Ex-Miss Jennifer Ann Gerber über ihr neues Politiker-Leben

In den letzten Jahren war es still um die ehemalige Miss Schweiz aus dem Aargau. Jetzt ist Jennifer Ann Gerber als Gemeinderätin von Oberwil-Lieli zurück im Rampenlicht. Und sagt: «Die Politik hat mich total gepackt!»

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Ex-Miss Jennifer Ann Gerber über ihr neues Politiker-Leben

Ex-Miss Jennifer Ann Gerber zeigt ihr neues Leben

«Die Politik hat mich total gepackt!»

In den letzten Jahren war es still um die ehemalige Miss Schweiz aus dem Aargau. Jetzt ist Jennifer Ann Gerber als Gemeinderätin von Oberwil-Lieli zurück im Rampenlicht. Und sagt: «Die Politik hat mich total gepackt!»

Publiziert: vor 25 Minuten

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Aktualisiert: vor 20 Minuten

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft

  • Ex-Miss Schweiz Jennifer Gerber (43) startet in der Lokalpolitik durch
  • Seit 2019 in Oberwil-Lieli, kümmert sich um Kultur und Migration
  • Mit 794 Stimmen zweitbestes Wahlergebnis im Dorf erzielt

Geduld und Nerven: Das brauchts nicht nur in der Politik, sondern auch im Garten. «Jede Pflanze habe ich selbst ausgesucht, gesetzt und gepflegt. Ich weiss, was mir gefällt», so Jennifer Ann Gerber (43). Das Resultat blüht nun hinter ihrem Haus: Rosen, Lilien und Glanzmispel werden vom warmen Wind geschüttelt, der über die Felder von Oberwil-Lieli AG zieht, wo sie seit 2019 wohnt. Aus den Setzlingen, die Gerber einst pflanzte, sind grosse Büsche und Sträucher geworden.

Acht Jahre lang hatte sich Jenny Ann Gerber aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und sich ganz auf ihre beiden Kinder und ihr Zuhause konzentriert. «Ich habe das Rampenlicht nicht mehr gesucht», sagt sie auf der Terrasse ihres Hauses. Der Rasenroboter sorgt für eine kurz geschorene Wiese, drinnen im Haus ist es Gerber, die Ordnung hält.

«Das hätte ich nie gedacht!»

Dabei kommt sie auch mit ein wenig Chaos klar. 2001 wurde sie mit 20 Jahren Miss Schweiz. Es folgten turbulente Monate. Alle wollten wissen, wer diese Jennifer Ann aus dem aargauischen Tägerig ist – und mit wem sie gerade zusammen ist. «Es war eine spannende Zeit.» Das sagt nicht nur Jenny, sondern auch ihre Mutter, Margaret «Maggie» Gerber (75). «Wir lebten sehr ländlich, mit Gemüsegarten und Hühnern. Als Jenny Miss Schweiz wurde, eröffnete uns das eine neue Welt.» 

Artikel aus der «Schweizer Illustrierten»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!

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Nun eröffnet sich die unbekannte Welt der Politik. «Nie hätte ich gedacht, dass ich in dem Bereich landen werde!», sagt Gerber, während sie im Bürozimmer den Laptop aufklappt. «Ich muss noch ein paar Anrufe machen.» Nach dem Missenjahr arbeitete Gerber als Moderatorin und machte eine Ausbildung zur PR-Fachfrau. Und nach der Geburt von Tochter Jade und Sohn Sean pausierte sie.

«Meine Kinder sind das Wertvollste, was ich habe», sagt sie. «Ich finde es absolut richtig, dass Mütter weiterhin berufstätig bleiben können, aber ich will keine Stunde missen, die ich mit meinen Kids verbracht habe.» Unterstützt wird sie von ihrer Mutter und von Ehemann Charles «Charly» Rees. Der Brite arbeitet in der Finanzbranche und hält sich aus der Öffentlichkeit raus. Gerbers Vater starb kurz vor der Hochzeit im Jahr 2015. «Leider lernten meine Kinder ihren Opa nie kennen.»

