Spendenskandal: Farage-Partei in neuen Turbulenzen

Großbritanniens rechtspopulistische Partei Reform UK ist in einen weiteren mutmaßlichen Spendenskandal verwickelt. Eine Dokumentation des Senders Channel 4 News legt nahe, dass sich die Partei des Brexit-Vorkämpfers Nigel Farage Gelder eines ausländischen Unternehmers sichern wollte. Der langjährige Vertraute von Parteichef Nigel Farage, Dan Jukes, und der Politikchef der Partei, James Orr, traten am Freitag zurück, wie Reform UK bekanntgab.

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Spendenskandal: Farage-Partei in neuen Turbulenzen

Spendenskandal

Großbritanniens rechtspopulistische Partei Reform UK ist in einen weiteren mutmaßlichen Spendenskandal verwickelt. Eine Dokumentation des Senders Channel 4 News legt nahe, dass sich die Partei des Brexit-Vorkämpfers Nigel Farage Gelder eines ausländischen Unternehmers sichern wollte. Der langjährige Vertraute von Parteichef Nigel Farage, Dan Jukes, und der Politikchef der Partei, James Orr, traten am Freitag zurück, wie Reform UK bekanntgab.

Online seit heute, 19.04 Uhr

„Reform UK hat nach der Ausstrahlung einer Sendung von Channel 4 News eine Untersuchung eingeleitet“, sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur PA zufolge. Der Vorsitzende der Partei, Lee Anderson, sagte auf Sky News, es gebe keine Chance für die beiden, zu Reform UK zurückzukehren.

Im Kern geht es in der Doku um den Verdacht, dass die Parteifunktionäre Wege gesucht haben sollen, ausländische Gelder unter Umgehung der britischen Spendenregeln für die Partei nutzbar zu machen. Spenden aus dem Ausland sind verboten. Mit den Mitteln hätten laut britischen Medien drei Umfragen ausgeführt werden sollen. Annehmen wollten sie die Spende von einem vermeintlichen US-Unternehmer und dessen vermeintlichem Sohn – dabei handelte es sich aber um verdeckte Reporter der Investigativgruppe Verbatim Investigations.

Berater Dan Jukes und Reform-Politiker Nigel Farage
Dan Jukes (l.) und Nigel Farage im Juli 2024

Farage beim Feiern von Parteispende gefilmt

Parteichef Farage, der selbst in eine Spendenaffäre verwickelt ist, wies die Vorwürfe zurück. „Die Partei hat keine Gesetze gebrochen. Die Partei hat kein dubioses Geld oder Ähnliches angenommen“, sagte er dem Radiosender LBC. Die britische Wahlkommission prüft die Vorwürfe und steht dazu nach eigenen Angaben mit der Polizei in Kontakt.

Farage und andere Parteigrößen seien auch dabei gefilmt worden, wie sie die neue große Parteispende feierten, so Channel 4 News weiter. Labour und die Liberaldemokraten hatten die Vorwürfe der Metropolitan Police gemeldet. Der Channel-4-News-Bericht trifft die rechtspopulistische Partei während ihrer Jahreskonferenz in Birmingham, die bis Samstag geht.

Farage: „Gegen kein Gesetz verstoßen“

Bei seiner mit Spannung erwarteten Rede sprach er von einer „ausländisch finanzierten Gruppe von Aktivisten“, die die Partei seit mehr als einem Jahr ins Visier nehme. Er wiederholte seine Behauptung, die verdeckten Filmaufnahmen seien eine „Falle“ gewesen, und beteuerte, dass die Partei kein Geld angenommen habe. Auch sagte er, die in den Aufnahmen erwähnten Umfragen seien nicht von seiner Partei finanziert worden.

Wie schon zuvor bezeichnete Farage „unverbindliche Kneipengespräche“ als Problem und erklärte, einige Äußerungen zweier Funktionäre der Partei in dem Video seien „unüberlegt“ und unwahr. „Ich wiederhole: Reform hat gegen kein Gesetz verstoßen. Wir nehmen die Einhaltung von Gesetzen äußerst ernst“, sagte Farage.

Auch Spendenaffäre um Farage geht weiter

Farage steht selbst im Zentrum einer Spendenaffäre. Ihm wird vorgeworfen, kurz vor seiner Wahl zum Abgeordneten im Jahr 2024 ein Geldgeschenk in Höhe von fünf Millionen Pfund (rund 5,9 Mio. Euro) von dem in Thailand lebenden Kryptounternehmer Christopher Harborne angenommen, aber nicht als Spende deklariert zu haben. Farage weist die Vorwürfe zurück und sagt, es habe sich um ein persönliches Geschenk ohne Bedingungen gehandelt.

