EU genehmigt Sanofi-Förderung: Frankfurts Insulinfabrik soll Europa unabhängig von Importen machen
StartseiteFrankfurtStand: 09.09.2026, 07:00 UhrKommentareUns auf Google folgenDas Sanofi-Werk im Industriepark Höchst. © SanofiDer Pharmakonzern Sanofi errichtet im Industriepark Höchst ein neues Werk für die I...
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Stand: 09.09.2026, 07:00 Uhr
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Der Pharmakonzern Sanofi errichtet im Industriepark Höchst ein neues Werk für die Insulinproduktion. Möglich wird das durch staatliche Beihilfe.
Frankfurt – Der Dienstag war ein erfreulicher Tag für Mike Josef. Zum einen hatte der Frankfurter Oberbürgermeister, der bis Donnerstag mit einer Delegation in der Partnerstadt Yokohama unterwegs ist, am Abend keine Termine und konnte Freizeit im nahen Tokio verbringen. Zum anderen verkündete er aus Japan eine Nachricht, die für die Frankfurter Wirtschaftspolitik kaum zu überschätzen ist: Der Pharmakonzern Sanofi baut sein Werk für die Herstellung von Insulin im Industriepark Höchst. Die Investitionssumme, die zuletzt eher konservativ auf 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro geschätzt wurde, liegt bei zwei Milliarden Euro. Auch in der Bankenstadt Frankfurt ist das eine Hausnummer.
Seit Mitte 2024 war über die Ansiedlung des Werks gesprochen worden. „Sanofi prüft Bau einer neuen Insulinproduktion in Frankfurt“, titelte die Frankfurter Rundschau damals. Das klang zurückhaltend – aus gutem Grund. Sanofi ist zwar im Industriepark Höchst mit einer Produktionsanlage und 6.500 Beschäftigten präsent, der Hauptsitz aber befindet sich in Paris. Und auch Frankreich hatte um die Ansiedlung des Insulinwerks geworben.
400 Millionen Euro für Sanofi-Werk in Frankfurt
Dass die Entscheidung für Frankfurt fiel, dürfte vor allem mit Geld zu tun haben. 400 Millionen Euro zahlen der Bund, das Land Hessen und die Stadt Frankfurt als Investitionshilfe.
Die EU-Kommission in Brüssel bestätigte am Dienstag die Rechtmäßigkeit der Zuwendung und räumte damit „das letzte Hindernis“ (Mike Josef) aus dem Weg. Das Hauptargument der europäischen Wettbewerbshüter:innen: Ohne das Geld würde Sanofi den Standort in Deutschland schließen. „Das würde die Sicherheit der Insulin-Versorgung im Europäischen Wirtschaftsraum verringern“, heißt es in der Entscheidung der Kommission. Europa wäre dann zunehmend abhängig von der Zufuhr aus anderen Staaten.
Versorgung mit Insulin sichergestellt
Auf die Sicherheit der Versorgung mit Insulin hoben am Dienstag mehrere Politiker ab. Mike Josef bezeichnete das neue Werk, das 36.000 Quadratmeter messen wird und eine bestehende, wesentlich kleinere Fabrik ersetzen soll, als „zentrales Element der europäischen Pharmastrategie“.
Wirtschaftsdezernent Nils Kößler (CDU) sagte, durch Sanofi werde die Insulin-Versorgung von einem Drittel der Diabetespatientinnen und -patienten in Deutschland gesichert. Deutschland müsse „in einer veränderten geopolitischen Situation auch strategisch denken und an seiner Resilienz arbeiten“. Abhängigkeiten von anderen Ländern seien schwierig. „Nicht auszudenken, wenn die Versorgung von heute auf morgen wegbräche, weil zum Beispiel eine Lieferkette nicht mehr trägt, eine Transportroute versperrt wird, ein neuer internationaler Konflikt ausbricht“, so Kößler.
Insulinproduktion seit 1923
Der Hessische Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD) sagte, „eine strategisch wichtige Wertschöpfungskette“ bleibe in Hessen erhalten. „Hochqualifizierte Beschäftigte“ im Frankfurter Westen bekämen damit eine langfristige Perspektive.
Tatsächlich wird der Wirtschaftsstandort Frankfurt, der laut Mike Josef eben nicht nur aus Banken, Versicherungen und dem Flughafen besteht, durch die Entscheidung enorm gestärkt. Die Einnahmen aus der Gewerbesteuer dürften durch das Werk, das bis Ende 2032 fertig sein soll, deutlich steigen. Zudem werden mehrere Hundert Fachkräfte für die Produktion benötigt.
Die Herstellung von Insulin hat in Frankfurt Tradition. Seit 1923 wird der Stoff im Industriepark produziert. Sanofi trat dabei das Erbe der Hoechst AG und der Farbwerke an. In Höchst ist die gesamte Produktionskette von Insulin abgedeckt. Sie reicht von der Herstellung des Wirkstoffs für das Medikament über die Anfertigung der Spritzen bis zum Vertrieb.
Für die Stadt wird sich der Sanofi-Bau auszahlen. Ein Kommentar.