Ihre Politisierung begann im Kinderzimmer. «Ich merkte, wie viel Ramsch es gibt. Billige Ware, die schnell kaputtgeht. So etwas von weither zu bestellen, schadet der Umwelt und der Schweizer Wirtschaft. Das müssen wir ändern.» Sie kommt mit den Gemeinderäten ihres Dorfs ins Gespräch und hört immer wieder: «Geh in die Politik, das würde zu dir passen!»

Lokalpolitik, das bedeutet, dass die ehemalige Schönheitskönigin nun im Innenhof der Primarschule von Oberwil-Lieli steht und mit drei Herren über das 1.-August-Fest diskutiert. «Ich befürchte, dass sehr viele Leute kommen», sagt einer von ihnen, als es um die Bestuhlung geht. «Wegen meinem super Flyer!», sagt Gerber und lacht herzhaft. «Ich hab lange rumtelefoniert, um Alphornbläser, einen Jodlerklub und Trychler zu organisieren.» Als «Dickkopf» wurde sie früher charakterisiert. «Hartnäckig bin ich », sagt Gerber. Wenn sie sich als kleines Kind zu sehr aufregte, wurde sie ohnmächtig.

«Verantwortungsvolle Migration»

Sich aufregen – dabei will Gerber es nicht belassen. Lieber will sie Lösungen für die Probleme suchen, denn sie sei «stolz auf die Schweiz». Sie wolle «unsere Werte» bewahren, die «Bildung stärken» und eine «verantwortungsvolle Migration, damit die Infrastruktur nicht konstant überfordert ist und die Integration funktioniert».

Klingt nach SVP? «Nein, ich bin irgendwo zwischen Mitte und Rechts.» Also bei der FDP, der Gerber 2024 beigetreten ist und die in Oberwil-Lieli in eine Art Dornröschenschlaf gefallen war. «Bei der AHV brauchts Lösungen», fährt Gerber fort. «Wer mal eine längere Auszeit hatte wie ich, kann doch dafür später länger arbeiten.» Sie liest ein Taschentuch vom Boden des Schulhofs auf und wirft es weg. 

Apropos, sie wollte ja kurz noch zum Recycling-Hof. Sportlich springt Gerber von einem Thema zum anderen, redet im Stakkato und geht einmal pro Woche auf den Vita-Parcours. «Das ist abwechslungsreich und ich liebe die frische Luft im Wald.»

Gerber wurde mit 794 Stimmen gewählt, dem zweitbesten Resultat im Dorf. Manchmal werde sie auf ihre Missen-Vergangenheit angesprochen. «Anfangs wollte man sicher wissen, ob es mir mit der Politik ernst ist. Das ist unterdessen wohl allen klar, besonders jenen, die mit mir zu tun hatten.»

Gerber betreut viele Themen: Kultur, Sport, Freizeit und Vereine – aber auch Gesundheit, Soziale Sicherheit, Umweltschutz und Raumordnung. «Die Politik hat mich gepackt. Ich blühe gerade richtig auf», und ja, sie könne sich gut vorstellen, später mal für den Nationalrat zu kandidieren.

Schlagabtausch in der Turnhalle

Doch erst steht jetzt das 1.-August-Fest an. Bei Schlechtwetter wird der Anlass in die Turnhalle verschoben. «Könnten wir dann Holzverkleidungen an die Wände anbringen, damit es nicht so turnhallig aussieht?», fragt Gerber. «Und wer baut die auf?», fragt Christian Giger, der Chef der Musikgesellschaft. «Was, wenn ich jemanden finde, ders macht?», kontert Gerber. «Wir müssen schauen, wie viel Platz das brauchen würde», gibt Giger zurück.

So geht es noch eine Weile hin und her. Gerber gefällts: «Ich mag es, wenn jemand anderer Meinung ist!» Meist finde man ja doch Gemeinsamkeiten. Bei Giger und ihr ist es das Thema Nachwuchsförderung.

«Wir brauchen dringend mehr Leute bei der Musikgesellschaft», gibt Giger der Gemeinderätin mit auf den Weg. Die kennt das Problem aus der Politik. «Man muss eigentlich ständig dran sein bei der Nachwuchsförderung», sagt Gerber. Und geht gleich selbst mit gutem Beispiel voran.