weiße Ring hilft Opfern von Gewalt.
Auch Männer, die ein Aggressions- und Gewaltproblem haben, können (frühzeitig) Hilfe und Beratung bekommen. In der "Wegweiser"-Broschüre der Landeskoordinierungsstelle gegen häusliche Gewalt werden Anlaufstellen in Hessen aufgelistet.
Ende der weiteren Informationen