Im Sommer war Farage wegen der Vorwürfe und der daraus resultierenden Untersuchung von seinem Parlamentssitz zurückgetreten, er ließ sich in der nötig gewordenen Nachwahl im Wahlkreis Clacton aber erneut wählen. Als sein Hauptgegner galt dabei ausgerechnet der Spaßkandidat „Count Binface“, ein sprechender Mistkübel.

Britische Persönlichkeit Count Binface
„Count Binface“ wurde von Farage im Wahlkreis Clacton geschlagen

Prüfung nach Rückkehr ins Parlament

Der Spendenfall wurde vom Beauftragten für parlamentarische Standards untersucht. Nach Farages Abgang wurde die Untersuchung jedoch ausgesetzt. Die Wählerinnen und Wähler sollten über sein Handeln entscheiden, sagte Farage bei seinem Rücktritt. Doch es handelt sich offenbar nur um ein Spiel auf Zeit. Nach seiner Rückkehr ins Parlament wird jetzt geprüft, ob die Annahme der fünf Millionen Pfund gegen die Transparenzregeln für Parteispenden verstößt.

Falls ein Regelverstoß festgestellt wird, könnte Farage sein Mandat verlieren und müsste sich erneut zur Wahl stellen. Eine Untersuchung konnte er also nur kurzfristig zum Erliegen bringen. Mit dem Wahlsieg kann Farage jedoch seine Erzählung untermauern, den Wählerwillen in Clacton hinter sich zu haben. Mit Bekanntwerden der Spendencausa sank damals allerdings die Beliebtheit der Partei.

Burnham knabbert an Reform-UK-Umfragewerten

Im Parlament verfügt Reform UK nur über acht Abgeordnete. Dennoch führte die Partei die Umfragen in Großbritannien in den vergangenen zwei Jahren zumeist an. Das änderte sich jedoch mit dem Rücktritt von Premierminister Keir Starmer und seiner Ablöse durch Andy Burnham im Juli, was der regierenden Labour-Partei neuen Auftrieb gab. Beobachter und Beobachterinnen sehen Farage inzwischen als geschwächt an.

Riesenspende von umstrittenem Investor

Reform UK erhielt im abgelaufenen Quartal eine Spende in Höhe von vier Millionen Pfund von dem umstrittenen Kryptoinvestor Ben Delo. Delo, der in den USA wegen eines Verstoßes gegen das Bankgeheimnis verurteilt und von Präsident Donald Trump begnadigt wurde, steuerte damit 75 Prozent der gesamten Parteispenden im vergangenen Quartal bei.

Insgesamt nahm Reform UK von April bis Juni 5,3 Millionen Pfund (rund 6,2 Mio. Euro) an Spenden ein, wie aus am Donnerstag veröffentlichten Zahlen der Wahlbehörde hervorgeht. Labour nahm im abgelaufenen Quartal ohne öffentliche Mittel 3,6 Millionen Pfund an Spenden ein. Die viele Jahre regierenden oppositionellen Konservativen kamen auf 2,8 Millionen Pfund.

Harborne spendete nicht mehr

Reform UK teilte als Reaktion auf das quartalsweise veröffentlichte Spendenbarometer mit, man freue sich über die Unterstützung erfolgreicher britischer Unternehmer bei der Vorbereitung auf die nächste Parlamentswahl. Delo hatte angekündigt, sich in der Politik zu engagieren, um Großbritannien vor einem unumkehrbaren Niedergang zu bewahren.

Plakat von Christopher Harborne und Nigel Farage
Ein Plakat einer Protestgruppe mit Christopher Harborne und Nigel Farage an einer Busstation in Birmingham

Der bisherige Hauptgeldgeber Harborne spendete in dem Quartal dagegen nichts. Die britische Regierung hatte in diesem Jahr Pläne angekündigt, die finanziellen Zuwendungen von im Ausland lebenden britischen Staatsbürgern auf 100.000 Pfund zu begrenzen.

Größte Einzelspende neun Mio. Pfund

Reform UK hatte 2025 von Harborne eine der größten Einzelspenden in der Geschichte Großbritanniens erhalten. Neun Millionen Pfund (rund 10,3 Mio. Euro) habe Harborne im dritten Quartal der Partei gespendet, teilte die britische Wahlkommission Ende 2025 mit. Der Beitrag von Harborne liegt knapp unter der Rekordspende von zehn Millionen Pfund, die im Jahr 2022 an die Konservative Partei ging.

In der Vergangenheit hatte Reform UK Schwierigkeiten, große Spenden zu erhalten. 2024 startete die Partei jedoch eine gezielte Kampagne, um Geldgeber für sich zu gewinnen. Reform UK wurde 2019 unter dem Namen Brexit Party von EU-Skeptikern – darunter Farage – gegründet und steht für einen strikten Kurs gegen Einwanderung.